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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)
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Tobias Betz
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Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU)

Das Signal: Kommunen und Landkreise sollen Partner in der Entwicklungszusammenarbeit werden. Der Landkreis Donau-Ries hat den Stein ins Rollen gebracht. Gemeinsam mit der Stiftung Fly & Help will der Landkreis bis 2020 ausschließlich durch Spenden 26 Schulen in Afrika errichten.

2017 in Donauwörth: Wieder einmal einer dieser Landratstermine auf dem Plan von Stefan Rößle. Der Landrat von Donau-Ries hat wenig Zeit, kündigt bereits an, diese Infoveranstaltung einer Stiftung über Schulbau in Afrika frühzeitig verlassen zu müssen. Doch nach der Hälfte der Zeit sitzt der CSU-Politiker immer noch im Publikum. Er bleibt bis zum Schluss der Veranstaltung. Warum interessiert sich Landrat Rößle so sehr für den Schulbau in Afrika, dass er gleich einen Anschluss-Termin absagt? "Das war sehr emotional und sehr ergreifend", sagt Rößle. Eine gute Show also. Aber ihm sei da eben auch eine Idee gekommen.

Fluchtursachen bekämpfen

„Wir hatten zu dieser Zeit unheimlich viele Probleme, Flüchtlinge und Asylbewerber unterzubringen. Und da entstand die Idee: Lasst uns doch etwas tun, um die Fluchtursachen in den Heimatländern zu bekämpfen.“ Landrat Stefan Rößle

Landrat Rößle rechnet vor: 50.000 Euro koste die Betreuung eines unbegleiteten minderjährigen Flüchtlings in Deutschland im Jahr. Soviel koste aber auch eine ganze Schule in den ärmsten Regionen Afrikas für rund 1.000 Schüler. Das sei keine Kritik an der Betreuung in Deutschland. Die sei rechtens und wichtig. Aber der Vergleich zeige auch: Mit ähnlichen Beträgen könne man in den Herkunftsländern mehr bewirken, sagt der Landrat. So bekämpfe man Fluchtursachen. Deshalb sammelte Rößle Spenden in seinem Landkreis – mit Erfolg.

Einige Schulen haben bereits eröffnet

Fast eine Millionen Euro hat der CSU-Politiker bereits in seinem Landkreis Donau-Ries gesammelt. Inzwischen sind nun bereits 26 Schulen in Planung oder im Bau. Alle spendenfinanziert, keine öffentlichen Gelder wurden verwendet. Eine der Schulen finanzierte Rößle selbst – rund 50.000 Euro legte er dafür aus seiner Privatkasse hin. Im Mai reiste er für die Eröffnung der Schule selbst nach Malawi.

Entwicklungsminister übernimmt Schirmherrschaft

Mit seinem Engagement bleibt Rößle nicht allein: Vereine, Schulen, Firmen, Gemeinden, die Mitarbeiter des Landratsamtes und Privatleute haben selbst gespendet und Geld gesammelt. Nun erreicht das 26-Schulen-Projekt die nächste Stufe. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller hat die Schirmherrschaft für das nun deutschlandweite Projekt "1.000 Schulen für unsere Welt" übernommen. Es soll ganz nach dem Vorbild von Donau-Ries funktionieren.

Kommunale Expertise in der Entwicklungsarbeit

"Kommunen können alles, was wir in den Entwicklungsländern brauchen. Das fängt an beim Schulbau eben. Deshalb diese tolle Initiative auf privater Basis." Bundesentwicklungsminister Gerd Müller

Aber die Stadträte und Landratsämter hätten darüber hinaus auch Experten für die gesamte Daseinsvorsorge: Trinkwasserversorgung etwa durch Stadtwerke, eine Gesundheitsstruktur durch Krankenhäuser, Abfallbeseitigung durch die Kommunalbetriebe. "Da sind die Kommunen die besten Experten. Und damit für uns bester Partner in der Entwicklungszusammenarbeit", sagt Entwicklungsminister Müller.

Aus Donau-Ries für ganz Deutschland

Das Projekt "1.000 Schulen für unsere Welt" ist ambitioniert. Rund 50.000 Euro kostet der Bau einer Schule in den ärmsten Regionen der Welt. Tausend solcher Schulen sollen gebaut werden. Die kommunalen Spitzenverbände, also Landkreise, Kommunen und Städte wollen das Beispiel Donau-Ries nun in ganz Deutschland nach vorne bringen.

Reiche Länder tragen Verantwortung

"Immer mehr Menschen wollen, dass wir als reiches Land Verantwortung für eine gerechte Globalisierung übernehmen", sagt Entwicklungsminister Müller. Das neue Großprojekt sei ein Meilenstein. "Gerade Investitionen in Bildung sind wichtig, denn Bildung der Schlüssel für Entwicklung und Fortschritt." Landrat Stefan Rößle ist sich sicher, so Fluchtursachen bekämpfen zu können. Schließlich nutzt das dann auch seiner Behörde, wenn es um Schwierigkeiten bei der Unterbringung geht.