2

Bürgerpreis 2017 Dialog zwischen den Religionen ausgezeichnet

Religionen könnten Frieden stiften, diese Botschaft sollen die Träger des Bürgerpreises 2017 vermitteln. Geehrt wurden Initiativen und Vereine, die sich um das Miteinander der Religionen verdient gemacht haben.

Von: Johannes Reichart

Stand: 19.10.2017

Landtagspräsidentin Barbara Stamm, CSU, zeichnet die Eugen-Biser-Stiftung, vertreten durch Martin Thurner, mit dem Bürgerpreis 2017 aus. | Bild: BR

Musik im Landtag, das gibt es nur bei besonderen Anlässen. Heute spielt die "farykte Kapelle" aus dem oberbayerischen Polling Klezmer und Jazz bei der Verleihung des Bürgerpreises 2017. Besonders Franken hat dieses Mal abgesahnt: vier von sechs Preisen gingen in den Norden Bayerns.

Interreligiöser Gesprächskreis: Reden auch über Unterschiede

Ausgezeichnet wurde etwa der Interreligiöse Gesprächskreis Würzburg, der seit über 20 Jahren zu Diskussionen und Exkursionen einlädt. Der Leiter des Gesprächskreises, Prof. Norbert Klaes erklärt das erfolgreiche Konzept: "Wir haben von Anfang an das so angelegt, dass wir in ganz verschiedenen Gemeinden zu Gast sind." Veranstaltungsorte waren schon Moscheen, Synogogen, verschiedene kirchliche oder studentische Gemeinden. Dabei gehe es nicht darum, Unterschiede zu verschweigen, betont der Gewinner aus Würzburg. Die Kirchengemeinden hätten inzwischen die Angst davor verloren, dass der Gesprächskreis eine Vermischung der Religionen zum Ziel habe. Aber:

"Durch Kommunikation wissen wir, wie die anderen sind. Dadurch verlieren wir die Angst, und die Freundschaft läuft über Gegenseitigkeit."

Norbert Klaes, Leiter des Interreligiösen Gesprächskreises Würzburg.

Weitere Preisträger aus Franken

Auch das Zelt der Religionen aus Bamberg, das interkulturelle Integrationsprojekt der Sinn-Stiftung aus Nürnberg und die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Franken wurden für ihre interreligiösen Projekte geehrt. Ins Gespräch kommen und sich verstehen, das ist in der heutigen Zeit besonders wichtig, sagt die Vorsitzende der Jury, Landtagspräsidentin Barbara Stamm:

"Die ganze Diskussion: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht? Keine Staatsreligion! Ich halte es einfach für wichtig: Dialog, aufeinander zugehen, zuhören, miteinander sich auch zu betätigen und letztlich dann auch die Toleranz füreinander und miteinander auf den Weg zu bringen."

Landtagspräsidentin Barbara Stamm, CSU

Auch die Grünenabgeordnete Kerstin Celina hält den Schwerpunkt auf Religion für angebracht:

"Ich finde es auch ganz wichtig, dass endlich einmal gesagt wurde, dass jeder Mensch sich nicht nur durch seine Religion definiert, aber auch durch seine Religion. Und diese interreligiösen Gesprächskreise führen dazu, dass Menschen sich miteinander unterhalten. Wo haben wir Gemeinsamkeiten, auch durch unsere Religion bedingt."

Landtagsabgeordnete Kerstin Celina, Bündnis90/Grüne

Zielgruppe Schüler: Erster Preis an Eugen-Biser-Stiftung

Erster Sieger war in diesem Jahr die Eugen-Biser-Stiftung. Die Stiftung benannt nach dem Theologen und Philosophen Eugen Biser setzt sich seit Jahren für den Dialog zwischen den Religionen ein: sie organisiert interreligiöse Projekttage für Schüler und Lehrer, verfasst Bücher zum Dialog zwischen Christentum, Judentum und Islam und hält Workshops für muslimische und christliche Jugendverbände.

"Es ist eine Freude, dass wir vom bayerischen Landtag ausgewählt wurden, zum einen natürlich wegen des Preisgeldes, wo wir noch mal tätig werden können in unserem Bereich, gerade schwerpunktmäßig für die Schulen. Das ist natürlich eine tolle Chance hier in Bayern für die Fragen des gesellschaftlichen Zusammenhalts der Religionen was beitragen zu können."

Stefan Zinsmeister, Eugen-Biser-Stiftung

Sonderpreis an Freunde Abrahams

Interreligiöses Friedensgebet in München

Außerdem gab es in diesem Jahr einen Sonderpreis. Dieser ging an den Verein Freunde Abrahams aus München. Die Ehrenamtlichen des Vereins organisieren Friedensgebete, Begegnungsreisen und Seminare über Judentum, Christentum und den Islam. Frieden basierend auf den gleichen religiösen Wurzeln, das kann gehen, ist Stefan Wimmer vom Verein der Freunde Abrahams überzeugt:

"Abraham ist eine Figur, die sich als Integrationsfigur sehr gut eignet, weil die drei Religionen sich ja alle auf ihn berufen, aber jeder auf eigene Weise. Juden, Christen und Muslime verstehen etwas anderes unter Abraham. Und das macht es sehr spannend, weil es nicht darum geht, dass wir alle das Gleiche glauben und Religionen einebnen wollen und gleichmachen wollen, sondern dass wir unsere Gemeinsamkeiten das Viele, was uns verbindet entdecken wollen, aber auch lernen wollen, mit den Unterschieden umzugehen."

Stefan Wimmer, Verein der Freunde Abrahams

104 Organisationen hatten sich beworben, darunter auch atheistische Initiativen. Die sechs Gewinner teilen sich ein Preisgeld von insgesamt 50.000 Euro.


2