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Abschied von Vogel: "Einer der ganz Großen der Sozialdemokratie" | BR24

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München hat von dem SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel Abschied genommen. Der ehemalige Oberbürgermeister von München und Berlin wurde 94 Jahre alt.

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Abschied von Vogel: "Einer der ganz Großen der Sozialdemokratie"

Familie, Weggefährten und die deutsche Spitzenpolitik haben in München Abschied von Hans-Jochen Vogel (SPD) genommen. Bei einer Trauerfeier wurde der verstorbene frühere Oberbürgermeister, Bundesminister und SPD-Vorsitzende gewürdigt.

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Bei einer Trauerfeier für den kürzlich verstorbenen SPD-Politiker Hans-Jochen Vogel haben Spitzenpolitiker und Weggefährten das Leben und Wirken Vogels gewürdigt. Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) würdigte seinen Amtsvorgänger als "einen großen Münchner und großen Menschen". Der SPD-Parteivorsitzende Norbert Walter-Borjans bezeichnete Vogel als "ganz Großen der Sozialdemokratie".

Liselotte Vogel verliest Abschiedserklärung ihres Mannes

Vogel selbst hatte noch einmal eine letzte Erklärung diktiert: Am 26. Juli war der langjährige SPD-Politiker in München mit 94 Jahren verstorben. Seine Witwe Liselotte Vogel verlas auf der Trauerfeier die Worte. "Hans-Jochen Vogel wäre nicht er selber gewesen, hätte er ohne geordneten Abschied diese Welt verlassen", sagte sie. "Als mein Mann erfuhr, dass seine Leiden nicht heilbar und seine Tage gezählt seien, hat er mit großer Anstrengung seinem Sohn eine Erklärung diktiert."

Darin erklärte ihr Mann , dass er aufgrund von Krankheit seine politischen und Ehrenämter niederlege. "Ich bin ein Staatsbürger, der über 60 Jahre seines Lebens in der öffentlichen Verpflichtung stand", hieß es. Als letzten Appell hatte Hans-Jochen Vogel aufgeschrieben: "Sorgen Sie dafür, dass Deutschland bleibt, wofür wir gekämpft haben."

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Bei der Trauerfeier für Hans-Jochen Vogel hat seine Witwe die letzte Erklärung ihres Mannes verlesen. Ein beeindruckender Moment, der von Vogels Verständnis der Staatsbürgerschaft und von seinem Pflicht- und Verantwortungsbewusstsein erzählt.

Der Modernisierer Münchens

Der gebürtige Göttinger Vogel wurde 1966 mit 34 Jahren der jüngste Oberbürgermeister einer europäischen Millionenstadt. Dieter Reiter betonte bei der Trauerfeier in der Philharmonie im Gasteig die Verdienste und Projekte Vogels, mit der er die Stadt grundlegend veränderte: Ausbau von S- und U-Bahn und die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 in München. "Für die Münchner Bevölkerung blieb er der verehrte Oberbürgermeister, der die dynamisch wachsende Stadt so klug nach vorne gebracht hat", sagte Reiter vor geladenen Gästen wie Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD), Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Reinhard Kardinal Marx.

Vogel, "ein Vorbild an Korrektheit und Geradlinigkeit", habe immer für die Benachteiligten in der Gesellschaft gekämpft, für diejenigen ohne großes Einkommen und ohne große Lobby, sagte Reiter. "Mehr Gerechtigkeit könnte über dem ganzen politischen Leben von Hans-Jochen Vogel stehen." Sein letztes großes politisches Anliegen, mehr soziale Gerechtigkeit bei der Bodennutzung, seien deswegen "Vermächtnis" und "Auftrag".

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Nach dem Tod des ehemaligen Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel findet seine Trauerfeier statt. Münchens OB Dieter Reiter ehrt Vogel in seiner Rede.

Ein Leben im Dienst seiner Partei

Der SPD-Bundesvorsitzende Norbert Walter-Borjans erinnerte an die vielen Funktionen, die Vogel im politischen Leben innehatte: Nach der OB-Zeit in München wurde Vogel zunächst Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, dann Bundesjustizminister, Kanzlerkandidat, Fraktionschef im Bundestag und Parteivorsitzender der SPD. "Hans-Jochen Vogel war ein Mann mit höchsten Ansprüchen, an sich selbst und an andere, mit festen Überzeugungen und einem inneren Kompass."

Aus der Vielzahl an Ämtern könne man ersehen, dass Vogel das "Vertrauen der Menschen" gewonnen habe. Vogel selbst hätte wohl energisch darauf bestanden, dass der Beitrag seiner Frau Liselotte zu seinem Leben gewürdigt werde, sagte Walter-Borjans.

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Nach dem Tod des ehemaligen Oberbürgermeisters Hans-Jochen Vogel findet seine Trauerfeier statt. SPD-Bundesvorsitzender Borjans nennt Vogel einen großen sozialen Demokraten.

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