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Zehn Jahre nach Winnenden: Ist das Waffenrecht strikt genug? | BR24

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Heckler und Koch-Pistolen

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Zehn Jahre nach Winnenden: Ist das Waffenrecht strikt genug?

Vor zehn Jahren hat ein 17-Jähriger bei einem Amoklauf in Winnenden 15 Menschen und sich selbst getötet – mit einer Sportwaffe. Das Waffengesetz ist nach dem Amoklauf verschärft worden. Kritikern gehen die Änderungen nicht weit genug.

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Bereits nach dem Amoklauf in Erfurt 2002 haben die Gesetzgeber das Waffenrecht verschärft: Wer eine Waffe legal besitzen möchte und unter 25 Jahre alt ist, muss ein ärztliches oder psychologisches Attest zur "geistigen Eignung" vorlegen.

Ein weiteres Mal wurde das Waffengesetz nach dem Amoklauf von Winnenden im Jahr 2009 geändert: Für das Sportschießen mit Großkaliberwaffen erhöhte sich die Altersgrenze von 14 auf 18 Jahre. Außerdem wurden zusätzliche Kontrollen eingeführt, um sicherzustellen, dass Waffen in Privatwohnungen vorschriftsgemäß aufbewahrt werden. Seit 2017 gelten zudem höhere Sicherheitsstandards für Waffenschränke.

Kritiker wollen Verbot von tödlichen Sportwaffen

Roman Grafe, Mitgründer der Initiative "Keine Mordwaffen als Sportwaffen", gehen diese Änderungen nicht weit genug: "Das deutsche Waffenrecht ist kriminell lasch. Es werden Jahr für Jahr Menschen mit Waffen von Sportschützen getötet".

Er und seine Initiative sehen deshalb nur eine Richtung, in die sich das deutsche Waffenrecht entwickeln muss: "Ein Verbot tödlicher Sportwaffen ist das einzig wirksame Mittel. Mit einer Waffe, die ich nicht habe, kann ich niemanden erschießen". Alternativen für den Schießsport seien zum Beispiel Lichtpunktgeräte oder Druckluftwaffen.

Kontrollen der Einhaltung der Regelungen notwendig

Gegen ein Verbot spricht sich Volker Ullrich aus, innen- und rechtspolitischer Sprecher der CSU im Bundestag: "Nach unserem Kenntnisstand reichen die Gesetzesverschärfungen aus." Ob Waffenbesitzer die Regelungen im Waffenrecht einhalten, müsse allerdings von den Behörden der Städte und Landkreise auch kontrolliert werden: "Ich kann nicht für jede Kreisverwaltungsbehörde in Bayern sprechen. Ich weiß aber, dass viele sehr sorgfältig vorgehen. Bis hin zur persönlichen Inaugenscheinnahme, also der Frage, ob die Waffe und die Munition ordnungsgemäß und getrennt voneinander aufbewahrt werden", sagt Ullrich.

Wenn es aber um die Frage geht, ob eine Person wirklich zuverlässig genug ist, um eine Waffe zu besitzen, sieht der CSU-Bundestagsabgeordnete Ullrich Nachbesserungsbedarf: "Ich glaube, da gibt es noch den einen oder anderen Ansatzpunkt, um genauer hinzusehen."

Wer eine Waffe besitzen darf

Wer in Deutschland eine Waffe besitzen darf und wie diese aufzubewahren ist, regelt das Waffengesetz: Besitzer müssen, so eine der Voraussetzungen, zunächst einmal das 18. Lebensjahr vollendet haben. Außerdem verlangt das Gesetz die "erforderliche Zuverlässigkeit" und die "persönliche Eignung" - damit dürfen zum Beispiel verurteilte Verbrecher oder psychisch Kranke keine Waffen besitzen. Waffenbesitzer müssen zudem die "erforderliche Sachkunde" und ein "Bedürfnis" nachweisen, zum Beispiel als Jäger oder Sportschütze.

Striktere Gesetze zeigen Wirkung

Bringen strengere gesetzliche Regelungen tatsächlich mehr Sicherheit? Ja – das zeigt zumindest eine aktuelle Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München, in der mehrere europäische Länder verglichen werden: Je strikter die waffenrechtlichen Bestimmungen in einem Land sind, desto geringer ist die Zahl der mit Schusswaffen verübten Morde und Selbsttötungen.

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Weitere Information zur Verweildauer

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Am zehnten Jahrestag des Amoklaufs von Winnenden haben Hunderte Menschen der Opfer gedacht.

Von
  • Robert Köhler
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