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47 Wochen zur deutschen Einheit – eine Chronologie | BR24

© picture-alliance / akg

Berlin, Wiedervereinigung 3.10.1990 Berlin

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    47 Wochen zur deutschen Einheit – eine Chronologie

    Seit dem 3. Oktober 1990 ist Deutschland wiedervereint. Nicht einmal ein Jahr nachdem die Mauer fiel. Es waren dramatische Monate mit tausenden Menschen, die friedlich demonstrierten. Monate, in denen niemand wusste, was als Nächstes geschieht.

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    Von
    • Christian Stücken
    • Jasmin Eiglmeier

    Donnerstag, 9. November 1989

    Der Sprecher des Zentralkomitees Günter Schabowski kündigt überraschend eine neue Reiseregelung an: "… die es jedem Bürger der DDR möglich macht, über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen."

    Zwei Stunden dauert es, bis sich die Nachricht herumgesprochen hat. Dann strömen die DDR-Bürger an die Grenze. Zehntausende überqueren zum ersten Mal in ihrem Leben die Grenzübergänge zwischen Ost und West. 28 Jahre nach dem Mauerbau durften die Berliner erstmals wieder frei von einem Teil der Stadt in den anderen.

    Bundeskanzler Helmut Kohl ist an diesem Abend auf Staatsbesuch in Polen. Er wird darüber informiert, was in Deutschland geschieht. Horst Teltschik, der damalige Vize-Kanzleramtschef, erinnert sich: "Er wurde dann still. Und dann hat es in ihm gearbeitet: Was muss ich jetzt tun?" An eine Wiedervereinigung denkt in diesem Moment noch kaum jemand.

    Dienstag, 19. Dezember 1989

    Helmut Kohl fährt nach Dresden. Es ist sein erster Besuch in der DDR nach dem Mauerfall. Offizieller Anlass: ein Treffen mit Hans Modrow, inzwischen Regierungschef der DDR. Helmut Kohl will auch zu den DDR-Bürgern sprechen. Von vielen wird Helmut Kohl herzlich empfangen. Das hat er nicht erwartet, er ist überwältigt. Für ihn ein Schlüsselmoment auf dem Weg zur Deutschen Einheit. Kohl spricht zu den DDR-Bürgern: "Mein Ziel bleibt, wenn die geschichtliche Stunde es zulässt, die Einheit unserer Nation."

    Silvester 1989

    Ein bewegtes Jahr geht zu Ende. Doch die Bundesregierung drückt weiter aufs Tempo. Inzwischen versucht die Bundesregierung, einen Staatsbesuch bei Mikhail Gorbatschow in Moskau zu vereinbaren. Allen ist klar: Ohne Zustimmung der Sowjetunion ist die Deutsche Einheit nicht möglich. Doch Gorbatschow reagiert nicht.

    Niemand weiß, was in diesen Wochen im Kreml los. In Bonn fürchtet man das Schlimmste, so Teltschik: "Es hätte sein können, dass dort auch schon einen Putsch gegen Gorbatschow stattfindet. Ja, es hätte sein können, dass er wirklich die Militärs in Gang setzt."

    Erst Jahre später erfährt Teltschik vom sowjetischen Außenminister Eduard Schewardnadse, was im Januar 1990 im Kreml geschah: "Schewardnadse sagte: ‚Wir haben damals in der sowjetischen Führung darüber diskutiert, ob wir militärisch intervenieren sollen oder nicht.‘ Januar 90. Hat bei uns keiner wahrgenommen." Nur weil Gorbatschow den Machtkampf gewinnt, entgeht Deutschland einer Katastrophe.

    Montag, 15. Januar 1990

    In Berlin wird das Ministerium für Staatssicherheit gestürmt. Von hier aus kamen die Befehle für den Überwachungsstaat. Die Staatssicherheit wird zum Symbol der Unterdrückung. Und allmählich wird klar, wie viele Menschen dafür rekrutiert worden sind. Ilona Rau, die später die Stasiunterlagen-Behörde in Dresden leitet, erinnert sich: "Die große Anzahl von inoffiziellen Mitarbeitern … das hat die DDR-Bürger sehr beschäftigt, dass sich Leute aus dem Umfeld, Nachbarn, Freunde, Verwandte, bereit erklärt hatten. Warum auch immer."

