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50. Jahrestag der RAF-Gründung: Die Blutspur des Terrors | BR24

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Anschläge, Entführungen, Morde – mehr als zwei Jahrzehnte hielt die Rote-Armee-Fraktion die Bundesrepublik in Atem. Der Schrecken über die Gewalttaten sitzt nach wie vor tief. Ein Rückblick.

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50. Jahrestag der RAF-Gründung: Die Blutspur des Terrors

Anschläge, Entführungen, Morde – mehr als zwei Jahrzehnte hielt die Rote-Armee-Fraktion die Bundesrepublik in Atem. Der Schrecken über die Gewalttaten sitzt nach wie vor tief. Ein Rückblick.

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Die RAF protestierte gegen Imperialismus und Kapitalismus, sie stellte den bürgerlichen Staat in Frage. Aber sie tat es nicht nur mit Worten, sondern eröffnete auch den bewaffneten Kampf, der viele Menschenleben forderte.

Als Geburtsstunde der RAF gilt der 14. Mai 1970. Während eines genehmigten Besuches im Institut für Soziale Fragen in West-Berlin wird Andreas Baader mit Waffengewalt aus der Haft befreit. Mit Hilfe der Pfarrerstochter Gudrun Ensslin und der Journalistin Ulrike Meinhof, die fortan mit in den Untergrund geht.

Gudrun Ensslin ist es, die im Juni 1970 in der anarchistischen Zeitung Agit 883 die erste programmatische Erklärung der RAF verfasst. Darin heißt es: "Denen habt ihr zu sagen, dass jetzt Schluss ist, dass es jetzt losgeht, dass die Befreiung Baaders nur der Anfang ist. Denen habt ihr zu sagen, dass wir die Rote Armee aufbauen."

Die erste Generation der RAF macht mobil

Baader, Ensslin und Meinhof sind die prominentesten Vertreter der ersten RAF-Generation, die sich als Speerspitze eines internationalen Aufstandes gegen Imperialismus und Kapitalismus sieht. Was die RAF nun vorhat spricht Ulrike Meinhof aus dem Untergrund einer französischen Journalistin ins Mikrofon. Ob es möglich sei, bewaffnete Widerstandsgruppen in der Bundesrepublik und West-Berlin zu organisieren, die Antwort auf diese Frage könne nur praktisch ermittelt werden.

Was das heißt, zeigt sich im Mai 1972. Eine Serie von Bombenanschlägen erschüttert Deutschland. Es gibt Tote und Verletzte. Die Behörden reagieren mit einer bundesweiten Großfahndung, die zum Erfolg führt. In kurzer Zeit werden die führenden Köpfe der RAF festgenommen. Doch ihr Kampf geht weiter. Aus dem Gefängnis heraus fordern sie den Staat heraus, versuchen mit Hungerstreiks gegen die – nach ihrer Meinung – unmenschlichen Haftbedingungen vorzugehen.

Der "Deutsche Herbst" und die zweite RAF-Generation

Es ist die zweite Generation der RAF, die ab 1975 versucht, die Freilassung ihrer Kampfgefährten zu erzwingen. Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar sind deren prominenteste Köpfe. Die Methoden werden immer rücksichtsloser, brutaler.

1977 kommt es zu einer beispiellosen Serie von Mordanschlägen. Opfer sind Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der Chef der Dresdner Bank Jürgen Ponto sowie deren Begleiter. Am 5. September wird Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt. Gut eine Woche nach der Entführung erhöht die RAF den Druck. Befreundete palästinensische Terroristen entführen die Lufthansa Maschine „Landshut“ nach Mogadischu in Somalia.

Doch die Bundesregierung bleibt hart, verweigert die Freilassung der Terroristen. Bundeskanzler Helmut Schmidt wendet sich in einer Regierungserklärung direkt an die RAF: "Beenden Sie ihr irrsinniges Unternehmen. Sie irren sich. Wir werden uns von Ihrem Wahnsinn nicht anstecken lassen. Sie irren sich. Die Massen stehen gegen Sie."

Nach der Befreiung der Lufthansa-Geiseln durch die GSG 9 überschlagen sich die Ereignisse. Die Terroristen Baader, Ensslin und Raspe begehen im Stuttgarter Gefängnis Selbstmord. Daraufhin ermordet die RAF Arbeitgeberpräsident Schleyer.

Der sogenannte "Deutsche Herbst" hinterlässt ein nie für möglich gehaltenes Schreckensszenario. Die Brutalität der Terroristen kostet die RAF noch vorhandene Sympathien. Viele der Mitglieder der zweiten Generation werden festgenommen, andere tauchen frustriert ab. Ab 1985 sendet die dritte Generation der RAF neue Zeichen der Gewalt - einige Morde sind bis heute nicht restlos aufgeklärt, so wie das Attentat auf den Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen am 30. November 1989.

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30.11.1989: Attentat auf Alfred Herrhausen (Archivbild)

1998 ist der Spuk vorbei

Der Vorsitzende der Treuhandanstalt Detlev Karsten Rohwedder ist im April 1991 das letzte Mordopfer der RAF. Sieben Jahre später ist die in ihrem Selbstverständnis "Antiimperialistische Stadtguerilla RAF" Geschichte. Am 20. April 1998 geht im Kölner Büro der Nachrichtenagentur Reuters ein Schreiben ein, in dem die Rote-Armee-Fraktion ihre Selbstauflösung bekanntgibt.

Frühere Terroristen bewerten seither die Geschichte der RAF sehr unterschiedlich. Manche Mitglieder wie Peter-Jürgen Boock bereuen ihre Taten: "Das tut mir unendlich leid, was geschehen ist. Allein ich weiß, ich kann es nicht rückgängig machen."

Andere wie Christian Klar zeigen sich auch Jahre nach dem bewaffneten Kampf hartleibig, uneinsichtig: "Die Vorstellung ist, dass auch eine Gruppe wie die RAF, die dann irgendwann Geschichte geworden ist, durch Fehler oder durch Anstöße Inspiration wird für neue Aufbrüche."

Christian Klar hat seine Strafe abgesessen, ist inzwischen in Freiheit. Versprengte Reste der RAF leben dagegen noch weiter im Untergrund. Sie sollen für eine Reihe von Banküberfällen verantwortlich sein.

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