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Verleihung in München "Witch it" sahnt beim Computerspielpreis ab

Am Dienstag wurde in München der Deutsche Computerspielpreis verliehen. Bei der festlichen Gala mit rund 700 geladenen Gästen war "Witch it" der große Gewinner. Das Spiel wurde zum besten Computerspiel 2017 gekürt und gewann auch in den Kategorien Bestes Jugendspiel und Bestes internationales Multiplayer-Spiel. Es wurden Preise in 14 Kategorien verliehen, die insgesamt mit 560.000 Euro dotiert waren.

Von: Wolfgang Zehentmeier

Stand: 11.04.2018

Der Deutsche Computerspielpreis ist vergleichsweise jung: Gestern Abend (10.04.) wurde er in München zum 10. Mal verliehen. Und nachdem die Gala in den ersten Jahren noch etwas hölzern und mit erhobenem Zeigefinger daherkam, nähert sie sich ihrem großen Vorbild, dem Deutschen Filmpreis, langsam an. Denn der Deutsche Computerpreis will, was auch der Filmpreis macht: Feiern und Fördern.

Der Gewinner des Abends: "Witch it"

Screenshot "Witch it"

"Witch it" ist der Gewinner des Abends und beweist, dass man auch mit dem guten alten Versteckspielen groß rauskommen kann: Das Spiel vom Hamburger Barrel Roll Games Studio wurde nicht nur zum besten Computerspiel 2017 gekürt, sondern gewann auch in den Kategorien Bestes Jugendspiel und Bestes internationales Multiplayer-Spiel. In "Witch it" spielen zwei Mannschaften: Die einen sind Hexen, die sich in allerlei Dinge verwandeln können, die anderen Sucher, die - sehr witzig - mit Hühnern die Hexen aufspüren.

Screenshot "Assassins Creed Origins"

Insgesamt 185.000 Euro Preisgeld und 100.000 Euro Medialeistungen nahmen die Entwickler von München mit nach Hamburg. Das erscheint zunächst viel, ist aber angesichts der Produktions- und Entwicklungskosten großer internationaler Titel ein Tropfen auf den heißen Stein. Spiele wie Assassins Creed Origins oder Horizon Zero Dawn, die dieses Jahr die internationalen Kategorien als bestes Spiel und beste Spielwelt gewannen oder der Gewinner des Publikumspreises ELEX, all diese Spiele haben Produktions-Budgets wie Hollywoodfilme. Da hinkt Deutschland weit hinterher.

"Wir sind sehr gut - Platz 5 auf der Welt - wenn es um das konsumieren von Spielen geht, aber das Produzieren, da sind wir noch nicht so gut. Die Spiele, die hier gespielt werden, kommen doch zu aller meist aus dem Ausland. Von 100 Euro, die gemacht werden mit Computerspielen, kommen nur 6 Euro deutschen Entwicklern zugute. Und da habe wir noch großes Potenzial."

Felix Falk vom Branchenverband GAME

Markus Söder (CSU) und die Sieger in der Kategorie "Bestes Deutsches Spiel 2018"

Das beginnt auch die Politik zu erkennen und hat beispielsweise die Förderung von Computerspielen auch im Koalitionsvertrag als Ziel mit aufgenommen. Selbst da, wo vor einigen Jahren noch von Killerspielen die Rede war, tritt jetzt der Wirtschaftsfaktor Computerspiele in den Vordergrund.

"Der Bund fördert jetzt, worüber ich mich sehr freue. Wir haben aber schon früher gefördert. Wir haben in den letzten drei Jahren unsere Förderungen für den Gamesbereich um 400 Prozent erhöht und wollen das auch in den kommenden Jahren weiter fortsetzen."

Ministerpräsident Markus Söder

Welches Potenzial in deutschen Studios steckt, zeigt exemplarisch die Entwicklerfirma HandyGames aus Giebelstadt bei Würzburg. Mit Townsmen VR hat das Studio eine Aufbausimulation entwickelt, bei der man als Spieler im wahrsten Sinn des Wortes selbst eingreifen kann.

