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BDI hofft auf Übergangsphase Brexit: Unternehmen sind nervös

Lange Schlangen bei der Güterabfertigung an den Grenzen, mögliche Produktionsverlagerungen: Die deutsche Industrie fürchtet den bevorstehenden Brexit im März nächsten Jahres. Und hofft darauf, dass der EU-Gipfel nächste Woche zumindest eine Übergangsphase beschließt.

Von: Katrin Schirner

Stand: 13.03.2018

ARCHIV - ILLUSTRATION - 23.04.2010, Hamburg: Lastwagen warten im Zollamt Waltershof im Hafen von Hamburg auf ihre Abfertigung. (zu dpa «Brexit: BDI fürchtet Wiedereinführung von Zollabfertigungen» vom 11.03.2018) Foto: Fabian Bimmer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ | Bild: dpa-Bildfunk/Fabian Bimmer

Der Bundesverband der deutschen Industrie, BDI, hofft inständig, dass die EU Staats- und Regierungschefs einer Übergangsphase bis Ende 2020 grünes Licht geben werden. Ansonsten müssten einige der deutschen Unternehmen sofort beginnen, Notfallpläne zu aktivieren. Wenn zum Beispiel ein in Großbritannien hergestelltes Produkt im Gesamtkonzern gebraucht wird, könnten komplette Produktionsverlagerungen nötig werden. Da sei ein Jahr Vorlauf das Minimum an Vorbereitungszeit, so der BDI.

Investitionen in Großbritannien brechen ein

Schon jetzt halten sich die Unternehmen in Großbritannien stark zurück: Die ausländischen Direkt-Investitionen sind zwischen 2016 und 2017 um neunzig Prozent eingebrochen. Die Unternehmen fürchten, dass es zu langwierigen Güterabfertigungen an den Grenzübergängen kommen wird.  Dringend benötigte zusätzliche Zöllner müssten bereits jetzt ausgebildet werden. Für die Briten könnten lange Wartezeiten beim Zoll sogar zu Engpässen bei der täglichen Versorgung führen. Denn Großbritannien führt viele frische Lebensmittel aus der EU ein.

Freihandelsabkommen noch in weiter Ferne

Wenn nächste Woche eine Übergangsphase beschlossen wird – im Gespräch ist ein Zeitraum bis Ende 2020 – wäre das aber nach Ansicht des Industrieverbandes nur ein kleiner Aufschub. Ein späteres Handelsabkommen dürfte kaum innerhalb dieses Zeitfensters zu verhandeln sein. In der britischen Öffentlichkeit kursiert immer wieder die Annahme, die deutsche Automobilindustrie werde Druck auf die Politik ausüben, um Sonderkonditionen für Großbritannien herauszuschlagen. Dem erteilt der BDI eine klare Absage. Der deutschen Industrie sei der Zusammenhalt des europäischen Binnenmarktes wichtiger als der Handel mit Großbritannien.


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