| BR24

 
 
© BR

Spritze vor verwaschenem Hintergrund

Kinder sollten aus Sicht von Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery nicht nur gegen Masern, sondern auch gegen weitere Krankheiten verpflichtend geimpft werden.

"Alle Impfungen, die die Ständige Impfkommission für Kinder empfiehlt, sollten verpflichtend sein." Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland

"Nicht sinnvoll, Impfpflicht auf einzelne Krankheiten begrenzen"

Nur dann gäbe es eine Chance, Krankheiten auszurotten und die gesamte Bevölkerung dauerhaft vor zum Teil lebensbedrohlichen Krankheiten zu schützen. Eine Impfpflicht auf einzelne Krankheiten zu begrenzen, sei schon deshalb problematisch, weil heute in der Regel Mehrfachimpfstoffe verwendet würden und Präparate gegen einzelne Krankheiten gar nicht mehr zur Verfügung stünden, sagte Montgomery.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Instituts empfiehlt für Kinder derzeit unter anderem einen Vierfach-Impfstoff gegen Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sowie einen Sechsfach-Impfstoff gegen Diphtherie, Tetanus, Kinderlähmung, Keuchhusten, Haemophilus influenzae Typ B sowie Hepatitis B. Ein einzelner Impfstoff gegen Masern ist dem Bericht zufolge in Deutschland nicht verfügbar und müsste importiert werden.

Montgomery: Schulverbot für nicht geimpfte Kinder

Nötig seien praxistaugliche Strategien, so der Ärztepräsident. In Frage komme ein Verbot des Besuchs von Gemeinschaftseinrichtungen wie Kita oder Schule für Kinder, die nicht geimpft seien.

"Zwar steht die Impfpflicht dann im Zweifel im Konflikt mit der Schulpflicht. Aber dieses Problem muss die Politik lösen." Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery

Um Impfgegner zu überzeugen, helfe nur "Aufklärung, Aufklärung, Aufklärung". Zwar werde es am Ende dennoch einige Wenige geben, die sich verweigerten. Aber deshalb sollte "die kluge Idee einer Impfpflicht" nicht ad acta gelegt werden, sondern jetzt so schnell wie möglich die konkrete Ausgestaltung in Angriff genommen werden, forderte Montgomery.

Gesundheitsminister will Pläne für Impfpflicht bis Mai

Die Bundesregierung bereitet Vorschläge für eine Impfpflicht vor, die Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) im Mai vorlegen will. Er hatte sich grundsätzlich für verpflichtende Masern-Impfungen für Kinder in Kitas und Schulen ausgesprochen. Auch die SPD unterstützt das. Masern sind hochansteckend und können in seltenen Fällen auch tödlich verlaufen.

Das Thema Impfpflicht wird kontrovers diskutiert - das zeigen auch die Statements der Gäste der "Münchner Runde".

Das Thema Impfpflicht wird kontrovers diskutiert - das zeigen auch die Statements der Gäste der "Münchner Runde".