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Abseits digitaler Kontrolle: Corona-Fake-News im Briefkasten | BR24

© "MWGFD" / BR Grafik

Flyer der "MWGFD" mit Falschbehauptungen zu Corona-Impfstoffen

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    Abseits digitaler Kontrolle: Corona-Fake-News im Briefkasten

    Facebook, Twitter, Youtube, WhatsApp, Telegram und Co: Fake News gelten als Phänomen sozialer Medien – aber nicht nur. Corona-Kritiker verbreiten ihre Desinformation zunehmend auch über Flyer, Broschüren und Newsletter.

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    Von
    • Julia Ley

    Anhänger von Verschwörungsmythen verbreiten ihre Desinformation häufig in den sozialen Medien. Denn hier lassen sie sich besonders leicht teilen und weiterverbreiten. Dabei kommt den Urhebern der Desinformation auch die Architektur der sozialen Medien zugute: Algorithmen bevorzugen polarisierende Themen und spielen diese bevorzugt aus, Falschnachrichten werden von Freunden und Bekannten verbreitet, denen wir Glauben schenken, und Hacker programmieren Bots, die Falschinformationen tausendfach verbreiten.

    Aber: Aktuell scheinen sich die Verfasser von Desinformation auch wieder auf traditionellere Verbreitungswege zu konzentrieren. BR-Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Leser und Leserinnen schicken dem #Faktenfuchs immer wieder Fotos von Flyern und Broschüren mit Corona-Desinformation, die sie in ihren Briefkästen finden. Darauf zu lesen: Bekannte Mythen und Falschinformationen etwa zum Mund-Nasen-Schutz oder zur Corona-Impfung, die Faktenchecker - auch der #Faktenfuchs - bereits mehrfach widerlegten.

    Viele der Flyer sind ansprechend und seriös gestaltet

    Das Problem: Auf den ersten Blick sehen die Desinformationsbroschüren "halbwegs seriös" aus, sagt Pia Lamberty, die als Sozialpsychologin zu Verschwörungserzählungen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz forscht. Sie hat sich die Flyer angeschaut, die dem #Faktenfuchs vorliegen.

    Die Flyer seien professionell gestaltet, zeigten emotionalisierende Bilder und Grafiken und verwiesen zum Teil auf seriöse Quellen wie das ZDF oder das Robert Koch-Institut. Auf einem der Flyer ist ein Verein samt Postanschrift als Herausgeber angegeben, die Vorsitzenden sind mit Foto abgebildet und tragen allesamt Professorentitel - auch wenn sich darunter bekannte Corona-Verharmloser wie Sucharit Bhakdi und Stefan Homburg befinden. Auch ein Verantwortlicher im Sinne des Presserechts (V.i.S.d.P.) wird genannt, wie es etwa das Bayerische Pressegesetz verlangt.

    Eben dieser seriöse Anschein mache es vielen Menschen schwer, die Flyer als Desinformation zu identifizieren, sagt Pia Lamberty. Gerade dann, wenn Menschen sich nur nebenbei mit einer Information befassen – zum Beispiel, weil sie am Briefkasten die Post durchsehen – nutzen sie solche kognitiven "Abkürzungen", um die Glaubwürdigkeit einzuschätzen.

    Eine seriöse Quelle oder ein wissenschaftlicher Titel signalisieren dann: "Das ist vertrauenswürdig", auch wenn die Quelle womöglich einseitig oder in einem falschen Zusammenhang verwendet wird. "Und genau das macht es extrem schwierig, sich dagegen zu positionieren und über die Fehlinformation aufzuklären", so Lamberty.

    Denn so seriös die Broschüren auf den ersten Blick erscheinen mögen: Die Thesen darauf unterscheiden sich nicht wesentlich von den Fehlinformationen, die teils von den selben Urhebern auch im Netz verbreitet werden.

    Für Strategie in der analogen Welt gibt es mehrere Gründe

    Doch woran liegt es, dass Verschwörungsideologen und Gegner der Corona-Maßnahmen in Deutschland – und übrigens auch im Ausland – seit einigen Monaten auch auf nicht-digitale Verbreitungswege setzen? Expertin Pia Lamberty identifiziert gleich mehrere mögliche Gründe für die Rückkehr zum Analogen:

    Erstens: Desinformation ist kein neues Phänomen. Das Internet und soziale Medien hätten ihre Verbreitung nur erleichtert - weshalb Verschwörungstheoretiker beides gerne nutzten. Ältere Verbreitungswege wurden aber immer parallel weitergenutzt.

