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70 Jahre Genfer Abkommen | BR24

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70 Jahre Genfer Abkommen

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    70 Jahre Genfer Abkommen

    Im Kriegsfall schützt das Genfer Abkommen Menschen, die nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen. Das sind vor allem Zivilpersonen und verwundete und gefangene Soldaten. Seit 1949 gilt die heutige Fassung.

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    Die Genfer Konventionen sollen dafür sorgen, dass Zivilisten und Soldaten, die nicht direkt an den Kampfhandlungen teilnehmen, mit Menschlichkeit behandelt werden. Dazu gehören Kriegsgefangene, Kranke und Schiffbrüchige. Verwundete sollen geborgen und gepflegt werden.

    Am 12. August 1949 haben 18 Staaten die vier einzelnen Abkommen nach einer mehrmonatigen Konferenz unterzeichnet, die bis heute gültig sind. Inzwischen sind dem Genfer Abkommen 196 Staaten beigetreten.

    Erster Schritt: Gründung des Roten Kreuzes

    Einer der Wegbereiter des Genfer Abkommens war der Gründer des Roten Kreuzes Henry Dunant. Nach der Schlacht von Solferino kam der Schweizer Geschäftsmann am 24. Juni 1859 am Schlachtfeld vorbei und sah dort, wie nahezu 40.000 verwundete Soldaten unversorgt zurückgelassen wurden. Er organisierte spontan mit Freiwilligen aus der Bevölkerung, dass ihnen geholfen wurde, und richtete in einer Kirche ein Behelfshospital ein. Schockiert von den Eindrücken schrieb und druckte er auf eigene Kosten "Eine Erinnerungen an Solferino" - ein Buch, in dem er das Grauen des Krieges drastisch schilderte. Dunant gilt außerdem als Begründer des Roten Kreuzes, das sich nach Kampfhandlungen um die Verwundeten kümmern sollte.

    Erstes Genfer Abkommen von 1864

    Am 22. August 1864 beschlossen zwölf Staaten bei einer diplomatischen Konferenz die erste Genfer Konvention. Sie basierte maßgeblich auf den Vorschlägen, die Dunant in "Eine Erinnerung an Solferino" gemacht hatte.

    Ergänzt wurde das erste Genfer Abkommen 1899 und 1906 durch die Abkommen der Haager Friedenskonferenzen und 1929 durch das zweite Genfer Abkommen. Nach den Erfahrungen des Ersten Weltkrieges, war eine der Neuerungen von 1929, dass Kriegsgefangene menschlich behandelt werden sollten. Außerdem wurden neben dem Roten Kreuz als Schutzzeichen jetzt auch der Rote Halbmond und der Rote Löwe mit roter Sonne, den der Iran bis 1980 verwendete, anerkannt.

    Nach den Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges war im Abkommen von 1949 der Schutz von Zivilisten eine wesentliche Neuerung.

    Zusatzprotokolle von 1977 und 2005

    Der Vietnamkrieg und andere Kriege der 60er Jahre machten jedoch eine Bekräftigung des Schutzes von Zivilisten nötig, die im Zusatzprotokoll von 1977 erfolgte. Seit den 90er Jahren gab es zunehmend Probleme bei der Beachtung der Genfer Konventionen. Hintergrund waren die Bestrebungen einiger Staaten nach Unabhängigkeit nach dem Kalten Krieg und der aufkommende Terrorismus. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag kann seit 2002 schwerwiegende Verstöße gegen die Genfer Konventionen ahnden.

    Die USA setzten sich während ihrer Militäreinsätze in Afghanistan und im Irak einiger Kritik aus, vor allem weil sie die Kriegsgefangenen im Lager von Guantanamo nicht nach den Genfer Konventionen behandelt haben sollen.

    2005 führte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) noch den Roten Kristall als Schutzzeichen ein, mit dem sich alle anderen Staaten und Religionen identifizieren sollten.