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Inklusion – nur ein Traum? | BR24

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Am 26. März 2009 trat die UN-Behindertenkonvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Wie groß sind die Anstrengungen wirklich, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen?

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Inklusion – nur ein Traum?

Am 26. März 2009 trat die UN-Behindertenrechtskonvention für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in Kraft. Wie groß sind die Anstrengungen wirklich, die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zu ermöglichen?

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In der UN-Behindertenkonvention steht festgeschrieben, dass Menschen mit Behinderungen ein uneingeschränktes und selbstverständliches Recht auf Teilhabe besitzen – beim Wohnen, am Arbeitsplatz und im gesellschaftlichen Leben. "Inklusion" ist heute in aller Munde. Aber wie sieht die Realität von Menschen mit Handicap aus?

In Steinhöring im Landkreis Ebersberg gibt es eine große Einrichtung der katholischen Jugendfürsorge. Hier werden auch rund 300 junge Menschen mit Behinderung betreut. Inzwischen leben etwa 40 Prozent von ihnen in Wohnungen außerhalb der Einrichtung. Doch der Weg in ein eigenes selbstbestimmtes Leben ist voller Barrieren – auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention.

Eine große Hürde ist bereits eine eigene Wohnung – obwohl das Recht auf freie Wohnungswahl besteht. "Menschen, die einen Nachtdienst brauchen, können nicht in Außenwohngruppen wohnen, weil die Einheiten zu klein sind und der Kostenträger das erst bei größeren Einheiten finanziert", erklärt Gertrud Hanslmeier-Prockl. Sie leitet die katholische Behinderteneinrichtung. "Das schränkt einfach das Spektrum ein für einen Menschen mit schwerer Behinderung."

"Die Inklusionslüge"

Ein weiterer Stolperstein ist die Finanzierung einer eigenen Wohnung. Die Mehrkosten, die durch eine eigene Wohnung entstehen, stünden in keinem Verhältnis, so die Kostenträger. Menschen mit Behinderung müssen häufig mühsam einen Wohnplatz einklagen. Uwe Becker, Professor für Sozialethik in Bochum, spricht von einer "Inklusionslüge". Auch auf dem Arbeitsmarkt sieht er ähnliche Tendenzen - nur 0,8 Prozent der Mitarbeiter aus den Behindertenwerkstätten wechselten in den freien Arbeitsmarkt. Dagegen würden in den Werkstätten immer mehr Menschen beschäftigt, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht zurechtkommen. "Werkstätten sind inzwischen ein Inklusionsraum für Menschen geworden, die im Ersten Arbeitsmarkt geschädigt sind", sagt Uwe Becker.

Inklusion in allen Bereichen des täglichen Lebens ist derzeit noch ein Traum. Holger Kiesel, der Beauftragte der Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, bezieht klar Position: "Wahr geworden ist Inklusion erst dann, wenn man nicht mehr darüber spricht."