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Frauen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben - doch beim Thema Abtreibung scheiden sich die Geister: Wie weit darf die Selbstbestimmung gehen? Ein Streitgespräch zwischen einer Feministin und einer Lebensschützerin.

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Abtreibung: "Kindstötung" oder "Selbstbestimmung"?

Frauen haben das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben – doch beim Thema Abtreibung scheiden sich die Geister: Wie weit darf die Selbstbestimmung gehen? Ein Streitgespräch zwischen einer Feministin und einer Lebensschützerin zum Weltfrauentag.

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Von
  • Julia Ruhs

In den vergangenen Monaten hat die Verschärfung des Abtreibungsrechts in Polen tausende Menschen auf die Straßen getrieben. Hier urteilte das Verfassungsgericht: Die Abtreibung schwer behinderter Föten verstoße gegen den Schutz des Lebens. Es ist ein ethisches Dilemma und ein Thema, das auch in Deutschland polarisiert: Darf eine Frau ihre Schwangerschaft abbrechen und unter welchen Voraussetzungen?

Selbstbestimmung vs. Schutz des Lebens

Der Schutz des Lebens und das Recht auf Selbstbestimmung der Frau stehen sich gegenüber. Denn Argumente für und gegen Abtreibung gibt es auf beiden Seiten. Deshalb hat der BR die Lebensschützerin Susanne Georgi, Vorsitzende des Vereins "Lebensrecht Sachsen", und die YouTuberin und Feministin Silvi Carlsson zu einem Streitgespräch eingeladen.

Hier geht's zum Talk in voller Länge:

Georgi: Abtreibung darf kein Mittel der Familienplanung sein

"Abtreibung als Möglichkeit der Familienplanung": So formuliert es Susanne Georgi und will damit deutlich machen, wie sehr sie Schwangerschaftsabbrüche ablehnt. "Es darf kein Mittel sein, um soziale und finanzielle Probleme zu lösen", findet sie. Georgis langfristiges Ziel: Irgendwann gar keine Abtreibungen mehr.

Carlsson: "Es ist falsch, Abtreibungen zu kriminalisieren"

Silvi Carlsson hat eine komplett andere Position: Zwar ist eine Abtreibung auch in ihren Augen nichts Positives, jedoch steht für sie die Selbstbestimmung eines Menschen an erster Stelle: Die freie Wahl, ob eine Frau ihr Kind bekommen will oder nicht. Silvi Carlsson findet es falsch, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland verboten sind. Ausnahmen gibt es allerdings: Abbrüche innerhalb der ersten drei Monate und mit voriger Beratung, Abbrüche aus medizinischen Gründen oder aufgrund einer Vergewaltigung bleiben straflos.

Carlsson sind diese Ausnahmen trotzdem zu wenig: "Ein Schwangerschaftsabbruch wird aktuell einfach noch kriminalisiert und das formt die Gesellschaft sehr." In der Folge würden Frauen seltener über Abbrüche sprechen, meint sie. Vor allem Frauen, die im Nachhinein keine Probleme mit Abtreibungen haben, würden Stillschweigen bewahren. Gesellschaftlich eher toleriert werde nämlich, wenn sie die Abtreibung nachträglich bereuten.

Georgi: "Abtreibung ist Tötung"

Georgi hat dagegen selbst vor langer Zeit abgetrieben – und es danach stark bereut. Für sie war der Schwangerschaftsabbruch aus heutiger Sicht eine falsche Entscheidung. Sie wurde damals zu wenig aufgeklärt und fühlte sich psychisch unter Druck, erzählt sie. Würden Frauen im Vorhinein besser informiert, gäbe es auch nicht so viele Abbrüche, davon ist sie überzeugt.

Außerdem ist sie nicht der Meinung, dass eine Frau bei einer Schwangerschaft frei über ihren Körper und das heranwachsende Kind entscheiden darf: "Ich kann bestimmen, ob ich schwanger werde. Aber wenn ich schwanger bin, dann betrifft es eine weitere Person, dann kann ich nicht mehr ohne Weiteres entscheiden. Eine Abtreibung ist eine vorgeburtliche Kindstötung."

Der Knackpunkt: Ab wann beginnt das Leben?

Carlsson kann diese Position nicht nachvollziehen. "Warum ist es denn eine Kindstötung, wenn es noch gar kein Kind ist? Es ist dabei ein Kind zu werden, aber es ist ja noch keines. Man kann hier gar nicht von einem Straftatbestand, von Tötung oder Mord reden."

Der Knackpunkt in der Diskussion: Ab wann beginnt eigentlich das Leben? Eine Frage, die auch die Wissenschaft bislang noch nicht abschließend geklärt hat. Hierauf wünschen sich sowohl Lebensschützerin Susanne Georgi, als auch die YouTuberin Silvi Carlsson eine eindeutigere Antwort.

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