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ADAC-Test: Viele Tunnel in Italien mangelhaft | BR24

© picture alliance / Klaus Nowottnick

Einfahrt zum Kofler-Tunnel bei Bozen in Südtirol auf der Brennerautobahn.

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    ADAC-Test: Viele Tunnel in Italien mangelhaft

    Straßentunnel vor allem in Italien sind eine Gefahr für Autofahrer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des ADAC. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club hat Tunnel in Italien, Kroatien und Österreich unter die Lupe genommen.

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    Fehlende Pannenbuchten, Notausgänge und Notrufstationen: Die Liste der Mängel in italienischen Tunneln ist lang. Auch Hydranten für Löschwasser sucht man bisweilen vergeblich. Im Falle eines Unglücks heißt das: Lebensgefahr. Von acht getesteten italienischen Tunneln erfüllten sieben die Mindestanforderungen nicht, der achte nur teilweise. Somit sind die Tunnel in Italien ganz klar die Verlierer im ADAC-Test. Untersucht wurden die Tunnel Allocco, Banzole, Castelletto, Fornaci, Giovi, Le Cretes, Roccaccia und Tarvisio.

    Tunnel in Italien mangelhaft, in Österreich gut

    Insgesamt 16 Tunnel hat der ADAC in Italien, Österreich und Kroatien inspiziert. Auch in Kroatien ist einer von drei getesteten durchgefallen, nämlich der Tunnel Učka.

    Am besten abgeschnitten haben die Tunnel in Österreich. Dort sind die Bauwerke in einem sicheren Zustand.

    "Die Tunnel entsprechen durchgehend den Mindestanforderungen der europäischen Richtlinie. Da gab es keine Mängel in unserer Inspektion.“ Johannes Boos, ADAC-Sprecher

    Alle österreichischen Tunnel verfügten über zwei getrennte Röhren, was die Strecken sicherer macht. So können die Fahrzeuge sich nicht begegnen. Österreich hat in den vergangenen 20 Jahren rund 5,6 Milliarden Euro in die Verbesserung der Sicherheit investiert. Das zahlt sich aus.

    © ADAC e.V.

    Mängel im Tunnel-Test

    Italienische Tunnel könnten unsicher bleiben

    In Italien sind die meisten Tunnel und Autobahnen in Privatbesitz. Allein sechs der getesteten Tunnel gehören der privaten Gesellschaft "Autostrade per l’Italia". Der ADAC befürchtet nun, dass die Mängel aus Geldgründen nicht schnell behoben werden könnten. Denn aufgrund der Corona-Krise sind den Betreibern auch Mauteinnahmen weggebrochen. Das könnte sich auf die Sanierung der Bauwerke auswirken. Die Straßen-Infrastruktur in Italien gilt als marode. Seit dem Einsturz der Morandi-Brücke in Genua im August 2018 wird darüber wieder verstärkt diskutiert.

    Autofahrer sollten sich auf Tunnel-Durchfahrt vorbereiten

    Um möglichst sicher durch den Tunnel zu kommen, sollten Autofahrer nur mit ausreichend gefülltem Tank einfahren, rät der ADAC. Im Tunnel ist ausreichend Abstand zum Vordermann wichtig; Geschwindigkeitsbegrenzungen sollten unbedingt beachtet werden. In Röhren mit Gegenverkehr ist es ratsam, sich am rechten Fahrbahnrand zu orientieren. Im Falle einer Panne empfiehlt der Automobilclub, Hilfe über die Notrufeinrichtung im Tunnel zu alarmieren. Bei einem Feuer sollten die Autoinsassen den Tunnel zu Fuß über die Notausgänge verlassen und ihr Fahrzeug stehenlassen.

    EU-Richtlinie wird nicht überall umgesetzt

    Die Europäische Union hat 2004 eine Sicherheits-Richtlinie für Straßentunnel erlassen. Bis April vergangenen Jahres hatten die Mitgliedsstaaten Zeit, das umzusetzen. Einige Länder haben diese Mindeststandards bislang immer noch nicht oder nur teilweise umgesetzt. Im vergangenen Herbst hat die EU-Kommission deshalb Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien, Kroatien, Belgien, Bulgarien und Spanien eingeleitet.

    ADAC reagierte mit Tunnel-Tests auf Unglücke

    Der in München ansässige ADAC untersucht seit 1999 wichtige Tunnel in Europa auf ihre Sicherheit. Seitdem wurden etwa 400 entsprechende Bauwerke unter die Lupe genommen. Vorausgegangen waren Unglücke im österreichischen Tauerntunnel und im Mont-Blanc-Tunnel in Frankreich mit vielen Opfern.

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