Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

"Actibump": Neues System bestraft Schnellfahrer | BR24

© pa/dpa/Hersteller edeva

"Actibump": Neues System bestraft Schnellfahrer

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Actibump": Neues System bestraft Schnellfahrer

Wer zu schnell fährt, muss im hessischen Hanau möglicherweise bald mit einer unangenehmen Folge rechnen: Die Stadt will nämlich einen so genannten "Actibump" einführen - eine Art Schlagloch, das sich nur auftut, wenn jemand zu schnell fährt.

Per Mail sharen

Das System funktioniert wie eine Falltür aus dem Mittelalter, nur wesentlich sanfter: Die vier Zentimeter tiefe Schwelle tut sich nur dann auf, wenn sich ein Fahrzeug dem "Actibump" mit zu hoher Geschwindigkeit nähert. Dann spüren die Insassen einen unangenehmen Ruck. Alle anderen Fahrzeuge können unbehelligt über die Metallplatte in der Fahrbahn fahren.

Zum ersten Mal in Deutschland

Einen 50.000 Euro teuren Actibump will die Stadt Hanau an der Grenze zu Unterfranken gerne an einer Stelle einbauen lassen - zum ersten Mal in Deutschland. Die infrage kommende Straße in Hanaus Innenstadt kreuzt drei Fußgängerzonen, und deshalb dürfen die Autofahrer dort nur 20 Kilometer pro Stunde fahren. Sie halten sich aber nicht daran, und bisher haben auch Polizeikontrollen nicht den erwünschten Erfolg gebracht. Nach oben gewölbte Bodenschwellen will die Stadt nicht einbauen. Denn:

"Das hat den Nachteil, dass da jeder drüberholpert - auch die, die sich an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten. Und diese Einbauten, die nach oben rausstehen, sind insbesondere für Zweiradfahrer gefährlicher, als diese Platte, die ja, wenn man sich an die Geschwindigkeitsbegrenzung hält, überhaupt keinen Einfluss auf den Verkehr hat." Thomas Morlock, Stadtrat in Hanau

Schweden testet das Actibump seit 2011

Erfunden hat den Actibump der schwedische Hersteller Edeva. Schweden hat den Actibump im Jahr 2011 eingeführt und testet ihn an mehreren Stellen - unter anderem an der Zollstation der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö. Allerdings nur in Zonen, in denen ohnehin nur langsam gefahren wird. Unfälle hat es deswegen für Autofahrer bislang offenbar nicht gegeben.

Weniger Temposünder durch den Actibump

Die neuartige Erziehungsmethode für Verkehrsteilnehmer zeigt auch Wirkung: Laut Hersteller ist die Zahl der Temposünder an vier verschiedenen Stellen teilweise über 70 Prozent auf 10 bis 20 Prozent gesunken. Edeva empfiehlt den Actibump auch als Lebensversicherung für Fußgänger und Radfahrer: Dort, wo eine Straße einen Zebrastreifen oder Radweg quert, könnte er die Autofahrer zum Bremsen bewegen.

Denn der Ruck, der durch das "Schlagloch" entsteht, ist nicht nur unangenehm, sondern kann bei etwas maroden Autos auch einen Schaden verursachen. Der Hersteller des Actibump sagt, dass nur technisch einwandfreie Autos die Schwelle gefahrlos überstehen. Für eventuelle Schäden haften weder die Kommune noch der Hersteller, so der BR-Rechtsexperte Kay Rodegra:

"Da bleibe ich auf dem Schaden sitzen. Denn es gibt das Sichtfahrgebot, und das heißt: Ich darf nur so schnell fahren, dass ich mein Auto rechtzeitig anhalten kann, wenn eine Gefahr auftaucht." Kay Rodegra, Jurist und BR-Rechtsexperte

Entscheidung über Actibumps im Hanau steht noch aus

Allerdings muss die Kommune mit einem Schild auf die Actibumps hinweisen. Ob der Actibump in Hanau tatsächlich im Spätsommer eingebaut wird, ist noch nicht entschieden: Denn das hessische Verkehrsministerium und das Regierungspräsidium müssen dem System noch zustimmen.