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Bildrechte: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

20 Jahre lang hat die Bundeswehr am Hindukusch gedient. Dabei starben 59 Kameraden. Daran erinnern heute der feierliche Abschluss-Appell und der große Zapfenstreich am Abend in Berlin.

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Afghanistan-Einsatz: Steinmeier zieht zwiespältige Bilanz

Kranzniederlegung, Appell, Zapfenstreich: Das politische Berlin würdigt den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Es geht um Erinnerung an die Toten, Dank an die 160.000 Einsatzkräfte am Hindukusch - und den Versuch einer versöhnlichen Bilanz.

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Von
  • BR24 Redaktion

Die Spitzen des Staates - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Kanzlerin Angela Merkel und viele weitere Politiker - haben am Mittwoch auf mehreren Veranstaltungen die Leistungen der in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten gewürdigt. Dabei zog Steinmeier allerdings eine durchwachsene Bilanz der 20-jährigen Mission.

Viele Menschen stellten nach dem Fall von Kabul "Fragen nach dem Sinn dieses Einsatzes", so Steinmeier in einer Rede beim zentralen Abschlussappell in Berlin, an dem auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahm. Er äußerte sich überzeugt, dass die Mission ursprünglich richtig gewesen sei.

"Wir haben unser militärisches Ziel erreicht, diejenigen zu besiegen, die vor zwanzig Jahren aus Afghanistan heraus furchtbaren Terror über unsere Verbündeten gebracht haben. Aber unser weiter gestecktes Ziel, in Afghanistan stabile staatliche Strukturen aufzubauen, haben wir nicht erreicht" Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Ausdrücklich würdigte der Bundespräsident die Leistungen der insgesamt mehr als 150.000 in Afghanistan eingesetzten Soldatinnen und Soldaten - und die von ihnen gebrachten Opfer. Besonders gedachte er der 59 deutschen Soldaten, die im Afghanistan-Einsatz gestorben sind. Er verwies auch auf diejenigen, die noch heute mit den Folgen ihres Einsatzes kämpfen - körperlich oder psychisch. "Wir stehen tief in ihrer Schuld", sagte der Bundespräsident.

Kramp-Karrenbauer: "Kein Einsatz hat die Bundeswehr so sehr geprägt"

Zuvor hatte Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) an den Tod von insgesamt 59 Soldaten beim Einsatz in Afghanistan erinnert und den Männern und Frauen der Bundeswehr für den 20 Jahre lang in Afghanistan geleisteten Dienst.

"Kein Einsatz zuvor hat die Bundeswehr so sehr geprägt wie dieser Einsatz in Afghanistan. Keiner zuvor war so lange, so intensiv, so gefährlich" Annegret Kramp-Karrenbauer, Bundesverteidigungsministerin (CDU)

Kramp-Karrenbauers ebenfalls ambivalentes Fazit: Eine Generation Männer und Frauen habe in Afghanistan freier und sicherer aufwachsen können. Manches habe die Bundeswehr als Armee freilich nicht zu leisten vermocht: "Der Aufbau einer Zivilgesellschaft, das Errichten einer Demokratie oder der Aufbau einer Wirtschaft sind nicht der Auftrag von bewaffneten Streitkräften."

Am Abend großer Zapfenstreich

Im Anschluss an den Appell steht ein Empfang im Bundestag auf dem Plan - schließlich ist die Bundeswehr eine sogenannte "Parlamentsarmee", bei der jeder Einsatz von den Abgeordneten mit einem Mandat versehen werden muss.

Für den weiteren Abend ist ein Großer Zapfenstreich mit Musik und Fackeln vor dem Reichstagsgebäude geplant. Mit dabei sein sollen ausgewählte Soldatinnen und Soldaten aller Kontingente, stellvertretend für die rund 160.000 Männer und Frauen, die in den etwa 20 Jahren in Afghanistan Dienst getan haben.

Verschoben wegen der Evakuierungsmission

Die Feierlichkeiten hätten eigentlich schon Ende August stattfinden sollen. Doch als ein Bundeswehr-Team aufbrach, um eine Luftbrücke zwischen Kabul und Taschkent aufzubauen, hieß es im Verteidigungsministerium: Wir müssen uns jetzt darauf "mit voller Kraft konzentrieren". Der feierliche Abschluss der rund 20 Jahre dauernden Mission in Afghanistan wurde verschoben.

Högl kritisiert mangelnde Würdigung des Afghanistan-Einsatzes

Nicht nur diese Verschiebung hatte zuletzt für Kritik am Umgang mit den Soldaten und Soldatinnen gesorgt. Die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl, fordert aus Anlass der Feierlichkeiten im Bayerischen Rundfunk mehr Wertschätzung für die Leistungen der Bundeswehrsoldaten in Afghanistan. Im BR24 "Thema des Tages" betonte Högl, in den vergangenen 20 Jahren hätten Politik und Gesellschaft die Arbeit der rund 160.000 Soldatinnen und Soldaten, die am Hindukusch im Einsatz waren, nicht ausreichend gewürdigt.

Zwar sei die Mission nicht umsonst gewesen. Dennoch:

"Ich kann das verstehen, dass da auch eine ganze Menge Enttäuschung ist, denn unsere Soldatinnen und Soldaten, die haben da wirklich viel gegeben." Eva Högl (SPD), Wehrbeauftragte des Bundestages

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