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Wegen Sturmschäden Deutlich mehr Wildunfälle in Bayern

Die Zahl der Wildunfälle in Bayern ist seit Jahren hoch. Auch 2017 sind wieder mehr Tiere mit Fahrzeugen zusammengestoßen als im Vorjahr. Die Sturmschäden der vergangenen Monate verschärfen das Problem noch weiter.

Von: Tobias Brunner

Stand: 13.03.2018

Ein rotes Dreibein mit dem Hinweis auf einen Wildunfall | Bild: picture-alliance/dpa/Hauke-Christian Dittrich

Gerade erst hat Thomas Schreder wieder eine Nachricht bekommen: Ein Autofahrer hat sich gemeldet, er habe ein Reh angefahren, das anschließend noch weitergelaufen sei. Für den Jäger eine typische Situation, an der genannten Stelle kreuzt das Wild besonders oft die Straße.

Thomas Schreder ist nicht nur Jäger und teilt sich ein Revier mit Kollegen im oberbayerischen Wartenberg im Landkreis Erding. Schreder ist auch im bayerischen Jagdverband aktiv und kennt die Situation im ganzen Freistaat: Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Wildunfälle von rund 70.000 auf inzwischen gut 74.000 gestiegen. Die hohe Zahl hat laut Schreder mehrere Gründe.

Erster Grund: Straßen mitten durch den Lebensraum

Wiesen auf der einen Seite, Wäldern auf der anderen – dazwischen eine viel befahrene Straße. So sehen viele Stellen aus, an denen es vermehrt zu Wildunfällen kommt. Die Tiere suchen beispielsweise Futter auf der Wiese oder wollen sich im Unterholz verstecken. Eine Straße ist für sie da oft nur ein lästiges Hindernis.

Viele Jäger bringen Reflektoren oder besonders intensiv riechende Duftstoffe am Straßenrand an, um die Tiere fernzuhalten. Thomas Schreder hat damit gute Erfahrungen gemacht und die Anzahl der Unfälle an manchen Stellen mehr als halbiert. Doch das klappt nicht überall. „Wenn Sie zehn Jäger fragen, bekommen Sie elf Meinungen dazu“, sagt Schreder. Und gegen unaufmerksame oder zu schnelle Autofahrer sind diese Hilfsmittel ohnehin wirkungslos.

Zweiter Grund: Aufräumarbeiten nach Sturmschäden

Die Sturmtiefs "Xavier" und "Friederike" der vergangenen Monate sind auch an den bayerischen Wäldern nicht spurlos vorübergezogen: Umgeknickte Bäume, blockierte Wege – die Folgen sind vielerorts bei einem Waldspaziergang noch immer zu sehen. Das wirkt sich auf Rehe und Hasen aus und verschärft das Problem der Wildunfälle.

Denn viele Schäden müssen die Waldarbeiter mit Kettensägen und sogar schweren Maschinen wie Harvestern beseitigen. Für die Tiere bedeutet das: Panik. Der Lärm der Arbeiten vertreibt das Wild vorübergehend. Dabei haben die Waldbauern oft keine Wahl, sagt Schreder: "Der Personenschutz geht natürlich vor. Viele Bäume müssen so schnell wie möglich gefällt werden, damit sie nicht auf einen Weg fallen und Menschen gefährden."

Mancherorts mussten wegen der Sturmschäden Flächen abgeholzt werden, die so groß wie Fußballfelder sind. Auch hier können sich die Tiere nicht mehr verstecken und suchen sich neue Plätze.

Dritter Grund: Spaziergänger, Radler & Co.

Es klingt banal, doch schon einfache Spaziergänger können die Tiere aufschrecken und sie zur Flucht verleiten – zumindest dann, wenn sich die Menschen querfeldein bewegen. "Die üblichen Waldwege und Routen kennen die Tiere hingegen. Diese sind meist unproblematisch", erklärt Thomas Schreder.

Deutlich schlimmer als Fußgänger sind laut dem Jäger aber Mountainbiker oder sogar Motorcross-Fahrer, die durchs Unterholz heizen. Auch sie lösen bei den Tieren den Fluchtreflex aus. Trifft Schreder im Wald auf solche Fahrer, spricht er sie direkt an: "Sie hören sich das in der Regel an – aber beim nächsten Mal fahren die meisten trotzdem wieder genauso."