    Tatsächlich gab es auch schon vor der Corona-Pandemie Fälle, in denen sich der #Faktenfuchs mit nicht-digitaler Desinformation befasste, so zum Beispiel im Vorfeld der Landtagswahlen in Bayern 2018: Im Allgäu tauchten Wahlplakate auf, auf denen Grünen-Politikern wie dem ehemaligen Außenminister Joschka Fischer oder dem Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin Aussagen in den Mund gelegt wurden, die bereits Jahre zuvor als frei erfunden entlarvt worden waren.

    Und auch die Desinformation im Briefkasten gab es schon früher: Ebenfalls 2018 ärgerten sich viele Augsburger über eine Beilage der kostenlosen Augsburger "StadtZeitung". Der Ausgabe vom 25. Juli lag der rechtspopulistische "Deutschland-Kurier" bei. Deren Herausgeber betrieben zuvor nicht nur Wahlwerbung für die AfD, sondern verbreiteten auch nachweislich Fehlinformationen.

    Zweitens ließen sich mit Druckprodukten auch Zielgruppen ansprechen, die online nicht oder nur schwer zu erreichen sind, so Lamberty: Dazu gehören insbesondere ältere Menschen.

    Drittens lasse sich die Verbreitung per Handzettel quasi nicht kontrollieren. Zugegeben: Kontrolle ist auch in sozialen Medien schwierig. Mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG), Meldefunktionen, Kampagnen gegen Fake News und Factcheck-Markierungen gab es in den vergangenen Jahren aber immerhin Bemühungen seitens des Gesetzgebers und von Plattformen wie Facebook, Twitter und Youtube, die Ausbreitung von Fake News einzuschränken.

    Viertens gibt es im privaten Zuhause keine Gegenöffentlichkeit. Während Falschinformationen in sozialen Netzwerken als "falsch" markiert werden und ihnen durch andere Nutzer widersprochen werden kann, geht das bei einem Flyer im Briefkasten kaum. Recherchiert der Empfänger oder die Empfängerin nicht selbst, verfängt die Falschbehauptung womöglich.

    Fünftens, sagt Lamberty, wirkten Flyer auf viele Menschen womöglich überzeugender als digitale Falschinformationen. Auch deshalb, weil man vielleicht mehr Zeit damit verbringt als mit einer Äußerung, die in der Timeline mit unzähligen anderen Informationen rivalisiert. Ein Druckerzeugnis habe "erstmal eine andere Autorität".

    Zudem habe die Desinformation im Briefkasten noch einen anderen Sinn, sagt Lamberty: Sie sei eine Form der "Raummarkierung". Die Verfasser sendeten damit die Botschaft: "Wir sind die, die die Deutungshoheit haben" und versuchten eine Gegenöffentlichkeit zu etablieren. "Dem Empfänger signalisiert das: 'Wir sind da. Wir sind die, die sich um euch kümmern'", sagt Lamberty. "Gerade im ländlichen Raum kann das auch einschüchternd wirken, zumal bekannt ist, dass manche dieser Gruppen Verbindungen zu Rechtsextremisten haben."

    Viele der Aussagen auf den Flyern längst widerlegt

    Auf den Flyern, die Verschwörungstheoretiker derzeit in Bayern verbreiten, finden sich Fehlbehauptungen, die bereits mehrfach widerlegt worden sind. Zwei Beispiele: Ende November findet ein BR-Reporter einen Flyer der Initiative #Elternstehenauf in seinem Briefkasten. Der Reporter lebt in der Nähe einer Münchner Grundschule. Der Flyer, der in der Gegend verteilt wurde, richtet sich direkt an Schülerinnen und Schüler.

    © BR

    Ein Flyer der Initiative #Elternstehenauf wird in München verteilt.

    Darauf zu sehen ist die Zeichnung eines kleinen Mädchens, das erkennbar unter seiner Maske leidet. Der Flyer listet Merkmale, an denen Kinder vermeintlich erkennen können sollen, dass die Maske sie krank mache: "Mir wird schwindelig", heißt es da etwa. "In meinen Ohren höre ich komisches Rauschen" oder "manchmal weiß ich nicht wo ich gerade bin oder was ich gerade machen wollte" [SIC]. Dabei haben Kinderärzte mehrfach klargestellt, dass das Maskentragen für Kinder unbedenklich ist.

