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Dünger, Pestizide, Erdreich Viele bayerische Flüsse und Bäche bedroht

Im Vergleich zum restlichen Bundesgebiet sind bayerische Flüsse und Bäche zwar in einem etwas besseren ökologischen Zustand. Dennoch gelten nur 15 Prozent der Fließgewässer in Bayern als sehr gut oder gut. Fast 85 Prozent sind dagegen in einem mäßigen, unbefriedigenden bis schlechten Zustand.

Von: Julia Zöller

Stand: 03.04.2018

Die Wertach fließt durch Augsburg (Bayern). Im Rahmen des Hochwasserschutzes wurde der Fluss im Stadtgebiet von Augsburg weitgehend renaturiert.  | Bild: picture-alliance/dpa

Wer das typische Schicksal eines bayerischen Flusses sehen will – muss nur auf die Illerbrücke nach Sonthofen gehen. Beim Blick Richtung Bergpanorama sieht die Iller ganz gesund aus: ein flaches Ufer, Gehölze, im Fluss hat sich eine Kiesbank gebildet. Doch genau an der Brücke endet die Renaturierung. Flussabwärts sind die Ufer steil, die Iller stangerlgrad. Ein typisches bayerisches Fluss-Schicksal, sagt Albert Göttle.

"Sie wurde gestreckt in ihrem Lauf, sie hat Ihre Aue verloren, die Seitenbäche wurden reguliert, die Einzugsgebiete wurden stabilisiert, vieles von dem Kies, was früher zur Iller den Weg gefunden hat, ist verloren gegangen."

Prof. Albert Göttle, Präsident Bayerischer Landesfischereiverband.

Nur rund 15 Prozent der Fließgewässer in gutem bis sehr gutem Zustand

Und mit dem Kies, den Kurven, den Pflanzen gehen auch die Fische verloren, sie finden keinen Platz zum Laichen und verstecken. Das zeigen auch die Zahlen. Nur rund 15 Prozent der Flüsse und Bäche in Bayern sind in einem guten bis sehr guten ökologischen Zustand. Das bedeutet: Hier gedeihen Wasserpflanzen, Fische, aber auch Insektenlarven. 85 Prozent dagegen bekommen die Bewertung: mäßig, unbefriedigend bis schlecht. Die Einteilung in die unterschiedlichen Kategorien gilt EU-weit. Die Zahlen aus Bayern entstammen der Broschüre "Gewässer in Bayern" aus dem Jahr 2017, auf sie hat sich auf BR-Nachfrage heute das Bayerische Landesamt für Umwelt berufen.

Infografik: Schlechte Ökobilanz für Bayerns Flüsse

Schlechte Gewässer-Qualität in Niederbayern

Auch wenn der Zustand der Iller besser sein könnte – Rosi Steinberger wäre froh darüber. Die Grünen-Abgeordnete kommt aus Niederbayern, wo die Böden wesentlich intensiver landwirtschaftlich genutzt werden.

"Wo wir besonders schlechte Wasser-Qualität haben ist hier in Niederbayern. Gerade der Raum Landshut südlich der Donau, da sind die meisten Flüsse und Bäche in einem schlechten Zustand. Da macht sich der Einfluss der Landwirtschaft  bemerkbar. Hier wird hochindustrialisiert Landwirtschaft betrieben. Hier haben wir einen großen Eintrag von Dünger und Pestiziden in die Gewässer."

Rosi Steinberger, Landtags-Abgeordnete der Grünen

Forderung nach Gewässer-Randstreifen

Nicht nur Pestizide, auch Erdreich gelangt in die Bäche - den Fischen und Kleintieren fehlt der lockere Kies. Schon seit Jahren fordern die Grünen wie auch die bayerischen Fischer deshalb Gewässer-Randstreifen. Die Bauern sollen ihre Felder nicht mehr bis zum Ufer der Flüsse und Bäche bewirtschaften, sondern mindestens fünf Meter Abstand halten. In anderen Bundesländern sind Gewässer-Randstreifen Pflicht. Bayern setzt auf freiwilligen Umweltschutz, finanzielle Anreize und Wasserberater.