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Wildfreund , Donnerstag, 15.März, 07:38 Uhr

10. Was wohl andere Verbände (Nautschutz/Forst) dazu sagen würden?

Leider ein schlecht recherchierter Beitrag des BR, in dem den alternativen Wahrheiten eines ideologisch fehlgeleiteten (Hege-)Jagdverbandes blind vertraut wird. Neben der Zerschneidung der Lebensräume und gestiegenem Verkehrsaufkommen sind vor allem durch Menschenhand geschaffene, völlig überhöhte Wildbestände der Grund für mehr Verkehrsopfer. Mehr Tiere bedeutet schon rein statistisch mehr "Treffer"; verstärkt wird das außerdem, dass durch besetzte Reviere/Revierkämpfe/Sozialstress diese Tiere viel häufiger wandern müssen.
Schlicht falsch ist die Überschrift mit der Begründung im Text. Wild kann sehr schnell unterscheiden, wer ihnen gefährlich ist und wer nicht... An Maschinen und "normale" Jogger mit Hund im direkten Umfeld, die auf den Wegen bleiben, stören sich Jäger mehr als das Wild. Sie können das gut einschätzen und zeigen eine geringe Fluchtdistanz. Niemand sieht mehr Wild als Harvesterfahrer in der Rhön.. Hirsche laufen hinterher und schälen die Gipfel... Gewusst wie!

Insider, Donnerstag, 15.März, 07:27 Uhr

9. Völlig daneben

Volksverdummung ist noch ein milder Ausbruck für die Argumente des Herrn Schreder vom Jagdverband. Würde die Mehrzahl der Jäger einfach mal Jagen und so ihrem gesetztlichen Auftrag gerecht werden, hätten wir weniger Rehe, damit weniger Wildwechsel, weniger Unfälle und weniger Verletzte.

Alexander Böckl, Mittwoch, 14.März, 20:23 Uhr

8. wuidi | Die Nr. 1 Wildwarner

Eine gute Alternative zur Vermeidung von Wildunfällen & effizienten Abwicklung für Autofahrer und Jäger ist die Initiative wuidi | Die Nr. 1 Wildwarner. Die Wildwarner App kann man sich kostenlos für iOS oder Android herunterladen. Einfach mal ausprobieren.

L. Lutz, Dienstag, 13.März, 13:33 Uhr

7. Steigende Wildunfllzahlen

Es gibt wohl mehrere Ursachen für steigende Unfälle mit Wild. Zunehmende Störungen - Tag Und Nacht - durch unser Freizeitverhalten, ein höheres Verkehrsaufkommen, mehr Straßen? etc. könnten Ursachen dafür sein. Aber wir haben auch mit stetig steigenden Wildbeständen - bei abnehmenden Lebensraum - zu tun. Wir hatten selten so hohe Wildstände - in nichtstaatlichen Wäldern - wie heutzutage in Deutschland. Bezüglich der Wirksamkeit von sogenannten (Wild)Reflektoren gibt es mehre Untersuchen - besser gesagt Schätzungen -. Je nach Auftraggeber gibt es auch diesbezügliche unterschiedliche Ergebnisse, von gut wirksam bis die Wirkung ist eher esoterischer Art. Letztere Aussage - Wirkungslos - trifft zu. Alle neutral angelegten entsprechenden Untersuchungen In Frankreich, Österreich, der Schweiz, in Deutschland, die ich kenne, komme zu dem Schluss, die Reflektoren führen zu keinem signifikanten Rückgang von Wildunfallzahlen.

SeppBlack, Dienstag, 13.März, 13:23 Uhr

6. Gibt's da nur einen Grund dafür?

Ich denke, da kommen mehrere Sachen zusammen:
-Immer mehr Individualverkehr
-Flächenversiegelung und einhergehend Verlust von Lebensraum für das Wild,
-Flurbereinigungen und somit immer größere Feldflächen ohne Büsche, Brachstreifen oder Bäume, ohne Versteck- und Äsungsmöglichkeiten für das Wild,
-Uneinsichtige Jogger, Spaziergänger, Radfahrer und Hundebesitzer die mitten durch den Wald Laufen und Fahren und somit das Wild aufschrecken.
-Zudem werden auch immer mehr Straßen gebaut (z.B. B15 neu), die den Lebensraum des Wildes beeinflussen.
-Ob der Wildbestand erhöht ist, kann ich nicht einschätzen. Könnte aber ein Grund von vielen sein

Tempo 80 schön und gut - aber da bekämpft man allerhöchstens die Symptome und nicht die Ursachen für diese Entwicklung! Und das ist die grundfalsche Herangehensweise m.E.. Aber da fährt man lieber freiwillig 80 und hat ein sauberes / grünes Gewissen, statt sich mit den tatsächlichen Ursachen abzugeben.

In diesem Sinne

Waidmannsheil