    Ist den Verfassern bewusst, dass sie hier Fehlinformationen verbreiten? Eine Anfrage des BR24-#Faktenfuchs lässt die Initiative #Elternstehenauf mehrere Tage lang unbeantwortet.

    © "MWGFD" / BR Grafik

    Der Flyer von "MWGFD" mit diversen irreführenden Behauptungen

    Einen zweiten Flyer schickt uns eine andere BR-Mitarbeiterin. Darin finden sich mehrere irreführende Behauptungen zu den vermeintlichen Risiken der neuen Corona-Schutzimpfung. So heißt es zum Beispiel, dass die Impfung bei "gesunden Freiwilligen … teils heftige Nebenwirkungen" ausgelöst habe. Richtig ist: Bei keinem der vielen Tausenden Probanden traten "in den zwei Monaten nach der zweiten Spritze ernste Nebenwirkungen" auf, wie dieser BR24-Artikel ausführt.

    Auch andere Behauptungen, die die Verfasser aufstellen, sind irreführend. Etwa diese: "Weder gab es 2020 ungewöhnlich viele Sterbefälle, noch waren die Intensivstationen überlastet". Weiter oben heißt es: "In Deutschland starben im Corona-Jahr 2020 weniger Menschen als im 'Grippejahr' 2018 (letzter Stand: 8. November)."

    Richtig ist: Das Grippejahr 2018 war ein Ausnahmejahr, in dem die Sterblichkeit weit über dem Normal lag (zum Vergleich: die hellblaue Spitze in der Grafik unten für KW 10). Und: 2018 wurden nicht annähernd so einschneidende Hygienemaßnahmen (Maskenpflicht, zwei Lockdowns) verhängt wie in diesem Jahr. Wie hoch die Sterbefallzahlen wären, wenn es diese nicht gegeben hätte, wissen wir nicht. Trotz dieser nie dagewesenen Maßnahmen starben 2020 etwa sieben Prozent mehr Menschen als in einem "normalen" Jahr wie 2019. Das geht aus diesem #Faktenfuchs hervor.

    Die Verfasser beziehen sich in ihrem Flyer auf den Stand in Kalenderwoche 45, also die Woche vom 2. bis 8. November 2020. Und sie beziehen sich explizit nur auf die Daten für das ganze Jahr. Aber Übersterblichkeit zeigt sich oft saisonal, weil auch etwa die Grippe oder die Corona-Pandemie sich vor allem im Frühjahr, Herbst und Winter ausbreiten.

    Es macht deshalb Sinn, jeweils einen bestimmten Zeitraum miteinander zu vergleichen. Und schon Anfang November zeichnete sich ab, dass die wöchentlichen Sterbefallzahlen mit Beginn der zweiten Corona-Welle im Herbst deutlich über denen der Vorjahre lagen, wie diese Grafik zeigt. Die rote Linie (für 2020) liegt seit Mitte Oktober (KW 42) über den Höchstzahlen der vergangenen Jahre – und steigt seither steil an.

    © Statistisches Bundesamt / RKI / BR Grafik

    Wöchentliche Sterbefallzahlen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt und RKI

    Die Urheber sind meist bekannte Corona-Verharmloser

    Nicht nur sind viele der Behauptungen auf den Handouts längst widerlegt – auch die Verfasser fielen bereits in der Vergangenheit mit Fehlinformationen und teils aggressiven Anti-Corona-Protesten auf. Auf dem Masken-Flyer ist etwa die Initiative #Elternstehenauf als Verfasser genannt. Die Eltern-Initiative organisierte zum Beispiel im bayerischen Bergrheinfeld eine Protestaktion, um einen Corona-Reihentest an einer Mittelschule zu verhindern. Wortführer verbreiteten Falschinformationen rund um die PCR-Tests und beschimpften unter anderem das Testpersonal.

    Der #Elternstehenauf-Flyer nennt weder einen Verfasser noch eine Adresse – entgegen der Impressumspflicht, die in Bayern auch für Flyer gilt. Als einzige Quellen finden sich dort die Website von #Elternstehenauf und ein Link zum Telegram-Kanal der Initiative.

