Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

#Abschiebechallenge: Hass im Netz sorgt für Aufregung | BR24

© BR/Twitter

Posts auf Twitter unter dem Hashtag #abschiebechallenge

Per Mail sharen

    #Abschiebechallenge: Hass im Netz sorgt für Aufregung

    NPD-Politiker rufen in den sozialen Medien zur sogenannten "Abschiebechallenge" auf. Rechte User propagieren die Abschiebung ihnen unliebsamer Personen. Zu den Angegriffenen zählen Dunja Hayali und Deniz Yücel. Im Netz formiert sich Widerstand.

    Per Mail sharen

    Bei der Hasskampagne mit dem Hashtag #abschiebechallenge geht es um Angriffe auf Personen, die man als politischen Gegner erachtet. Dabei benennen User Menschen, die sie gerne abschieben würden und nominieren Gleichgesinnte, es ihnen nachzumachen.

    Meist posten die Teilnehmer ein Bild von sich selbst mit einem Schild, auf dem der Name der unliebsamen Person steht. Zu den Angegriffenen gehören Politiker, Journalisten und auch Kriminelle. Der Name von Dunja Hayali wird gleich mehrfach genannt. Es ist nicht das erste Mal, dass der TV-Moderatorin Hass im Netz entgegenschlägt. Außerdem im Fokus: der Journalist Deniz Yücel und Sawsan Chebli, Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales im Berliner Senat.

    Schnell Widerstand im Netz

    Einer der ersten bei der Aktion war der NPD-Bundesvorsitzende Frank Franz. Auf Twitter wendete er sich in einem Post gegen die SPD-Politikerin Chebli. Sie ist auf Twitter besonders gegen Rechts aktiv. Im nächsten Schritt folgen zahlreiche Sympathisanten dem Aufruf, darunter auch der NPD-Europaabgeordnete Udo Voigt.

    Schnell formiert sich aber auch geballter Widerstand gegen die Aktion. Dunja Hayali zeigt sich verwundert und schreibt auf Twitter: "eine #abschiebechallenge - echt jetzt?". Auf die "peinliche Aktion" hat sie nur eine Antwort: #ichbleibe.

    Der Autor Markus Barth kontert: Dunja Hayali, geboren in Datteln, Deniz Yücel, geboren in Flörsheim, Sawsan Chebli, geboren in Berlin. "Vielleicht doch erst mal ne #Erdkundechallenge?" Eine Userin schreibt "Meine #Abschiebechallenge lautet: Nazis RAUS! Ihr armen Wutbürger." Unternehmerin Sina Trinkwalder reagiert fassungslos und schreibt auf Twitter: "Wenn man sich offline konzentriert um die Integration von Menschen kümmert, kriegt man nicht mal mit, dass online das schäbige Gegenteil läuft."

    Die TV-Sendung "Late Night Berlin" von Maderator Klaar Heufer-Umlauf hat eine andere Idee zum Gegenschlag: Einfach per Hashtag nach entsprechenden Tweets suchen und ihre Verfasser melden.

    Chebli: "Die Angriffe werden insgesamt unverhohlener, direkter, aggressiver"

    Mit dem Twitter-Hashtag #Abschiebechallenge sieht Sawsan Chebli  eine neue Qualität des Hasses in den sozialen Medien erreicht. "Die Angriffe werden insgesamt unverhohlener, direkter, aggressiver", erklärte Chebli. "Youtube, Facebook und Twitter sind voll mit Hass und Hetze gegen mich, sagte die SPD-Politikerin. Rechte versuchten, sie mit solchen Aktionen einzuschüchtern und mundtot zu machen. In strafrechtlichen relevanten Fällen erstatte sie inzwischen bei Hassmails, Posts, Tweets oder Briefe Strafanzeige, sagte Chebli, die selbst auf Twitter sehr aktiv ist. Sie habe jetzt dazu auch Twitter kontaktiert. "Doch sie unternehmen leider nichts gegen solche Hasskampagnen, gegen Verleumdung, gegen offenen Rassismus. Das ist ein unhaltbarer Zustand."

    Twitter ging am Donnerstag auf Anfrage nicht konkret auf den kursierenden Hashtag ein, sondern erklärte ganz allgemein, Priorität des Kurznachrichtendienstes sei "eine gesunde Kommunikation". Dazu habe Twitter im vergangenen Jahr mehr als 70 Änderungen durchgesetzt und die Sicherheitsrichtlinien verschärft, sagte ein Sprecher.