Blick auf den Eichstätter Dom vom Kreuzgang aus.
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Bistum Eichstätt - Bischof Hanke gesteht einen falschen Umgang mit dem mutmaßlichen Täter ein.

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    Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Eichstätt

    Zwischenbericht zu Missbrauch im Bistum Eichstätt

    Die Unabhängige Aufarbeitungskommission Eichstätt (UAK) hat einen Bericht zum Fall eines Priesters veröffentlicht, der in den 1960er-Jahren minderjährige Mädchen missbraucht haben soll. Der Mann wurde anscheinend schon im Priesterseminar auffällig.

    Im Fall eines inzwischen verstorbenen Priesters aus dem Bistum Eichstätt, dem sexueller Missbrauch an minderjährigen Mädchen vorgeworfen wird, hat die Unabhängige Aufarbeitungskommission Eichstätt einen Zwischenbericht veröffentlicht. Demnach fiel der Priester schon im Priesterseminar durch Distanzlosigkeit gegenüber Frauen auf. Außerdem wurde bekannt, dass der Priester auch im Ruhestand in einem Seniorenheim in Schwabach übergriffig gegenüber Mitarbeiterinnen und Bewohnerinnen geworden sein soll.

    Priester setzte sich ins Ausland ab - im Dienst der Kirche

    Der Bericht wirft ein negatives Licht auf Alois Brems, der von 1968 bis 1983 Bischof von Eichstätt war. Der Bischof war demnach nicht nur über den Verdacht gegen den Priester informiert, er half dem Geistlichen auch dabei, sich dem Zugriff der Polizei zu entziehen. Unter Brems' Schutz ging der beschuldigte Priester 1969 zunächst nach Afrika, später nach Lateinamerika, wo er als Seelsorger tätig war. "Es liegt ein großer Schatten auf dem bislang lichten Bild des Bischofs Alois Brems", so der jetzige Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke.

    Zurück in Deutschland: Weitere 20 Jahre Arbeit als Seelsorger

    Wie eine Studie der Kölner Rechtsanwältin Bettina Janssen im Auftrag der Bischofskonferenz kürzlich gezeigt hat, wurden immer wieder Priester, die sexuellen Missbrauch begangen hatten, über kirchliche Hilfswerke ins Ausland geschickt. Erst 1984 kam der Eichstätter Priester nach Deutschland zurück und war unbehelligt durch Strafverfolgung zunächst in der Erzdiözese München und Freising in der Pfarrei in Garching a.d. Alz und dann wieder im Bistum Eichstätt eingesetzt, bis er 2005 in den Ruhestand ging. 2016 starb der mutmaßliche Missbrauchstäter.

    Bischof Hanke gesteht persönliche Fehler bezüglich des Falls ein

    Bischof Hanke hatte 2010 von den Verdachtsfällen erfahren und damals nicht adäquat reagiert, wie er rückblickend im Interview mit dem BR einräumt. Er sei nicht davon ausgegangen, dass von einem mutmaßlichen Täter in hohem Alter noch Gefahr ausgehe, diesen Fehler bedauere er. Als der Priester von Schwabach in das Erzbistum Bamberg umzog, habe man das Erzbistum nicht "über die verbrecherische Vergangenheit des Priesters informiert", teilte das Bistum Eichstätt mit. Bischof Hanke sagte dem BR: "Ich bin vor allem mit Blick auf die Betroffenen zutiefst erschüttert, über das Ausmaß des Leids, das ihnen zugefügt wurde."

    Keine Informationsweitergabe zwischen Bistümern

    Ein Makel liege im System der Personalakten: "Das ist in der Tat ein Fehler und entspricht nicht den Standards", räumt Bischof Gregor Maria Hanke gegenüber dem BR ein. Man müsse "der Sache noch nachgehen", so Hanke. "Das Hauptproblem ist die kirchliche Personalaktenführung, die von einer großen Unübersichtlichkeit und Unordnung gekennzeichnet ist." Zugleich stellt der Bischof klar: "Wir müssen dringend dieses Chaos aufarbeiten." Es gebe klare Richtlinien der Deutschen Bischofskonferenz, die man nun umsetze.

    Auf Bitte des Bistums haben sich Betroffene gemeldet

    Aus dem Zwischenbericht der Kommission geht hervor, dass es sich um insgesamt zehn Verdachtsfälle aus den 1960er Jahren handelt. Man gehe außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus, so Bistumssprecherin Pia Dyckmans gegenüber der Nachrichtenagentur KNA. "Ich hab' es als meine Hauptaufgabe angenommen, das Unrecht aufzudecken und den Betroffenen Gerechtigkeit zukommen zu lassen", sagt Peter Grimm, Vorsitzender der UAK Eichstätt. Deswegen bitte er mögliche Betroffene, sich zu melden. "Um nicht nur den Fall weiter aufzuklären, sondern vor allem, um ihnen beizustehen." Die Aufarbeitung in Schwabach laufe noch. Seit der Bitte um Meldung seien auch schon Fälle eingegangen, wie viele es sind, dazu macht das Bistum keine Angaben.

    Rechtsgutachten zum Eichstätter Missbrauchsverdacht geplant

    Im nächsten Schritt wird die UAK Eichstätt ein Rechtsgutachten in Auftrag geben, das sowohl eine strafrechtliche als auch kirchenrechtliche Untersuchung des Sachverhalts leisten soll. Bestandteil des Gutachtens wird das Verhalten der Verantwortlichen sein. Zentraler nächster Schritt zur Aufarbeitung des Falls ist die Recherche weiterer Akten und Dokumente, auch von katholischen Einrichtungen außerhalb der Diözese.

    Mit Material von KNA

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