    Auf der Webseite www.elternstehenauf.de gibt es (Stand: 18.01.2021) zwar ein Impressum, doch wer tatsächlich hinter der Seite steckt, ist nicht ersichtlich. Angegeben ist nur ein Verein "Elternstehenauf e.V.". Tatsächlich findet sich bei einer elektronischen Vereinsregister-Abfrage ein Verein mit Sitz in Nieder-Olm in Rheinland-Pfalz.

    Dieselbe Adresse fand sich bis Anfang November 2020 auch noch auf dem Impressum der Webseite, wie eine Archiv-Suche zeigt. Auch eine Verantwortliche fand sich damals dort: Cristin Burg. In einem Interview auf Youtube bestätigt Burg selbst, dass sie #Elternstehenauf mit ins Leben gerufen habe.

    Warum es kein Impressum gibt? Eine Nachfrage des BR24-#Faktenfuchs an den Verein bleibt unbeantwortet.

    "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie" (MWGFD)

    Auch der Verein, der den Anti-Impf-Flyer herausgegeben hat, ist bereits bekannt. Er nennt sich "Mediziner und Wissenschaftler für Gesundheit, Freiheit und Demokratie" (MWGFD) und betreibt auch eine Webseite. Vorsitzender des Vereins ist laut Webseite der emeritierte Professor Sucharit Bhakdi, der seit Beginn der Pandemie immer wieder mit teils unbelegten, teils falschen Behauptungen auffiel.

    Recherchen des ARD-Faktenfinders zufolge rief der Verein im Sommer Ärzte dazu auf, "möglichst viele Menschen insbesondere auch Schul- und Kindergartenkinder von der komplett unsinnigen Maskenpflicht" zu befreien.

    Als Journalisten von "Correctiv" einen auf der Webseite des "MWGFD" angeführten Heilpratiker um ein Masken-Attest baten, erhielten sie innerhalb weniger Stunden ein Gefälligkeitsattest: Ausgestellt von einem Mann, der den vermeintlichen Patienten nie gesehen und nie mit ihm gesprochen hatte – und der laut der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit als Nicht-Mediziner ohnehin keine Atteste ausstellen darf. Inzwischen wurde dem Verein die Gemeinnützigkeit entzogen.

    Auf Anfrage des BR24-#Faktenfuchs will man bei MWGFD von Fehlinformationen auf den Flyern nichts wissen: Diese "enthalten ausschließlich gut recherchierte und wahrhaftige Informationen", teilt das Presseteam mit. Und erklärt auch die eigene Strategie: Mit den analogen Flyern "möchten wir Menschen erreichen, die weder soziale Medien noch Zeitungen nutzen."

    Telegram-Gruppen dienen der Organisation

    Interessant ist aber auch noch ein weiterer Link auf dem Flyer: https://freiheitsboten.org/q/6 Die "Freiheitsboten" sind ein deutschlandweit aktives Netzwerk von Freiwilligen, die Corona-kritische Flyer und Broschüren in ganz Deutschland verteilen. Gegründet wurden sie Medienberichten und eigenen Angaben zufolge von HNO-Arzt Bodo Schiffmann, der seit Beginn der Pandemie immer wieder mit Desinformation auffällt, die er auf Youtube und auf Demonstrationen verbreitet.

    Auf dem Messengerdienst Telegram betreiben die selbsternannten Freiheitsboten allein in Bayern knapp hundert lokale Gruppen, um die Verteilung der Flyer zu organisieren. Allein die Hauptgruppe auf Telegram hatte Anfang Januar (Stand: 10.01.) mehr als 27.000 Mitglieder.

    Anfang Dezember verkündete Stefan Homburg, ebenfalls als Corona-Verharmloser bekannt und neben Bhakdi einer der Köpfe des "MWGFD", auf Twitter, dass man in Zusammenarbeit mit den "Freiheitsboten" mehr als drei Millionen Flyer gedruckt habe. Ob die Zahlen stimmen, lässt sich von außen nicht überprüfen. Interessanterweise führt der Link auf dem Flyer inzwischen aber nicht mehr zu einer Webseite der "Freiheitsboten" – sondern zu einem Artikel über seltene Nebenwirkungen der Schweinegrippe. Wie Gegner der Corona-Maßnahmen die seltenen Nebenwirkungen der Schweinegrippe-Impfung nutzen, um Angst vor der Corona-Impfung zu schüren, legen wir hier dar.

