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30 Jahre Wiedervereinigung: Unterschiede zwischen Ost und West | BR24

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30 Jahre Wiedervereinigung: Unterschiede zwischen Ost und West

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30 Jahre Wiedervereinigung: Unterschiede zwischen Ost und West

Ostdeutsche sind im Schnitt älter als Westdeutsche, weniger zufrieden mit der Demokratie und haben weniger Immobilienbesitz. Viele kleine und größere Unterschiede sind geblieben, aber es gibt auch bedeutende Angleichungen.

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Die tragischste Kluft, die zwischen Ost und West bestand, hat sich zum Glück nahezu geschlossen. Mädchen haben heute eine durchschnittliche Lebenserwartung von 83,3 Jahren – egal ob sie in Cottbus oder Augsburg geboren werden.

Frauen in Ost und West werden gleich alt

1990 wurden Ost-Frauen im Schnitt nur 77, Westfrauen dagegen 80 Jahre alt. Bei Männern war der Unterschied noch größer, heute ist er geringer. Andere Unterschiede haben sich dagegen eher verfestigt. Die ehemalige Vorsitzende der sächsischen Grünen und heutige Unternehmensberaterin in Dresden, Antje Hermenau, kann davon ein – trauriges – Lied singen: Sie hat sich spezialisiert auf internationale Beziehungen und Finanzen und spricht mehrere Sprachen. Im Osten interessiert das niemanden, sagt sie, weil die Posten alle besetzt seien. Für "Ossis" sei da immer eine gläserne Decke.

Die Eliten bestehen vorwiegend aus Westdeutschen

Nach einer Studie der Universität Kassel stammen von allen in der Bundesrepublik ernannten Spitzenbeamten nur knapp 16 Prozent aus dem Osten. Noch eklatanter: Die Präsidenten der obersten Ost-Gerichte sind nahezu zu hundert Prozent Westdeutsche, ähnliches gilt für öffentlich-rechtliche Universitäten. In den Vorständen der Dax-Unternehmen kommen Manager aus dem Osten ebenfalls so gut wie gar nicht vor. Nach der jüngsten Studie der Berliner Forschungsagentur Pollytix fühlen sich fast 60 Prozent der Ostdeutschen als Bürger zweiter Klasse.

Gründe für größere Ausländerfeindlichkeit im Osten in Mentalität verankert

Das wiederum mag auch die deutlich divergierende Einstellung zur Demokratie erklären: Laut einer Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung vom Februar sind im Westen 44 Prozent der Menschen mit der Demokratie zufrieden, im Osten nur 22. Auch beim Thema Migranten ticken Ost und West deutlich anders: Ausländerfeindlichkeit ist im Osten alltäglicher.

Laut Professor Raj Kollmorgen von der Hochschule Zittau-Görlitz ist es in der ostdeutschen Mentalität fest verankert, dass man sich nur dann auf die Solidarität der anderen verlassen kann, wenn man sich vorher ordentlich verausgabt hat. In der Wahrnehmung der Ostdeutschen hätten Migranten jedoch nichts geleistet und trotzdem etwas bekommen. Die Ostdeutschen dagegen hätten ihrer Meinung nach sehr viel geleistet jedoch wenig bekommen, so Kollmorgen, und das habe sie nachhaltig distanziert.

Armutsquote im Osten sinkt und steigt im Westen

Zwar ist seit der Wiedervereinigung die Zahl der Immobilienbesitzer im Osten von 25 auf 40 Prozent gestiegen. Verglichen mit Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz oder Schleswig-Holstein ist das aber immer noch wenig. Hier liegt die Quote bei fast 60 Prozent. Beim Thema Armut haben die ostdeutschen Länder aber seit 2015 rasant aufgeholt. Ihre Quote ist deutlich gesunken, dafür ist Bremen jetzt mit Abstand das ärmste Bundesland.

Überalterung im Osten höher als im Westen

Zum Schluss zurück zum Thema Alter. In Ostdeutschland leben aufgrund der Abwanderung von Millionen jüngerer Menschen und von überproportional vielen Frauen deutlich mehr alte Menschen als im Westen, auch der Männeranteil ist höher. Das hat Auswirkungen auf das Wahlverhalten. In ländlichen, überalterten, "männlicheren" Regionen hatten und haben rechtsextreme und rechte Parteien wie NPD und AfD Hochburgen. Laut dem Soziologen Raj Kollmorgen haben die ostdeutschen Regionen eine "avantgardistische Funktion": Sie zeigen uns seiner Meinung nach etwas, "was in anderen ländlichen Regionen der Bundesrepublik noch auf uns wartet."

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