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Ägypten: Fastenpflicht auch in diesem Ramadan - trotz Corona | BR24

© picture alliance/Fabian Strauch/dpa

Ein muslimisches Paar in Deutschland während des Fastenbrechens im Ramadan. Gesellschaft gibt es in Corona-Zeiten nur über Videokonferenzen.

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    Ägypten: Fastenpflicht auch in diesem Ramadan - trotz Corona

    Die religiösen Institutionen in Ägypten haben eine klare Entscheidung getroffen: Trotz Corona gibt es auch in diesem Ramadan für die muslimische Bevölkerung eine Fastenpflicht. Dies entspricht auch der Linie der Weltgesundheitsorganisation.

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    Von
    • Björn Blaschke

    Zucker, Tee, Reis, getrocknete Bohnen - der Einkaufswagen, den Fatma aus dem Supermarkt schiebt, ist voll. Letzte Ramadan-Einkäufe. Auch Spenden. Gläubigen Muslimen ist der Fastenmonat heilig: zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang dürfen sie weder essen noch trinken. Solange die Sonne nicht scheint, sollen sie bescheiden speisen. Und dabei großzügig ärmere Mitmenschen mit Essen bedenken.

    Fatma sagt, dass sie sich auch in diesem Jahr an die Ramadan-Gebote halten werde. "Ich werde fasten. Nein, ich habe keine Angst vor Corona." Sie könne sich jederzeit mit Corona infizieren. Das habe mit dem Fasten im Ramadan überhaupt nichts zu tun. "Das Fasten stärkt doch das Immunsystem!"

    Die Fastenpflicht bleibt bestehen

    Dass der Körper in den ersten Tagen der Fastenzeit geschwächt ist und damit angreifbarer sein könnte für Viren, sieht Fatma so wenig wie Hisham. Er ist Sicherheitsmann und von der Kraft des Fastens überzeugt: "Ramadan hilft gegen Corona. Gott hat uns gesagt: fastet, dann bleibt Ihr gesund! Wenn wir die 30 Tage fasten, dann wird das Fasten unseren Körper von allen Krankheiten reinigen. Und so wird Gott diese Epidemie beenden."

    Alle Befragten wollen in diesem Ramadan fasten. Damit handeln sie im Sinne der religiösen Institutionen Ägyptens. Allen voran: die Azhar, die wichtigste Lehreinrichtung im sunnitischen Islam. Als Azhar-Gelehrter ist Khaled Omran Generalsekretär des Fatwa-Rates im Dar al-Iftaa, einer Abteilung des ägyptischen Justizministeriums. Das Dar al-Iftaa ist zuständig für die Ausarbeitung islamischer Rechtsgutachten – sogenannter Fatwas. Auch der Fatwa, die besagt, dass die Fastenpflicht im Ramadan 2020 bestehen bleibt – erklärt Scheich Khaled der ARD.

    WHO betont: Keine Studien zu Fasten und COVID-19

    Der Großmufti, das Ministerium für islamische religiöse Stiftungen und das islamisch-theologische Forschungskollegium, das zur Azhar gehört, haben sich mit Fachausschüssen getroffen. Alle zusammen haben das Rechtsgutachten ausgearbeitet, das besagt, dass das Fasten auch in diesem Ramadan als Pflicht besteht und dass die Umstände keine andere Entscheidung erfordern. Menschen, die an Corona oder an etwas anderem erkrankt sind, müssen dem Rat des Facharztes folgen. Wenn er ihnen vorschreibt, nicht zu fasten, dann müssen sie es sein lassen.

    Dass Gläubige auch in Zeiten von Corona fasten, entspricht auch der Linie der Weltgesundheitsorganisation, WHO. Die schreibt auf einer Seite mit Ramadan-Tipps: "Gesunde Menschen sollten in der Lage sein, (…) zu fasten wie in früheren Jahren." Die WHO betont aber auch: "Bisher gab es keine Studien zum Fasten und dem Risiko einer COVID-19 Infektion."

    In diesem Jahr keine Ramadan-Tafeln

    Fasten im Ramadan: Ja. Die sonst üblichen sozialen Aktivitäten im großen Rahmen: Nein. So gibt es in diesem Jahr keine Ramadan-Tafeln. Lange Tische, an denen normalerweise zum Fastenbrechen viele Arme zusammenkommen, um von Reichen bewirtet zu werden.

    Spenden können Gläubige trotzdem – über NGOs zum Beispiel. Und: Die Moscheen in Ägypten sind seit Wochen geschlossen – und bleiben es auch während des Ramadan. Die täglichen Gemeinschaftsgebete im heiligen Monat müssen coronabedingt klein ausfallen. Das Menschenleben habe Vorrang, so Scheich Khaled Omran.

    Er sagt: "Die Angelegenheit des Gemeinschaftsgebetes darf man nicht so eng sehen. In dieser Situation sagen wir, dass es Zeit ist, zurückgezogen zu Hause mit der Familie zu beten, was auch eine ausgesprochen positive, soziale und spirituelle Wirkung auf das gemeinsame Familienleben hat." Ein gutes Verhältnis zur Familie könne man auch durch moderne Kommunikationsmittel haben. Man könne sie anrufen oder ihnen Geschenke schicken. "Es gibt viele Wege zu einem guten Verhältnis mit den Eltern und Verwandten."

    Keine Gemeinschaftsgebete in den Moscheen

    Auch Rania und Mohammed, die gerade für den Ramadan eingekauft haben, halten sich daran: Sie wollen fasten, aber auf Abstand zu Mitmenschen bleiben – auch zu Verwandten. Und trotzdem sagen sie, dass sie die Gemeinschaftsgebete in der Moschee und die Verwandtenbesuche vermissen werden.

    Aber zum Glück könne man ja auch per Telefon gute Wünsche aussprechen, sagt Mohammed. Zum Beispiel: "Das ganze Jahr und Du, möge es Euch gut gehen – kulu sene wa anta tayib! Das ist doch das Beste."

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