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Symbolbild Abschiebeflug
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Symbolbild Abschiebeflug

Insgesamt beteiligten sich den Angaben zufolge acht Bundesländer an den Abschiebungen. 23 der 36 Betroffenen lebten dabei zuletzt in Bayern. Unter diesen befanden sich laut Bayerischem Landesamt für Asyl und Rückführungen zwölf rechtskräftig verurteilte Straftäter. Damit haben Bund und Länder seit 2016 insgesamt 475 Männer nach Afghanistan zurückgebracht.

2018 starben über 550 Menschen bei Anschlägen in Kabul

Die Abschiebungen nach Afghanistan sind umstritten, weil sich der Krieg gegen die radikalislamischen Taliban und die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Afghanistan ausweitet. Erst an Heiligabend wurden in Kabul bei einem mehrstündigen Angriff auf mehrere Regierungsgebäude mindestens 43 Menschen getötet. Insgesamt waren 2018 bei 22 großen Anschlägen in Kabul mehr als 550 Menschen ums Leben gekommen. Für Unruhe sorgten kürzlich auch Berichte, wonach US-Präsident Donald Trump einen Teil der in Afghanistan stationierten US-Truppen abziehen könnte.Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl warf der Bundesregierung vor, "trotz katastrophaler Sicherheitslage" in Afghanistan die Abschiebungen zu forcieren und damit "Gefahr für Leib und Leben der Abgeschobenen" in Kauf zu nehmen.

Hunderttausende Afghanen kehren aus Nachbarländern zurück

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kehrten 2018 mehr als 800.000 Afghanen aus den Nachbarländern Iran und Pakistan in ihre Heimat zurück. Die weitaus meisten von ihnen, rund 767.000 Menschen, kamen aus dem Iran zurück. 

Die Zahlen beziehen sich nur auf jene Afghanen, die nicht beim UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR offiziell als Flüchtlinge registriert sind - also Menschen, die keine gültige Aufenthaltserlaubnis haben. Das IOM führte den Anstieg der Heimkehrerzahlen vor allem auf die Wirtschaftskrise im Iran zurück. Rund die Hälfte kehrte freiwillig aus dem Iran zurück, die andere Hälfte wurde ausgewiesen.

Suche nach politischer Lösung

Gleichzeitig gibt es Bemühungen, den Konflikt politisch zu lösen. Bisher fanden mehrere Gesprächsrunden zwischen Vertretern der USA und hochrangigen Taliban statt. Diese sollen zu direkten Gesprächen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban führen. Weitere USA-Taliban-Gespräche waren für Mitte Januar geplant. Berichten zufolge versuchen mehrere Länder, auf die Taliban Druck auszuüben, damit diese so rasch wie möglich Direktgespräche mit der afghanischen Regierung aufnehmen. Die Taliban lehnen dies weiterhin vehement ab. Sie bezeichnen Kabul als ein "Marionettenregime".