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8. Mai: Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren | BR24

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75 Jahre nach der Befreiung Deutschlands vom Nationalsozialismus hat Bundespräsident Steinmeier zur Verteidigung der Demokratie aufgerufen. Der 8. Mai sei ein Tag der Befreiung gewesen.

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8. Mai: Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren

Vor 75 Jahren endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Wehrmacht kapitulierte bedingungslos, Europa war vom Nationalsozialismus befreit. Bundespräsident Steinmeier wollte mit einem Staatsakt daran erinnern, jetzt findet das Gedenken im Netz statt.

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75 Jahre, nahezu drei Generationen lang, herrscht mittlerweile Frieden in Europa. Der Blick zurück auf die Gräueltaten der Nationalsozialisten und auf einen Kontinent, der in Schutt und Asche lag, hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in den vergangenen Monaten an viele Orte geführt: In die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, ins NS-Vernichtungslager Auschwitz, und auch nach Dresden, also in die Stadt, die von den Alliierten in den letzten Kriegswochen zerstört worden war.

Dort erinnerte Steinmeier im Februar an alle Kriegsopfer – und daran, dass mit der Befreiung Europas vom Nationalsozialismus eine Verantwortung entstand: ein "Nie wieder" als eine Art "Lebensauftrag". Das sei der Anfang einer langen Geschichte von Frieden und Versöhnung in Europa gewesen.

Jahrestag wird vor allem digital gefeiert

Zum Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht hätte Steinmeier gern einen Staatsakt abgehalten: Als Ausdruck höchster Würdigung, mit 1.600 Gästen vor dem Reichstagsgebäude. Doch das lässt sich nicht mit den Abstands- und Hygieneregeln vereinbaren, die wegen der Corona-Pandemie gelten.

Eine Konferenz mit Jugendlichen aus Europa und Israel zu den Lehren aus dem Weltkrieg wurde umgeplant – die Konferenz findet jetzt virtuell im Netz statt. Die Gedenkfeier in der Neuen Wache in Berlin ist klein gehalten: keine Gäste, nur der Bundespräsident und die anderen Vertreter der Verfassungsorgane, also Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der aktuelle Bundesrats-Vorsitzende Dietmar Woidke und der scheidende Präsident des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle. Das ZDF überträgt, auch online kann man die Zeremonie verfolgen.

8. Mai zum dauerhaften Feiertag machen?

Für das Land Berlin gilt heute ein einmaliger gesetzlicher Feiertag. Von den Grünen und der SPD kommt der Vorschlag, dass das bundesweit Schule machen sollte. Nach Ansicht des Grünen-Parteivorstandes könnte ein Gedenktag ein Zeichen setzen gegen Gewaltherrschaft, Antisemitismus und Rassismus.

Es sei Aufgabe der Gesellschaft, neue Formen des Gedenkens zu schaffen, weil es bald keine Zeitzeugen mehr geben werde. Die Vorsitzende der bayerischen SPD, Natascha Kohnen ist der Ansicht, der 8. Mai sollte als "Tag der Dankbarkeit" wahrgenommen werden, an dem sich alle "des großen Glücks bewusst sein sollten, hier seit 75 Jahren in Frieden zu leben".

AfD lehnt den Vorschlag ab

AfD-Parteichef Alexander Gauland hält nichts von einem solchen gesetzlichen Feiertag. Gauland sieht den Tag zwiespältig und argumentiert, der 8. Mai 1945 habe die KZ-Insassen befreit, den Deutschen aber eine "absolute Niederlage" beschert – und einen "Verlust von Gestaltungsmöglichkeiten".

Politiker anderer Parteien und der Zentralrat der Juden kritisierten Gaulands Äußerungen scharf. Der freie Historiker Moritz Hoffmann sagte dem Bayerischen Rundfunk, dieses Argument zeuge von einem "halbgeschlossenen Weltbild". Für Gauland sei das größte Opfer der Nazi-Zeit "die Idee von Deutschland als stolzem Volk" gewesen.

Hoffmann lässt auch das Argument, der Tag sei zu ambivalent, nicht gelten. Es sei damals eine "Niederlage für Deutschland als Land gewesen und für alle, die keine Opfer waren – aber eben auch ein Tag der Befreiung für alle Opfer und die Nachgeborenen".

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