Besser als der bundesdeutsche Schnitt

Die Gewässer-Qualität bayerischer Flüsse ist in den vergangenen Jahren deutlich besser geworden; aber das reicht nicht, damit ein Fluss auch als ökologisch „gesund“ eingestuft wird. Das Bayerische Landesamt für Umwelt verweist darauf, dass bayerische Flüsse und Seen ökologisch gesünder sind als der bundesweite Schnitt. Gestern war bekannt geworden, dass bundesweit nicht einmal sieben Prozent der deutschen Flüsse ökologisch intakt sind. Bayern investiert zudem noch bis 2021 insgesamt 1,2 Milliarden Euro in die Verbesserung der Gewässer-Qualität. Das bayerische Umweltministerium erklärt:

"Zu den wichtigsten anstehenden Aufgaben gehören Strukturverbesserungen in den Oberflächen-Gewässern inklusive der Ufer- und Auenbereiche, die Herstellung der biologischen Durchgängigkeit von Fließgewässern, aber auch eine weitere Reduzierung des Eintrags von Nährstoffen in die Gewässer. Der Schutz der Gewässer ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Der Freistaat setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, auch der Landwirtschaft."

Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz

Ziel müsse Schutz der Flusslandschaften sein

Doch wenn so viel Geld in die Hand genommen wird, muss genau untersucht werden, wo die Mittel sinnvoll eingesetzt sind, sagt der Biologe Professor Jürgen Geist von der TU München.

"Von daher plädiere ich eher dafür, dass wir stark priorisieren. Wo haben wir noch die wenigen Refugien für die besonderen charakteristischen Arten, die wir hier in Bayern haben. Und dort sollte man dann besonders stark investieren."

Prof. Jürgen Geist, Lehrstuhl für Aquatische Systembiologie TU München

Erster Schritt müsse deshalb sein, die wenigen natürlichen Flusslandschaften in Bayern zu schützen.


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Michael, Mittwoch, 04.April, 11:07 Uhr

13. Immer wieder dieses GRÜNEN-Bashing ... was soll das?!

@ Berger : Die Untersuchung zur Qualität der Gewässer in Bayern stammt nicht von den GRÜNEN sondern vom Bayerischen Landesamt für Umwelt - einer Behörde, die im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung tätig ist ... und wenn ich mich nicht ganz schwer täusche, dann besteht die Staatsregierung zum überwiegenden Teil aus Mitgliedern der CSU. Hier geht es nicht um Panikmache der GRÜNEN oder der LINKEN PRESSE, hier geht es um ernstzunehmende Tatsachen !!!

Apropos Fische im Chiemsee: Kann es sein, dass die Fische immer weniger Nahrung im Chiemsee vorfinden? Ich dachte immer, dass sich Fische von Mikroorganismen im Wasser ernähren - die ja bekanntlich ganz besonders unter den Giften aus der industriellen Landwirtschaft leiden ...

FranzX, Mittwoch, 04.April, 10:31 Uhr

12. Wasser

Unsere Gewässer und unser Trinkwasser sind seit Jahrzehnten der Regierung egal. Kommunal wie Staatsregierung. Biogasanlagen dürfen nahe Fließgewässer gebaut werden, und wenn dann mal was ausläuft und der Bach verseucht ist, war ein Stromausfall oder irgend etwas anderes schuld.
Da fehlt es bereits an den Bauvorschriften und Genehmigungen. Gilt natürlich für alle Art von betrieben nahe Gewässer.
Fall aus meinem Landkreis: Ein Schweinestall wird direkt neben einem Fluss in lokal bekanntem Hochwassergebiet errichtet. Gemeinde lehnte den Bauantrag ab und Landkreis stimmte zu. Der stall wurde noch bereits während des Rohbaus einmal überflutet.
So arbeiten unsere Behörden. Man denkt fast ohne Hirn.
Danach wundert man sich, wenn alles verseucht wird.

  • Antwort von Gewerbesteuer ist nicht alles, Mittwoch, 04.April, 11:36 Uhr

    Mich würde da auch interessieren: Werden Gemeinde und Kreis von unterschiedlichen Parteien regiert? Oder hat diese Gemeinde einmal einen guten Gemeinderat erwischt?

