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70 Jahre Zentralrat der Juden | BR24

© BR / Julio Segador

Mit einem Festakt in Berlin feiert heute der Zentralrat der Juden in Deutschland seine Gründung vor 70 Jahren. Als Sprachrohr der Juden in Deutschland ist er mehr als nur eine politische Vertretung. Die Festrede hält Bundeskanzlerin Merkel.

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70 Jahre Zentralrat der Juden

Mit einem Festakt in Berlin feiert der Zentralrat der Juden in Deutschland seine Gründung vor 70 Jahren. Als Sprachrohr der Juden in Deutschland ist er mehr als nur eine politische Vertretung. Die Festrede hält Bundeskanzlerin Merkel.

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Als der Zentralrat der Juden im Juli 1950 gegründet wurde, dachten wohl nur die wenigsten, dass dies der Startschuss zu neuem jüdischen Leben in Deutschland sein würde, buchstäblich auf verbrannter Erde. Vielmehr sollte der Zentralrat das noch vorhandene jüdische Erbe nach dem Völkermord an den Juden geordnet abwickeln.

"Man wollte ja das Judentum hier auf gar keinen Fall festigen. Man war immer noch davon überzeugt, dass Deutschland keine Zukunft für Juden bieten kann." Charlotte Knobloch, Ex-Präsidentin des Zentralrats der Juden

Dennoch wagten viele Juden gerade diesen Schritt. Statt der Abwicklung fanden sie im Nachkriegsdeutschland eine unerwartete Lebensperspektive.

Der Zentralrat als Bollwerk gegen den Antisemitismus

Seither wurde der Zentralrat zum Sprachrohr, zu einer wichtigen Interessenvertretung, die dafür gesorgt hat, dass jüdisches Leben in Deutschland wieder verankert und wahrnehmbar geworden ist.

70 Jahre nach der Gründung des Zentralrats stehen der Kampf gegen Antisemitismus und politischen Rechtsextremismus ganz oben auf der Agenda. Zum Leidwesen des amtierenden Präsidenten des Zentralrats der Juden, Josef Schuster. Er würde wie auch seine Vorgänger viel lieber die schönen Dinge des Judentums herausstellen, statt als immer wiederkehrender Mahner gegen Antisemitismus aufzutreten. Der Würzburger gibt sich selbstkritisch.

"Ich will nicht verhehlen, dass mir dies in dieser Form leider nicht gelungen ist." Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

Israel-Kritik als Streitpunkt mit der Politik

Manchmal gerät der Zentralrat der Juden auch in schwere politische Fahrwasser. So eskalierte etwa im Jahr 2002 der Streit zwischen dem Zentralrat der Juden und der FDP. Partei-Vize Jürgen Möllemann und der stellvertretende Zentralratspräsident Michel Friedman trugen einen erbitterten Streit um Israel-Kritik aus: Friedman warf der FDP vor, ein Doppelspiel zu betreiben und forderte die Ablösung Möllemanns. Der wiederum konterte mit den Worten: Friedman sei übergeschnappt und hielt dem damaligen Vizepräsidenten des Zentralrats eine "elitäre überhebliche Arroganz" vor.

Mehr Juden in Deutschland nach dem Fall des Eisernen Vorhangs

Die jüdische Gemeinschaft in Deutschland ist in den vergangenen 70 Jahren größer, vielfältiger und sichtbarer geworden. Vor allem seit 1990, wo es nach dem Fall des Eisernen Vorhangs einen starken Zuzug von Juden aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion gab. Damals musste eine Minderheit eine Mehrheit integrieren. Für den Zentralrat war dies eine immense Herausforderung.

"In den Staaten der ehemaligen Sowjetunion war das Thema Religion alles andere als das Thema Nummer 1. Also musste man vielen der Menschen erst einmal jüdische Religion wieder nahebringen." Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden

Inzwischen sei die Integration dieser Juden gut abgeschlossen, stellt Schuster fest. Und er betont: Durch sie sei es zu einer Renaissance des jüdischen Lebens in Deutschland gekommen. Auch deshalb blickt Schuster positiv in die Zukunft, und er verweist auf die lange Tradition des Judentums hierzulande. So will der Zentralrat im kommenden Jahr mit einem großen Jubiläumsprogramm an 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland erinnern.

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