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Scientology-Zentrale in München
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Markus Kaiser
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Scientology-Zentrale in München

Ähnlich wie die Volkskirchen verliert Scientology Mitglieder: Verfassungsschützer gehen von nur bis zu 4.000 Personen in ganz Deutschland aus, davon 1.200 in Bayern. Doch der Fall eines Scientologen, der über 22 Jahre hinweg im Münchner Haus der Kunst tätig war, lässt Politiker wieder über die Organisation diskutieren. Seit 1996 müssen Bewerber für den öffentlichen Dienst Angaben zu einer Scientology-Mitgliedschaft machen, der Mitarbeiter beim Haus der Kunst wurde davor eingestellt.

Strategie der Unterwanderung

Die Bayern-SPD warnt in diesem Zusammenhang vor Unterwanderung. Zwar finden kunstbeflissene Beobachter inhaltlich nichts Verdächtiges am Haus der Kunst. Doch Professor Michael Utsch bestätigt, dass der Kulturbetrieb für Scientology besonders interessant sei.

"Scientology richtet sich gezielt an Künstler oder Schauspieler weil das Projektionsfiguren sind, die durch ihr Werk eine bestimmte Lebensphilosophie vertreten." Professor Michael Utsch, Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin

Axel Seegers, Sektenbeauftragter der Erzdiözese München und Freising, beobachtet in der öffentlichen Wahrnehmung von Scientology einen „Gewöhnungseffekt“ seit den 90er-Jahren. Die Organisation sei aktiv wie eh und je, beliefere zum Beispiel gezielt Religionslehrer mit Info-Material und betreibe Kampagnen zum Beispiel gegen Drogenmissbrauch.

Verfassungsfeindliche Intention

Keine Religion, sondern ein knallharter Wirtschaftskonzern mit totalitärer Struktur und verfassungsfeindlicher Intention – so stuft das Landesamt für Verfassungsschutz die Organisation in Bayern nach wie vor ein. Der Verfassungsschutz hierzulande setzt die Beobachtung fort. Auch wenn in anderen Bundesländern inzwischen davon abgesehen wurde. Gegen das Haus der Kunst in München wird weiter ermittelt.

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Markus Kaiser

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kulturWelt vom 16.03.2017 - 01:00 Uhr