"Das heißt, ich kann kleine Männchen mit der Hand aufnehmen, ich kann reinpusten und die Windmühle bewegt sich."

Christopher Kassulke von Handy Games

Das schafft ein viel direkteres Spielerlebnis.

Beste Innovation: "Huxley"

Damit hat auch "Huxley" die Jury als beste Innovation überzeugt. Bei dem VR Spiel werden die Gamer per Virtual Reality ins Jahr 3007 versetzt und müssen in nur 44 Minuten die Welt retten.

Deutsche Studios punkten international auch öfter mit Spielen für Smartphones. So ist Card Thief als Bestes mobiles Spiel ein sehr innovatives Taktik-Kartenspiel. Ein Dieb versucht, durch geschickte Züge zwischen neun Karten möglichst viel Beute mitzunehmen und vor allem unentdeckt zu bleiben.

The Long Journey Home

Screenshot "The Long Journey Home"

Auch beim Weltraumspiel  "The Long Journey Home", das in der Rubrik "Beste Inszenierung" ausgezeichnet wurde, kann Deutschland international mithalten. Das Spiel kommt von Daedalic Entertainment in Düsseldorf, dem Studio, das in zehn Jahren Computerspielpreis insgesamt die meisten Auszeichnungen einheimsen konnte.

Screenshot "Monkey Swag"

Spiele wie das beste Kinderspiel Monkey Swag punkten dagegen in erster Linie mit der guten Idee. Bei der grafischen Umsetzung  könnte man vermuten, dass das Tiny Crocodile Studio in Berlin insgesamt kein so großes Budget zur Verfügung hatte. Und so wird beim Computerspielpreis deutlich: Die Branche ist auf einem guten Weg.

"Ich finde, in Deutschland sind wir schon riesige Schritte gegangen und haben dieses Jahr so ein Super-Momentum. Und für mich heißt das: Weiter anpacken, Deutschland noch attraktiver machen mit dem, was wir hier tun. Und dafür ist das hier wirklich ein wichtiges Format."

Laudator Lars Jansen, Geschäftsführer von Travian Games

Die Gewinner:

Bestes Deutsches Spiel: Witch It (Barrel Roll Games, Hamburg)
Bestes Kinderspiel: Monkey Swag (Tiny Crocodile Studios & kunst-stoff, Berlin)
Bestes Jugendspiel: Witch It (Barrel Roll Games, Hamburg)
Bestes Serious Game: Vocabicar (Quantumfrog, Oldenburg)
Bestes Mobiles Spiel: Card Thief (Arnold Rauers, Berlin)
Bestes Gamedesign: TownsmenVR (Handy Games, Giebelstadt)
Beste Innovation: HUXLEY (Exit Adventures, Berlin)
Beste Inszenierung: The Long Journey Home (Daedalic Entertainment Studio West, Düsseldorf)
Bestes Internationales Spiel: Assassin’s Creed Origins (Ubisoft)
Beste Internationale Spielewelt: Horizon Zero Dawn (Guerilla Games / Sony Interactive Deutschland)
Bestes Internationales Multiplayer-Spiel: Witch It (Barrel Roll Games, Hamburg)
Publikumspreis: ELEX (Piranha Bytes, Essen)
Sonderpreis der Jury: Friendly Fire (Charity Aktion)
Nachwuchspreis mit Konzept:
1. Platz: Ernas Unheil (Aileen Auerbach, Jessica Bodamer, Lisa Forsch, Olga Trinova, Talea Sieckmann / HTW Berlin
2. Platz Sunset Devils (Andreas Illenseer / Carl-Hofer Schule, Karlsruhe)
Nachwuchspreis mit Prototyp:
1. Platz: Fading Skies (Marc Fleps / HAW Hamburg)
2. Platz: Realm of the Machines (Julian Ludwig, Sebastian Jantschke, Stefan Held, Wanuscha Nourbakhsh, Alina von Petersdorff, Sharon Schwaab, Maximilian Miesczalok, David Ernst, Pascal Marschar / Mediadesign Hochschule München)


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