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Vor drei Jahren begannen die Restaurierungsarbeiten in der Geburtskirche in Bethlehem.

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Adoptiere eine Säule! In der Geburtskirche in Bethlehem

Die Geburtskirche in Bethlehem wird restauriert – weil Geld fehlt, werden private Sponsoren geworben

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Von
  • Peter Kapern

Vor drei Jahren begannen die Restaurierungsarbeiten in der Geburtskirche. Damals war das Dach undicht, die Mosaike waren mit einem dunkelbraunen Rußfilm überzogen. Nun sind die Mosaike fast fertig restauriert. Für die Säulen fehlt bisher noch das Geld. Sponsoren sollen helfen.

Nur, wer über die Baugerüste nach oben klettert, kann den sechs mannsgroßen Engeln auf Augenhöhe gegenübertreten. Kann ihnen aus wenigen Zentimetern Entfernung in die Gesichter blicken und auf die anmutige Geste ihrer Hände schauen. Sie weisen jedem Gläubigen, der die Geburtskirche in Bethlehem betritt, den Weg zur Geburtsgrotte unter dem Altar. Die steilen Leitern auf das Gerüst dürfen nur die Restauratoren hochklettern. Und der Ingenieur Ibrahim Abed Rabbo. Er sagt, er sei da oben jedes Mal wieder von der Schönheit der Mosaike überwältigt. Doch selbst die Besucher, die unten bleiben müssen, legen den Kopf in den Nacken, starren nach oben – und sind beeindruckt:

"Man kann auch von unten die Mosaike sehen. Und wenn wir uns von hier oben die Menschen da unten anschauen, dann sehen wir, dass sie glücklich sind bei dem Anblick. Sie sehen die Details, die Schönheit und die Farben der Mosaike." Ibrahim Abbed Rabbo, Ingenieur

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Der Ingenieur Ibrahim Abbed Rabbo ist einer der wenigen, die das Baugerüst hochklettern und den mannshohen Engeln auf Augenhöhe begegnen dürfen.

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Das Dach war undicht, die Dachbalken verfaulten: Nun haben sich die Restauratoren von oben nach unten durch das Kirchengebäude gearbeitet.

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Die Mosaike waren mit einem dunkelbraunen Rußfilm überzogen – bis die Restaurierungsarbeiten begannen.

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Gold, glänzend und detailreich sind die Mosaike, die im Laufe der Jahrhunderte übrig geblieben sind.

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2000 Quadratmeter waren die Mosaike groß, als sie Mitte des 12. Jahrhunderts geschaffen wurden.

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Kriege, Brände, Erdbeben und die jahrhundertelange Vernachlässigung haben davon 125 Quadratmeter übrig gelassen.

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Die Mosaike zeigen auch Szenen aus dem Leben Jesu.

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Ein Junge legt sein Hemd auf den Boden, um dem Gottessohn den Weg zu bereiten.

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Der Trick für strahlende Mosaikplättchen: Jeder goldene Mosaikstein ist um dreißig Grad nach unten gekippt.

Die Restaurierungsarbeiten haben vor drei Jahren begonnen. Damals war die Geburtskirche in einem jämmerlichen Zustand, das Dach undicht, die Dachbalken verfault, und die Mosaike waren mit einem dunkelbraunen Rußfilm überzogen. Mittlerweile hat die Kirche ein neues Dach, und die Mosaike im oberen Teil des Kirchenschiffs sind restauriert. 2000 Quadratmeter waren sie groß, als sie Mitte des 12. Jahrhunderts geschaffen wurden. Kriege, Brände, Erdbeben und die jahrhundertelange Vernachlässigung haben davon ganze 125 Quadratmeter übrig gelassen. Neben den Engeln zeigen sie die Geschichte der ersten Kirchenkonzile und Szenen aus dem Leben Jesu. In einem Farbreichtum, der einzigartig ist. Vor allem das glänzende Gold lässt die Betrachter staunen:

"Das ist eine ganz dünne Goldschicht, die von beiden Seiten in Glas eingehüllt ist. Deshalb glänzt es so und ist gleichzeitig geschützt. Echtes Gold, ganz, ganz dünn! Jeder einzelne der goldenen Mosaiksteine ist um dreißig Grad nach unten gekippt. Wenn die Sonne draufscheint, reflektieren die Steine das Licht nach unten. Deshalb sehen die Leute unten dieses Strahlen." Ibrahim Abbed Rabbo, Ingenieur

Die Restauratoren haben sich von oben nach unten durch das Kirchengebäude voran gearbeitet. Nach dem Dach und den Wänden mit den Mosaiken kommen als Nächstes die Säulen dran. Eine ist bereits restauriert. Für die übrigen 49 fehlt das Geld. Deshalb ist eine Kampagne gestartet worden, mit der private Sponsoren geworben werden sollen: Adoptiere eine Säule! Man wolle private Unternehmer anwerben, sagt Ibrahim Abbed Rabbo. Die Kosten für die Restaurierung einer Säule variieren. Manche haben eine Farbschicht, andere nicht. Aber für jede Säule werden etwa 43.000 bis 44.000 Euro benötigt. Kommt das Geld zügig zusammen, dann kann die Restaurierung in drei Jahren abgeschlossen sein.