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Nachwuchssorgen Chirurgenmangel wird akut

Den Chirurgen fehlt der Nachwuchs: Weil viele Ärzte in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen, könnte sich die Versorgungslage in der Chirurgie spürbar verschlechtern. Aber nicht das Fach sei unattraktiv, betont die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie, sondern die Arbeitsbedingungen.

Von: Monika Stiehl

Stand: 16.04.2018

Chirurgen bei einer Operation | Bild: picture-alliance/dpa

Fast 37.000 Ärzte arbeiten in Deutschland derzeit in der Chirurgie. Sie operieren Blinddärme, reparieren Knochenbrüche oder setzen neue Herzklappen ein. Doch schon in zwei Jahren erreichen etwa 11.000 der chirurgischen Ärzte das Rentenalter. Etwa die Hälfte aller niedergelassenen und fast jeder dritte im Krankenhaus tätige Chirurg geht dann in den Ruhestand.

Arbeitsbedingungen schrecken viele Studenten ab

Nach einer Analyse des Wirtschaftsprüfers Price Waterhouse Cooper könnte bis 2030 sogar jeder vierte chirurgische Arbeitsplatz unbesetzt sein. Gleichzeitig wird das Fach im Lauf des Studiums offenbar immer unattraktiver. Während zu Beginn noch 60 Prozent der Studierenden Chirurgen werden wollen, ist die Zahl am Ende des Studiums nur noch einstellig. Gründe sind die strenge Hierarchie, die große Verantwortung bei anfänglich vergleichsweise geringem Gehalt und die familienunfreundlichen, schlecht planbaren Arbeitszeiten.

Universitäten und Krankenhäuser müssten schleunigst gegensteuern, so die Fachgesellschaft. Vor allem die Work-Life-Balance müsse verbessert werden. Auch bei Forschungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten gebe es Luft nach oben. Doch ohne Fachkräfte aus dem Ausland sei die Lücke wohl nicht zu füllen.


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Insiderwissen, Montag, 16.April, 10:54 Uhr

1. Schwarzmalerei oder Unkenntnis?

An deutschen/bayerischen (Universitäts-)kliniken, und davon kann ich sprechen, gibt es ein Arbeitszeitgesetz. Überstunden werden (unkontrolliert) aufgeschrieben und erstattet. Wer nicht zum Dienst eingeteilt ist, kann in der Regel pünktlich nach Hause gehen. Viele Ärzte sind vor mir nachmittags nach Hause gegangen. Wer mit seiner Arbeit von Tag nicht fertig ist, macht bezahlte oder durch Freizeit erstattete Überstunden. Wer Dienst hat, wird zur letzten oder Notfalloperation eingeteilt und geht morgens, nach Übergabe, nach Hause. Ist so Arbeitszeit-Gesetz! Studenten merken natürlich im Laufe des Studiums, dass sie vielleicht mangels manueller Geschicklichkeit nicht zum Chirurgen geschaffen sind. In meiner Abteilung hatten die Ärzte - zu den bezahlten Überstunden - in der Regel pro Jahr noch einmal 6 Wochen Überstunden-Frei zum Urlaub dazu. Also in etwa 12 Wochen/Jahr frei. Kann man nicht von fehlender Work-Life-Balance sprechen. oder? Und das Gehalt ist von Anfang an ansehnlich.