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AfD verbreitet Fake News zu Corona | BR24

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Das Bedürfnis nach Informationen zum Coronavirus ist groß. Dabei mischen sich im Internet geprüfte Nachrichten und faktenbasierte Diskussionen mit Falschinformationen und Verschwörungstheorien. Und es gibt sogar Politiker, die dabei mitmischen.

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AfD verbreitet Fake News zu Corona

Verschwörungstheoretiker stellen im Internet die Gefahr durch das Coronavirus in Frage. Plattformen wie KenFM, Rubikon oder Kla.tv verbreiten Fake News. Auch AfD-Abgeordnete aus Bayern sprechen von einer "Corona-Hysterie". Experten kritisieren das.

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Sie nennen sich "Corona-Rebellen": populistische YouTuber schimpfen im Internet über die Macht der Virologen, sehen hinter den staatlichen Maßnahmen eine Verschwörung, eine "Corona-Diktatur", die den Bürger entmündigen soll. Mit Falsch-Nachrichten und dubiosen Lungen-Experten sammeln sie Millionen-Klicks.

Daten und Statistiken werden angezweifelt

Auch der AfD-Politiker Hansjörg Müller hat sich dieser Methode angeschlossen: In Videos prophezeit er eine Massenverarmung in Deutschland und Selbstmorde unter Firmeninhabern. Er äußert Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Statistiken, etwa zu den Corona-Toten in Italien.

"88 Prozent der Corona-Toten, die aus Italien gemeldet sind, sind keine Corona-Toten. Da werden andere Tote untergeschoben, um die Statistik nach oben zu jubeln. Und selbst von den zwölf Prozent, die dann noch übrigleiben, sind die meisten nicht an Corona gestorben, sondern mit Corona gestorben." Hansjörg Müller, AfD-Politiker

Hansjörg Müller ist kein einfaches Parteimitglied, sondern Bundestagsabgeordneter und Vizechef der Bayern-AfD, außerdem Anhänger des sich auflösenden rechtsextremen Flügels. Seine Kritik erstreckt sich auf die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut.

Virologen warnen vor Halbwahrheiten

Virologen wie die Leiterin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München Ulrike Protzer kennen die Fake-News und Verunglimpfungen, die im Internet zirkulieren. Den Zweiflern sagt sie:

"Letztendlich führt diese Corona-Virus-Infektion dazu, dass man eine Lungenentzündung kriegt, im schlimmsten Fall ein Lungenversagen und darauf basierend an Herzversagen stirbt. Aber die Ursache ist ganz klar die Infektion mit dem Coronavirus." Ulrike Protzer, TU München

Auch der von Populisten häufig genannte Vorwurf, Corona sei nicht tödlicher als eine normale Grippe, ist in den Augen der Virologin eben nur die halbe Wahrheit. "Ein Grippevirus hat durchaus eine ähnliche Letalität wie das Coronavirus", so Protzer weiter. Aber der Anteil der Bevölkerung, die empfänglich sei für das Corona-Virus, der sei einfach viel höher als der, der empfänglich sei für das Grippevirus. "Für das neue Coronavirus ist keiner geschützt, es gibt keine Impfung."

AfD-Landeschefin spricht von Passierscheinen und Zwangsimpfungen

Auch die AfD-Landeschefin Corinna Miazga scheint auf das Thema aufzuspringen. In einem jüngst veröffentlichten Video spricht sie von "Polizeipatrouillen" und "Passierscheinen". Sie warnt vor "Zwangsimpfungen" und einer "drohenden Währungsreform". Der deutschen Wirtschaft würde "der Garaus gemacht", so Miazga. Auf ihrem Youtube-Kanal sagt sie: "Dann wird es wirklich zappenduster. Wir könnten uns unserer gesamten wirtschaftlichen Existenzgrundlage berauben."

Politikwissenschaftlerin kritisiert AfD-Strategie

Für Politikwissenschaftlerin Ursula Münch sind die AfD-Videos unlauter und ein Beispiel von absichtlich gestreuter Falsch-Information. "Da wird Unsinn verbreitet, der durch nichts empirisch nachweisbar und belegbar ist. Da wird schlicht und ergreifend Panik verbreitet", so Münch. Für das fragwürdige Vorgehen sieht sie klare Gründe. "Die AfD steht zurzeit als Oppositionspartei - wie auch die anderen Oppositionsparteien - einfach nicht im öffentlichen Fokus. Und jetzt versucht die Partei aus der Not eine Tugend zu machen und völlig übertrieben Ängste zu schüren und an Regierungspolitikern Zweifel zu säen und damit auch am ganzen politischen System", meint die Politikwissenschaftlerin.

Kritik an den Maßnahmen berechtigt, aber nicht mit Halbwahrheiten

Die aktuellen Maßnahmen gegen Corona gingen sehr weit, sagt Münch. Darum sei Kritik durch die Opposition gewünscht, die Kritik aber müsse fundiert sein.

"Diese Freiheitsbeschränkungen sind sehr weitgehend. So etwas Weitgehendes hatten wir noch nie in der Bundesrepublik. Damit soll und muss sich Opposition auseinandersetzen. Aber eben in einer faktenbasierten Diskussion und nicht mit dem Bedienen von Verschwörungstheorien." Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin

Der Kampf gegen Corona, so scheint es, wird nun auch ein politischer Kampf mit fragwürdigen Informationen.

Unterschiedliche Meinungen in AfD-Landtagsfraktion

In der Landtagsfraktion der AfD gehen die Meinungen zu den Corona-Maßnahmen auseinander. Abgeordnete wie Franz Bergmüller aus Oberbayern, fordern eine baldige Aufhebung der Beschränkungen. Ginge es nach Bergmüller, so hätte Deutschland ohnehin dem schwedischen Modell folgen sollen. "Schweden setzt auf Herdenimmunität", so Bergmüller, "Risikogruppen werden selbstverständlich isoliert und geschützt, allerdings kommt das öffentliche Leben dabei nicht zum Erliegen".

Für den oberpfälzischen AfDler Roland Magerl hingegen haben die aktuellen Maßnahmen ihre Berechtigung. Magerl sitzt für die AfD im Gesundheitsausschuss und spricht von einer ernsthaften Situation. "Jetzt hat der Schutz der Bürger oberste Priorität", sagt er. Laut Magerl müsse man in Krisenzeiten die "knüppelharte Oppositionsarbeit" über den Haufen werfen und für die Leute einstehen. Auch diene das Coronavirus in seinen Augen nicht als Thema, bei dem sich die AfD "in den Vordergrund drängen will".

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Verschwörungstheoretiker stellen im Internet die Gefahr durch das Corona-virus in Frage. Plattformen wie KenFM, Rubikon oder Kla.tv verbreiten Fake News. Auch AfD-Abgeordnete aus Bayern sprechen von einer "Corona-Hysterie". Experten kritisieren das.

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