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Die Geburt des geeinten Deutschlands | BR24

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Der deutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher (r) und sein DDR Premierminister Lothar de Maiziere (l) während der Unterzeichnung des "Zwei-plus-Vier-Vertrages"

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    Die Geburt des geeinten Deutschlands

    Im sogenannten "Zwei-plus-Vier Vertrag" haben sich die Bundesrepublik und die DDR mit den vier alliierten Mächten - USA, Großbritannien, Frankreich und die damalige Sowjetunion auf die Details der Einheit geeinigt. Von Johannes Reichart

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    "Guten Abend meine Damen und Herren, 45 Jahre nach Kriegsende ist der Weg Deutschlands in die Einheit und zur vollen Souveränität seit heute frei und besiegelt." Tageschau, 12.09.1990

    Es ist der 12. September 1990 als die Nachrichtensprecherin Eva Herman von der historischen Unterzeichnung in Moskau berichtet.

    Ein Tag, der in die Geschichte einging. Die vier alliierten Mächte gaben Deutschland seine volle Souveränität zurück. Der Weg zur Wiedervereinigung war damit frei. Dementsprechend pathetisch trat Außenminister Hans-Dietrich Genscher vor die Mikrofone:

    "Es schließt sich der Kreis, Deutsche haben in einer Demokratie zum letzten Mal im Januar 1933 zusammengelebt und jetzt werden wir am 3. Oktober wieder einen demokratischen Staat für alle Deutschen haben." Außenminister Hans-Dietrich Genscher

    Mit dem 2+4-Vertrag bekannte sich Deutschland auch nach der Wiedervereinigung zu den bisherigen Landesgrenzen, besonders die Oder-Neiße-Grenze war bis dato umstritten. Gleichzeitig wurde die Armeestärke der Bundesrepublik von 500.000 auf 370.000 Mann reduziert. Und: alle verbliebenen ausländischen Truppen, vor allem die der Sowjetunion, mussten Deutschland verlassen. Ein Streitpunkt der Verhandlungen in Moskau war die freie Bündniswahl Deutschlands.

    Sowjetunion gegen NATO-Mitgliedschaft

    Die Sowjetunion unter Präsident Michael Gorbatschow hatte Vorbehalte gegenüber einem wiedervereinigten Deutschland als NATO-Land. Doch der Widerstand war zwecklos, zu schnell näherten sich die Politiker der Bundesrepublik und der DDR an. Der damalige außenpolitische Berater von Bundeskanzler Kohl, Horst Teltschik, der an vielen Gesprächen/Verhandlungen beteiligt war, erinnert sich:

    "Ich weiß von einem ehemaligen Politbüro Mitglied aus Moskau, der mir einmal gesagt hat, die Entscheidungen innerhalb der Bundesregierung und dem Westen sind so schnell aufeinander gefolgt, dass die Thinktanks in Moskau nicht die Zeit hatten, die jeweiligen Schritte zu analysieren und zu bewerten und dann kam schon die nächste Entscheidung. Ich hab mir damals gedacht zum Glück war das so." Horst Teltschik

    Auch im Westen gab es Vorbehalte gegenüber einem souveränen deutschen Staat. Die britische Premierministerin Margaret Thatcher beäugte die Wiedervereinigung bis zuletzt kritisch und versuchte, das 2+4-Abkommen zu verzögern.

    "Sie ist ja mal soweit gegangen, dass sie in einem Meeting, nicht mit uns sondern in England, gesagt hat: 'Deutschland war gut für zwei Weltkriege, Deutschland ist auch gut für einen dritten Weltkrieg.' Ihr Außenminister Douglas Shirt war positiv und am Ende hat sich das in Wohlgefallen aufgelöst." Horst Teltschik

    Kein Friedensvertrag

    Dass der 2+4-Vertrag damals nicht offiziell "Friedensvertrag" genannt wurde, war übrigens kein Zufall. Denn mit einem offiziellen "Friedensvertrag" wären alte Forderungen aus dem 2. Weltkrieg wieder aufgerollt geworden, erklärt Horst Teltschik.

    "Jetzt können Sie sich vorstellen, was das im Ergebnis gewesen wäre, mit über 50 Staaten einzelne Verhandlungen zu führen, nicht? Und bei einer Vielzahl wäre die Frage nach Reparationen hochgekommen, nicht? Das wollte die Bundesregierung von Anfang an verhindern." Horst Teltschik

    Ob Friedensvertrag oder nicht. Am Ende hat der 2+4-Vertrag dazu beigetragen, dass die einstigen Erzfeinde USA und die Sowjetunion aufeinander zugingen und Zeuge einer friedlichen Revolution in Deutschland wurden.