BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

400 Jahre "Mayflower": Der Gründungsmythos Amerikas | BR24

© BR.de

Die Mayflower II, eine Replika der Mayflower, in Plymouth Harbor. Vor 400 Jahren kamen die Pilgerväter auf dem amerikanischen Kontinent an.

2
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

400 Jahre "Mayflower": Der Gründungsmythos Amerikas

Es war der erste Schritt auf dem Weg zur Nation: Im Jahr 1620 erreichten die Pilgerväter mit dem Segelschiff "Mayflower" den Kontinent Amerika. Noch heute erinnert "Thanksgiving" an die Siedler.

2
Per Mail sharen

"Wenn man Menschen fragt, wo Amerika begonnen hat, dann sagen sie: 'Es hat in Plymouth Rock begonnen'", so die Historikerin Jill Lepore in einer Fernsehdokumentation über die sogenannten Pilgerväter, die vor genau 400 Jahren auf dem amerikanischen Kontinent landeten.

Die Mayflower im Hollywood-Film: Ein viel zu kleines Schiff, zwei Monate auf dem Atlantik. An Bord radikale englische Protestanten, die jede Hoffnung aufgegeben haben, die Anglikanische Kirche reformieren zu können. Sie hatten sich einige Jahre vorher nach Holland abgesetzt und jetzt wollen sie eines: einen Platz, in dem sie niemand daran hindert, Gottes Reich auf Erden zu verwirklichen.

Pilgerväter wurden wegen ihrer Religion verfolgt

"Für jene Zeit waren sie eine kleine Gruppe sehr extremer Menschen", so die Historikerin Pauline Croft. Keine Frage, sie sind wegen ihrer Religion verfolgt worden, während sie sich gegen alles stellen, was das Gesetz verlangt. Und etwas anderes, als die Bibel wörtlich auszulegen und danach zu leben, kommt nicht in Frage. Und in diesem neuen unbekannten Kontinent, in Amerika hoffen sie, genau das zu verwirklichen.

Tückische Überfahrt: Sturm und falsche Navigation

"Wenn sie verloren gegangen wären, hätte das niemanden gewundert", meint Croft. Sie sind viel zu spät im Jahr losgekommen, geraten in einen gewaltigen Sturm, das Schiff fast zerstört. Pilger und ganz normale Passagiere aus England, die nichts als ihr Glück machen wollen, auf engstem Raum zusammengepfercht - 102 insgesamt. Zwei Kinder werden unterwegs geboren. Und: sie kommen nicht dort an, wohin sie wollten. Statt nach Virginia, wo es schon eine Kolonie gibt, landen sie viel zu weit im Norden beim heutigen Cape Cod.

"Mayflower Compact": Vertrag der Gemeinschaft

Land in Sicht. Jetzt sind sie auf sich gestellt und die Erkenntnis setzt sich durch, dass sie nur überleben, wenn sie zusammenhalten. Egal, ob Pilger oder nicht. Sie, das heißt die Männer an Bord, unterschreiben den "Mayflower Compact", in dem es heißt: "Wir schließen uns zu einer Gemeinschaft zusammen und schaffen gerechte und gleiche Gesetze und Regeln für alle. Wir überprüfen sie regelmäßig und versprechen, uns daran zu halten."

Dieser Vertrag gilt als der Beginn der langen Reise Amerikas - über die Kolonien über die Revolution zu den Vereinigten Staaten. Auch wenn es längst die Kolonie in Virginia gibt, längst so etwas wie eine zivile Ordnung. Aber die Geschichte der Mayflower und der Pilgerväter wird zum Gründungsmythos der USA.

"Wir fühlen uns als ein so junges Land, dass wir wissen müssen, wie alles begann", sagt der Autor Nathaniel Philbrick. "Den entscheidenden Moment. Und die Pilger dienen diesem Zweck." In Wahrheit ist es zunächst eine Geschichte des Überlebens. Denn nach zwei Monaten ist die Hälfte der Siedler tot.

Das Fest "Thanksgiving" als Erinnerung

Wären nicht die Ureinwohner gewesen, die den Siedlern zu essen gaben, im Frühjahr zu säen halfen, wäre von den "Neuankömmlingen" nichts übrig geblieben. Davon zeugt noch das heutige "Thanksgiving", das US-amerikanische Erntedankfest.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!