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Bildrechte: dpa-Bildfunk

Einer der Hauptbeschuldigten im Prozess um den islamistischen Terroranschlag im Jahr 2015 auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" ist zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt worden. 14 Komplizen wurden ebenfalls schuldig gesprochen.

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30 Jahre Haft für Hauptangeklagten im "Charlie Hebdo"-Prozess

Er hatte den islamistischen Attentätern entscheidend geholfen: Im Prozess um den Anschlag auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" ist der Hauptangeklagte zu langer Haft verurteilt worden. Das Pariser Gericht sprach auch 13 weitere Komplizen schuldig.

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Von
  • Georg Wolf
  • BR24 Redaktion

30 Jahre Haft für den Hauptangeklagten im Prozess um die islamistischen Anschläge auf die französische Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo": Ali Riza Polat wurde unter anderem der Beihilfe zu Verbrechen mit Terrorhintergrund von einem Pariser Gericht für schuldig befunden. Er half den Islamisten, die im Januar 2015 "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt überfielen und insgesamt 17 Menschen töteten.

Alle Angeklagten zu Haftstrafen verurteilt

Auch die 13 weiteren Angeklagten wurden schuldig gesprochen. Die Verbrechen reichten von Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung zu Mithilfe bei den Anschlägen. Bei mehreren Verdächtigen wurden die Terror-Anklagen fallengelassen. Das Strafmaß reicht von vier Jahren Gefängnis bis zu lebenslänglicher Haft.

Gegen drei der Angeklagten erging das Urteil in Abwesenheit. Sie sind flüchtig und werden mit internationalem Haftbefehl gesucht, darunter auch die ehemalige Partnerin des Supermarkt-Geiselnehmers. Auch sie wurde zu 30 Jahren Haft verurteilt.

Täter der Anschläge von Polizei erschossen

Am 7. Januar 2015 stürmten Saïd Kouachi und sein Bruder Chérif die Redaktion der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo und töteten zwölf Personen. Zwei Tage später starben beide bei einem Schusswechsel mit der französischen Polizei. Der Komplize der Kouachi-Brüder, Amedy Coulibaly, der zunächst eine Polizistin und später vier weitere Menschen bei einer Attacke auf einen koscheren Supermarkt in Paris getötet hatte, wurde am selben Tag von Sicherheitskräften erschossen.

Seit Anfang September standen die Angeklagten in Paris vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft forderte in der vergangenen Woche lange Haftstrafen - von fünf Jahren bis lebenslänglich. Wegen der Corona-Pandemie war der Prozess rund einen Monat lang unterbrochen worden.

Hauptbeschuldigter wollte sich nach Syrien absetzen

Das Gericht habe festgestellt, dass Polat dem Attentäter Coulibaly in konkreter und detaillierter Weise entscheidend geholfen habe, seine kriminellen Handlungen auszuführen, begründete der Vorsitzende Richter Régis de Jorna dem Sender "France Inter" zufolge seine Entscheidung. Er habe ausreichend Kenntnis von Coulibalys Absichten gehabt.

Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft gefordert. Sie hatte argumentiert, dass dieser eine Schlüsselrolle bei der Vorbereitung der Anschläge gespielt habe. Polat hatte stets geleugnet, von den Anschlagsplänen gewusst zu haben.

Er könne sich nicht für etwas entschuldigen, was er nicht getan habe, erklärte Polat am letzten Verhandlungstag Berichten zufolge. Nach den Attacken versuchte Polat, sich offenbar über den Libanon nach Syrien abzusetzen. Auch die anderen Angeklagten wollten mit Terror nichts zu tun gehabt haben.

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