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Prozess in Hof Combat 18: Training für den bewaffneten Kampf

Die international agierende, rechtsextreme Terrorgruppe "Combat 18" ist wieder in Deutschland aktiv. Vor dem Amtsgericht in Hof mussten sich zwei Rechtsextremisten verantworten. Sie gehören zu einer Gruppe, die der Polizei in Schirnding nach einem Schießtraining ins Netz gegangen war.

Von: Jonas Miller

Stand: 13.03.2018

Combat 18 Mitglied | Bild: picture-alliance/dpa/ Joel Goodman

Im September 2017 griff die GSG9 - eine Spezialeinheit der Bundespolizei - zwölf deutsche Rechtsextremisten an der deutsch-tschechischen Grenze auf. Die Gruppe soll von einem zweitägigen Schießtraining im tschechischen Cheb zurückgekehrt sein. Bei der anschließenden Kontrolle wurde Munition gefunden, ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz wurde eingeleitet. Bei den Personen handelte es sich laut Sicherheitsbehörden um Mitglieder der Gruppe Combat 18 (C18).

Prozess vor dem Amtsgericht Hof

Das Amtsgericht Hof verhandelte gegen zwei Angeklagte wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die beiden aus Hessen stammenden Angeklagten Stanley R. und Tobias V. sollen insgesamt 26 Schuss Munition illegal nach Deutschland eingeführt haben.

Der Vorsitzende Richter verurteilte den mehrfach vorbestraften Stanley R. zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro. Der zweite Angeklagte Tobias V. aus der rechten Szene war nicht zur Verhandlung erschienen und wird nun mit Haftbefehl gesucht.

Aktivitäten in Bayern

In Bayern konzentrieren sich die Combat 18-Strukturen nach BR24-Recherchen hauptsächlich in Franken. So soll es eine C18-Struktur ab Ende der 1990er Jahre in Nürnberg gegeben haben, die konspirativ agierte. Auch hier sind Überschneidungen zum NSU-Kerntrio feststellbar. So war ein mutmaßliches C18-Mitglied mit einer NSU-Helferin liiert. Dieser soll ihr sogar eine Anleitung zum Bombenbau übergeben haben. Nürnberger Neonazis grüßten Anfang der 2000er Jahre über ihr internes Magazin "Landser" immer wieder "Combat  18" und Blood and Honour-Gruppen.

Sicherheitsbehörden warnen vor bewaffnetem Kampf

Das Bundeskriminalamt (BKA) warnte bereits 2011 in einem internen Papier vor einem bewaffneten Kampf durch deutsche Rechtsextremisten. So sei eine "zunehmende Frustration und hohes Aggressionspotenzial" gegenüber politischen Gegnern und staatlichen Stellen wie der Polizei feststellbar.

"Einzelne terroristische Aktionen, u. a. durch selbst radikalisierte Einzeltäter, aber auch die Bildung terroristischer Kleingruppen innerhalb des rechten Spektrums z. B. nach Vorbild des NSU müssen grundsätzlich in Betracht gezogen werden."

Aus einer internen Analyse des Bundeskriminalamtes

Das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz teilte auf BR24-Anfrage mit, dass in Bayern derzeit keine Strukturen von "Combat 18" feststellbar sind. Jedoch erklärte die Bundesregierung Ende 2016, dass eine Gruppierung mit dem Namen "Combat 18" seit 2013 existiert. Deren Mitglieder wohnen demnach im ganzen Bundesgebiet, auch in Bayern.

Terror in ganz Europa

Übersetzt heißt "Combat 18" Kampftruppe Adolf Hitler: Die Zahl 18 steht für AH, den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet. Die Gruppierung  wurde 1992 in England gegründet und gilt als bewaffneter Arm von "Blood and Honour". Propagiert wird ein „führerloser Widerstand“, konspirative und eigenständige C18-Zellen sollen demnach mittels Bombenanschlägen und Exekutionen einen Rassenkrieg auslösen. C18 war vor allem in den 1990er Jahren aktiv und wird für Bombenanschläge, Morde und Mordversuche verantwortlich gemacht.

NSU-Terror erinnert an "Combat 18"-Strategien

Das Vorgehen des rechtsterroristischen Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) erinnert stark an die Idee des bewaffneten Kampfes von Combat 18. So heißt es in einer Terroranleitung der Gruppe, die Kämpfer sollen "Todeslisten" führen, in kleinen Zellen operieren, Nagelbomben gegen Migranten einsetzen und keine Bekennerschreiben hinterlassen.

All diese Komponenten weist auch der NSU auf: Diese führten Listen möglicher Anschlagsziele, verübten einen Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße und bekannten sich nicht zu den Morden. Auch in Dortmund existierte eine Combat 18-Zelle, die sich kurz vor dem NSU-Mord an Mehmet Kubasik wieder aufgelöst haben soll.


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