    Samstag, 10. Februar 1990

    Mikhail Gorbatschow empfängt nun endlich den Bundeskanzler in Moskau. Alles scheint möglich. Vize-Kanzleramtschef Teltschik traut seinen Ohren kaum, als Gorbatschow unvermittelt sagt, "es sei nun die Aufgabe beider deutschen Staaten, ob sie sich vereinigen wollen, wie sie sich vereinigen wollen und wie schnell sie sich vereinigen wollen." Das ist mehr, als die deutsche Delegation zu hoffen wagte.

    Sonntag, 18. März 1990

    Zum ersten Mal gibt es freie Wahlen in der DDR. Die CDU setzt sich durch und wird stärkste Partei in der Volkskammer. Lothar de Maiziere wird der erste freigewählte Ministerpräsident.

    5. Mai 1990

    Die Zwei-plus-Vier-Konferenz beginnt in Bonn. Großbritannien ist von Anfang an entschieden gegen eine Deutsche Einheit, die Sowjetunion will nicht, dass ein vereintes Deutschland Mitglied der Nato wird. Schwierige Verhandlungen. Doch Deutschland hat in den USA einen starken Verbündeten, erinnert sich Theo Waigel. Schritt für Schritt geht es voran: der Fahrplan für die Deutsche Einheit. Rückblickend erzählt Waigel: "Ich habe auf die Frage, was kostet die Einheit, immer gesagt, ich weiß es nicht. Und das war, glaube ich, relativ klug. Denn es hat länger gedauert und mehr gekostet, als wir uns alle vorgestellt haben. Und wenn man die letzten 30 Jahre resümiert, dann waren es etwa 2,5 Billionen Euro, das sind in D-Mark gesprochen, etwa 5.000 Milliarden DM."

    Sonntag, 17. Juni 1990

    Die Volkskammer verabschiedet das Treuhandgesetz. 8.500 Staatsbetriebe in der DDR sollen so schnell wie möglich privatisiert werden. Viele laufende Betriebe werden dabei von Westdeutschen übernommen oder einfach abgewickelt. Tausende Menschen in der DDR werden arbeitslos.

    Sonntag, 1. Juli 1990

    Die Währungsunion ist da. DDR-Bürger können von nun an ihr Geld in D-Mark umtauschen. Seit Wochen schon laufen die Vorbereitungen für diesen Tag. Schwer bewachte Geldtransporter bringen die D-Mark nach Ostdeutschland. Und das ohne Zwischenfälle.

    Montag, 16. Juli 1990

    Es beginnen die entscheidenden Verhandlungen im Kaukasus. Es ist der endgültige Durchbruch auf dem Weg zur Wiedervereinigung. Die Bilder am Fluss, als Mikhail Gorbatschow den Bundeskanzler zu sich ruft, gehen um die Welt. Gorbatschow hat seine endgültige Zustimmung zur Deutschen Einheit gegeben.

    Freitag, 31. August 1990

    Der Einigungsvertrag wird unterzeichnet. In nur acht Wochen war die gesamte rechtliche Grundlage für die Wiedervereinigung erarbeitet worden. Ein Vertrag voller Kompromisse.

    Mittwoch, 12. September 1990

    Moskau: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag liegt zur Unterzeichnung bereit. Damit sichern die vier Besatzungsmächte dem wiedervereinigten Deutschland volle Souveränität zu. Aber es ist nicht klar, ob wirklich alle unterzeichnen, so Theo Waigel: "Und dann war es George Bush, der beim Zwei-plus-Vier-Vertrag, als Margaret Thatcher bis zum Schluss die Unterschrift verweigern wollte, mit seinem Außenminister Jim Baker alles getan hat, um eine Zustimmung des englischen Außenministers Jeffrey Hart dann zu erreichen."

    Am 3. Oktober 1990 wird Deutschland wiedervereinigt, die DDR ist Geschichte. In nur 47 Wochen hat sich Deutschland wiedervereinigt – nach 40 Jahren Teilung.

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