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100 Jahre Frauenwahlrecht
© Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn
© Friedrich-Ebert-Stiftung, Bonn

100 Jahre Frauenwahlrecht

Frauen in der Politik sind ganz normal. Die Zeiten, in denen Frauen weder wählen noch sich wählen lassen durften - vergessen. Doch die Feierlaune zum 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts ist für viele Politikerinnen getrübt: Von Parität kann noch keine Rede sein. Und es gibt Rückschläge - im Bundestag etwa sinkt der Frauenanteil seit einigen Jahren wieder. Das gilt auch für den bayerischen Landtag, dort sind es inzwischen 27 Prozent.

Barbara Stamm, bis vor kurzem noch Landtagspräsidentin, geht deshalb mit ihrer Partei CSU hart ins Gericht: Sie trage ganz entscheidend zu der Entwicklung bei und "das darf für die Zukunft nicht so bleiben".

Podiumsdiskussion in Schloss Bellevue

Stamm war in dieser Woche bei einer Podiumsdiskussion im Schloss Bellevue dabei: eine reine Frauenrunde, Hausherr Frank-Walter Steinmeier nahm nach einer Begrüßung Platz im Publikum. Und hörte zu, was seine Frau, Elke Büdenbender, zum Thema Frauenrechte und Gleichberechtigung zu sagen hatte. Sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben, Kinder klischeefrei erziehen, Erfolgsgeschichten erzählen und damit Mut machen.

Im Alltag einer berufstätigen Frau, sagte Büdenbender, helfe auch ein gutes Zeitmanagement: "Ich habe mich immer nur als rennend erlebt: Vom Job nach Hause und so weiter." Die beurlaubte Juristin Büdenbender findet es für Männer und Frauen gleichermaßen wichtig, die Familie gut zu organisieren. Nur wer das Gefühl habe, dass alle in der Familie "gut aufgehoben sind", könne an mehr denken als Job und Familie.

#fragBR24 Frauenwahlrecht: Wann? Wo? Wo nicht?

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Frauenquote? Unbedingt!

Vielleicht eine Karriere? Die Runde ist sich einig, dass die Strukturen weiter den Aufstieg von Männern begünstigen. Barbara Stamm gibt zu, dass sie noch vor zehn Jahren gegen eine Frauenquote war. Jetzt sehe sie das ganz anders, die Quote sei nötig. In ihrer Zeit als Ministerin habe sie Teilzeit auch für Führungspositionen eingeführt - gegen die Bedenken des Personalrates. "Er hat gemeint, es bricht alles zusammen. Es ist nicht alles zusammengebrochen."

Ihr Amt als Landtagspräsidentin habe sie beendet mit einem Amtsapparat, in dem die Führungspositionen ausgeglichen verteilt seien auf Frauen und Männer. Und in dem es einen landtagseigenen Kindergarten gebe. Man müsse halt bewusst Frauen fördern, dann gehe es voran.

Politik sollte Vorbild sein

Mit Blick auf die Bundespolitik ist Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) zumindest mit dem Kabinett zufrieden – das sei mit sieben Frauen und neun Männern ja "noch ganz gut". Bei den Ministerien allerdings lande man eher bei einem Frauenanteil von 30 Prozent. Nicht unbedingt ein gutes Vorbild, das die Politik abgibt – das räumt auch Giffey ein.

Sie verweist zugleich darauf, dass in den Chefetagen der deutschen Unternehmen nur sechs Prozent Frauen seien.

"Ich habe große Sympathien dafür, an das empfindlichste Körperteil zu gehen - das Portemonnaie." Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD)

Es reiche nicht, nur freundlich zu bitten und zu empfehlen. Es müsse "ein bisschen mehr sein" - gemeint sind Sanktionen.

Optimistischer Blick nach vorn

Gesellschaftspolitisch gesehen findet Giffey es wichtig, Männer, die ein "modernes Rollenverständnis" haben, zu bestärken. Zum Beispiel pflichtet First Lady Elke Büdenbender bei, wenn junge Väter Elternzeit nehmen wollen. Barbara Stamm sieht bei allem noch "Luft nach oben". Die CSU-Politikerin mahnt, offensiv in die Zukunft zu gehen - nur dann werde Gleichberechtigung irgendwann selbstverständlich sein.