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Achille Mbembe: "Ausgang aus der langen Nacht" | BR24

© picture alliance dpa

Der Schriftsteller Achille Mbembe

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    Achille Mbembe: "Ausgang aus der langen Nacht"

    Achille Mbembes neuer Essay "Ausgang aus der langen Nacht – Versuch über ein entkolonialisiertes Afrika" ist eine kritische Auseinandersetzung mit einem Kontinent, der seine koloniale Vergangenheit noch nicht verwunden hat. Von Gabriele Knetsch

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    Das 300 Seiten umfassende Buch ist auch eine analytisch-nüchterne Abrechnung mit den Kolonisatoren. Denn auch die einstigen Herren haben ihr früheres Erbe zwar hinter sich gelassen – ohne es aber jemals aufgearbeitet zu haben. „Ausgang aus der langen Nacht“ ist Mbembes kapitalismuskritische Fortschreibung seines vielgelobten letzten Werks „Kritik der schwarzen Vernunft“. Darin hatte er die Grundzüge von Rassismus, Sklaverei und Kolonialismus analysiert – und ihr Fortwirken bis heute dargelegt.

    Kampf gegen den Kolonialismus

    In teils poetischer, teils wissenschaftlicher, streng strukturierter Sprache beginnt der Kameruner Philosoph seinen aktuellen Essay mit einem autobiographischen Rekurs: einem ermordeten, im Kolonialkampf engagierten Verwandten Mbembes wurde – nach der Unabhängigkeit Kameruns im Jahr 1960 – vom schwarzen Machthaber ein ordentliches Begräbnis verweigert:

    „Dieser ursprüngliche Akt der Grausamkeit gegenüber einem „Bruder“ wurde sehr früh nicht nur zum Hauptgegenstand meiner akademischen Arbeit, sondern, wie mir heute klar wird, auch zu dem Prisma, durch das meine Kritik an Afrika – als Ort, an dem sich der Schädel meines toten Verwandten befindet – konkrete Form angenommen und entwickelt hat.“

    Genau das ist Mmbemes Forderung an die Afrikaner, wie er sie in seinem Kapitel „Aufstieg zum Menschsein“ formuliert: Entkolonialisierung allein reicht nicht – sie muss einhergehen mit der Entwicklung eines eigenständigen Denkens, mit einer Abkehr von Europa.

    Koloniale Denkmuster in Europa

    Rassistische und koloniale Denkmuster beherrschen seiner Ansicht nach noch immer die aktuelle Politik des Westens – ob es sich nun um zunehmende Fremdenfeindlichkeit, die Errichtung von Grenzzäunen gegen Flüchtlinge oder die Ausgrenzung der eigenen prekären Gruppen auf dem Arbeitsmarkt handelt. Achille Mbembe "Ausgang aus der langen Nacht-Versuch über ein entkolonisiertes Afrika ist übersetzt von Christine Pries für 28 Euro bei Suhrkamp erschienen.