    Was können Betroffene gegen unerwünschte Flyer tun?

    Doch wie können sich Betroffene, die Desinformations-Flyer im Briefkasten finden, dagegen wehren? Julia Zeller, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern, erklärt: Grundsätzlich gelte das Grundrecht der freien Meinungsäußerung. Daher dürfen solche Flyer mit Desinformationen auch in Briefkästen von Privathaushalten landen – auch wenn sie nachweislich falsche Informationen enthalten.

    Strafbar seien die Inhalte der Flyer allerdings dann, wenn die Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten werden – wenn sie also Hetze oder Beleidigungen enthielten, zu Straftaten aufriefen oder die öffentliche Sicherheit gefährdeten.

    Eine Möglichkeit, sich zu wehren, gibt es allerdings: Wer einen Flyer einwirft, obwohl auf dem Briefkasten ein Aufkleber "Keine Werbung" klebt, tut das rechtswidrig. Zellers Einschätzung zufolge würde auch Corona-Desinformation unter den Begriff "Werbung" fallen. Mehr Informationen zu unerwünschter Werbung im Briefkasten gibt es auch auf der Webseite der Verbraucherzentrale.

    Zeller empfiehlt: "Wer so einen Aufkleber angebracht hat und die Flyer trotzdem bekommt, sollte sich an den Herausgeber wenden und die Unterlassung fordern. Sollte das trotzdem nicht geschehen, kann man den Herausgeber abmahnen." Die Verbraucherzentrale unterstützt dabei.

    © BR

    Gegenstrategie: Auch die Gegner der Verschwörungstheoretiker setzen jetzt auf Flyer.

    Zumindest in München haben sich ein paar Aktivisten nun auch noch eine andere Strategie einfallen lassen: Sie verteilen Anti-Verschwörungs-Flyer, ebenfalls über Briefkästen. Unter dem Titel "Solidarität statt Verschwörungsdenken" rufen sie darin explizit zur Einhaltung der Corona-Maßnahmen und zu Solidarität mit denen auf, "die die Folgen der Krise mit am stärksten zu tragen haben".

    Hinter der Aktion steht laut Flyerrückseite ein Bündnis von linken Organisationen, das am 12. September 2020 eine Gegenkundgebung zu einer Münchner Querdenken-Demonstration organisiert hat. Allerdings: Ein echtes Impressum weist auch dieser Flyer nicht auf. Ein Verantwortlicher im Sinne des Presserechts ist zwar genannt. Allerdings dürfte es sich bei diesem wohl eher um einen Scherz handeln: "Adam Weishaupt", wohnhaft in der "Illuminatenstr. 23". Eine Illuminatenstraße existiert in München nicht. Adam Weishaupt hingegen gab es wirklich: Der Ingolstädter gründete 1776 den Illuminatenorden.

    Fazit: Seit dem Herbst verbreiteten sich Falschinformationen rund um die Corona-Pandemie stark auf analogem Wege. Viele Bayern finden Flyer und Broschüren in ihren Briefkästen. Das Phänomen ist nicht gänzlich neu - Verschwörungstheoretiker haben schon immer verschiedene Medien genutzt, sagt die Sozialpsychologin und Fake News-Expertin Pia Lamberty. Auch im Vorfeld der Landtagswahlen in Bayern 2018 tauchten analoge Fehlinformationen auf: etwa gefälschte Wahlplakate. Viele Augsburger, zum Beispiel, fanden damals eine Ausgabe des AfD-nahen Deutschland-Kuriers in ihrem Briefkasten.

    Lamberty zufolge gibt es viele Gründe, warum die Corona-Verharmloser jetzt auf analoge Werbung setzen: Über Flyer erreicht man andere, meist ältere, Zielgruppen. Sie lasse sich schwerer kontrollieren, und anders als etwa unter Facebook-Kommentaren gebe es zuhause keine direkte Gegenöffentlichkeit. Wehren können sich Betroffene dennoch: Mit einem "Keine Werbung"-Aufkleber auf dem Briefkasten. Werden die Flyer dennoch eingeworfen, kann man die Herausgeber abmahnen.

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