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"99 Prozent richtig gemacht": Politiker nehmen WHO in Schutz | BR24

© pa/Dpa

WHO-Gebäude in Genf

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    "99 Prozent richtig gemacht": Politiker nehmen WHO in Schutz

    Die WHO und ihr Generaldirektor werden von den USA kritisiert: zu langsam und unfähig in der Corona-Krise, lautet der Vorwurf. Deutsche Gesundheitspolitiker nehmen die WHO in Schutz.

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    Am 15. April tritt US-Präsident Donald Trump in den Rosengarten des Weißen Hauses. Er verkündet: Die USA stellen ihre Zahlungen an die Weltgesundheitsorganisation WHO ein. Erst einmal müssten das "Missmanagement" und die "Vertuschung" bei der Ausbreitung des Corona-Virus untersucht werden. Es sind schwere Vorwürfe, die der Präsident erhebt, der in seinem Land selbst wegen seiner späten Reaktion auf die Pandemie in der Kritik steht. Aber ist an Trumps Vorwürfen etwas dran?

    WHO: internationaler Koordinator

    Die WHO ist sozusagen die Abteilung für Gesundheitsschutz der Vereinten Nationen. Beim Ausbruch einer Pandemie laufen bei ihr die Fäden zusammen. Sie bringt verschiedenen Akteure aus aller Welt an einen Tisch: Wissenschaftler, Politiker, Mediziner. Sie entwickelt Richtlinien zur Bekämpfung und dem Umgang mit der Krankheit und soll den Mitgliedsländern dabei helfen, miteinander abgestimmt vorzugehen.

    Lauterbach: Kritik ist unverhältnismäßig

    Dem SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach zufolge wird die WHO dafür bezahlt, dass sie grundsätzliche Fragen stellt und beantwortet: "Was ist das für ein Virus? Wie gefährlich ist es, und wie muss man die Gefahrenstufe in bestimmten Bereichen einteilen?" Die Kritik von Trump an der WHO bezeichnet der promovierte Epidemiologe Lauterbach als unverhältnismäßig: "99 Prozent hat die WHO richtig gemacht. Ein Prozent war falsch." Trump habe da eine deutlich schlechtere Bilanz vorzuweisen: Etwa die Hälfte der Schritte, die der US-Präsident in die Wege geleitet habe, waren nach Einschätzung von Lauterbach falsch oder kamen zu spät.

    WHO: Wir haben schon Januar reagiert

    Auch die WHO selbst weist die Kritik zurück. Wenige Tage nachdem China die ersten Fälle am 31. Dezember gemeldet hatte, habe man schon den Krisenstab aktiviert.

    Immer wieder warnte die WHO danach vor der Ausbreitung des Virus. Am 30. Januar erklärt Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus wegen des globalen Ausbruchs des Corona-Virus zu einem öffentlichen Gesundheitsnotstand. In Deutschland waren zu diesem Zeitpunkt fünf Covid-19-Fälle registriert.Als Pandemie stuft die WHO den Ausbruch des Virus am 11. März ein: Gebreyesus sagte damals, man sei "sehr besorgt über das alarmierende Ausmaß der Ausbreitung und der Schwere der Fälle". Genauso besorgt sei er über das Ausmaß der Untätigkeit der Staaten.

    WHO - zu chinafreundlich?

    Ein weiterer Vorwurf von US-Präsident Trump lautet, die WHO habe China bei der Vertuschung über das wahre Ausmaß des Ausbruchs geholfen. In diesem Punkt sieht auch der SPD-Bundestagsabgeordnete ein Versäumnis der Weltgesundheitsorganisation. Lauterbach bezeichnet es als "unglücklich", dass die WHO China nicht scharf genug kritisiert habe. "Die Chinesen haben am Anfang versucht, den Ausbruch kleinzureden" - dadurch sei wertvolle Zeit verlorengegangen. Lauterbach ist der Ansicht, dass die WHO das hätte kritisieren müssen.

    Pilsinger: Kritik an Staaten ist keine WHO-Aufgabe

    Das sieht der CSU-Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger anders. Pilsinger sagte dem BR, "es ist nicht die primäre Aufgabe der WHO, Staaten zu kritisieren". Die WHO sei eine Organisation, über die sich die Staaten über den Gesundheitsschutz und die Entwicklung globaler Strategien austauschen könnten. Was die WHO nicht sei: "der gesundheitspolitische Babysitter von China". Sobald das Ausmaß der Infektionen in China bekannt gewesen sei, habe die Weltgesundheitsorganisation die richtigen Schlüsse gezogen und entsprechend gehandelt.