Berger, Mittwoch, 04.April, 09:46 Uhr

11. Viele bayerische Flüsse und Bäche bedroht

Nichts als Panikmache der Grünen. Den Menschen in den Städten kann man das erzählen und die glauben es auch noch. So fängt man Wählerstimmen. Für die überwiegend Linke Presse in der BRD ist der Bericht ein gefundenes Fressen. Der Chiemsee z.B. ist zu sauber für die darin lebenden Fische. Pestizide in den Flüssen: Jedes Bio aus fernen Ländern ist mit mehr Schadstoffen belastet als unsere Gewässer. Ich wünsche guten Appetit.

websaurier, Mittwoch, 04.April, 08:24 Uhr

10. Alles absehbar...


Nachdem unsere Flure ja seit Jahren mit diversen Giften vollgepumpt werden; Danke Landwirte!; ist es nur konsequent, dass der Dreck früher oder später in den Flüssen landet...
Somit sind in absehbarer Zeit nicht nur "unsere" Felder und Wiesen als Sondermüll zu betrachten, sondern die Gewässer gleich mit dazu !
Klasse Leistung !!!

  • Antwort von AS, Mittwoch, 04.April, 10:21 Uhr

    Nicht nur die Argarindustrie, auch wir, die wir auf Teufel komm raus Plastik konsummieren, sind an den heutigen Zuständen beteiligt!
    Ich erschrecke immer wie unsere Landschaft generell vermüllt, Deutschland wird immer dreckiger, nicht nur in den Städten! Müll wohin man schaut! Autobahnzubringer sind zum Teil ein Graus!
    Und wen störts?
    Wir haben Politiker und einen Bauernverband, der ausschließlich für die (Chemie-)Konzerne arbeitet und trotzdem wurden die gleichen Parteien wieder gewählt!
    Was soll sich also ändern?
    Warum wird Mikropalstik und Plastiktüten in D nicht verboten? Lobbyarbeit dank Merkel und Co.
    Wer spricht noch über Glyphosat? Der Aufschrei war mal kurz da, als die Molkereien gemerkt haben, dass Verbraucher ihre Produkte nicht mehr kaufen. Und dieses Gift wird nun munter weiter eingesetzt und der dumme Konsument hält wieder seinen Mund! Hier müßte sich der Konsument weiter dafür einsetzen, bis Glyphosat endlich verboten wird. Schade, geht in D irgendwie nicht!

  • Antwort von Didier, Mittwoch, 04.April, 11:06 Uhr

    @ AS: Nein, "der dumme Konsument" hält nicht seinen Mund, sondern sieht zu, daß er möglichst oft in Urlaub fahren oder fliegen kann, dafür muss Menschenfutter billig sein und das billige Menschenfutter kauft er beim Discounter. Da müsste man also die Gedanken des "dummen Konsumenten" erstmal dahin bringen, daß man eben nicht alles haben kann: Heile Umwelt und grenzenlosen Konsum von allem, was ihm die Propaganda, pardon, Werbung, vor die Sinne hält. Vielleicht ist "der dumme Konsument" ganz gerne ein Rädchen im Industriegetriebe. Er bildet sich dort dann ein, daß es ganz bequem sei. Nein, ich weiß, daß er es nicht bequem findet, denn er denkt "Wenn ich endlich wieder in Urlaub fahre oder fliege, lasse ich mich bauchpinseln für ein, zwei Wochen". Er denkt also höchstens zwischen zwei Polen. Oder er lässt sich beim nächsten Sportereignis das Gemüt derart aufwühlen, daß ihm vernünftiges denken und handeln völlig egal sind, Hauptsache man ist in irgendeinem Rausch.

Earl of Trudering, Mittwoch, 04.April, 07:53 Uhr

9. Dünger, Pestizide und Plastikmüll.

Alls in allem viele richtige Kommentare. So wie es mit den Flüssen aussieht steht es auch mit dem Wald aus. Sieht man sich das Donautal an wird man feststellen das es gewaltig zu betoniert wird. Zur Zeit wir dieser abnormale Verkehrsfluss auf der A3 durch eine dritte Fahrbahn noch vergrößert. Wenn wir etwas tun wollen müssen wir unser Konsumverhalten ändern, heute also kein Auto benutzen morgen nicht in den Badeurlaub fliegen oder auch kein Plastik kaufen.
Wir schaffen uns.