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Angst vor dem Designer-Baby

Dürfen Forscher das Genmaterial menschlicher Embryonen verändern? Das ist in Deutschland verboten. Das Verbot ist umstritten. Der deutsche Ethikrat berät deshalb über diese Frage. Anlass ist eine neue Gen-Bearbeitungsmethode. Von Gregor Schmalzried

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Der Name klingt wie ein Schokoriegel, bezeichnet aber eine wissenschaftliche Revolution: CRISPR/Cas , eine neue Methode zum Bearbeiten von Genmaterial, hat die Fachwelt im Sturm erobert. 2012 erstmals präsentiert, ist sie schon heute aus vielen Labors nicht mehr wegzudenken.

Eine neue Art der Gentechnik

Im Gegensatz zur klassischen Gentechnik werden bei CRISPR/Cas keine Gene in die Zelle eingefügt, sondern die vorhandenen wie chirurgisch bearbeitet. Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen endlos. Von schädlingsresistentem Getreide bis zu einer HIV-Impfung arbeiten Forscher weltweit an den verschiedensten Projekten, die CRISPR/Cas ermöglicht. Und doch tun sich Grenzen auf: Wenn es darum geht, die Methode an menschlichen Embryonen auszuprobieren.

Kommt das Designer-Baby?

Doch auch mögliche Folgereaktionen machen zu schaffen. Denn wie weit sind wir von einer Welt entfernt, in der Eltern ihr Kind nicht nur von genetischen Defekten heilen, sondern gleich mit allen Eigenschaften und Talenten selbst zusammenstellen können? Martin Lohse vom Berliner Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin gibt Entwarnung zumindest teilweise: Die Haarfarbe etwa könne man beeinflussen – bei der Intelligenz werde es schon schwieriger.

"Wenn ich unbedingt blonde Kinder haben möchte, wird das wahrscheinlich machbar sein. Aber sobald es um komplexere Eigenschaften geht wie Intelligenz oder Sportlichkeit, ist der Zusammenhang zwischen den Genen und dem, was aus einem Menschen wird, schlicht zu vage." Martin Lohse, Max-Delbrück Centrum für Molekulare Medizin Berlin

Nun wird diskutiert: Wie weit darf die Wissenschaft gehen? Über diese Frage berät der deutsche Ethikrat heute in Berlin. Konkret geht es um den ethischen Stellenwert eines menschlichen Embryos. Sowohl Kritiker als auch Befürworter von Genversuchen an Embryos halten eine umfassende Debatte über das Thema für längst überfällig.