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Ansbach feiert in 2021 sein 800-jähriges Stadtjubiläum. Auch viele andere Gemeinden, Vereine und dergleichen möchten den Jahrestag ihrer Gründung feiern, so auch das unterfränkische Giebelstadt. Doch wie kann sowas während einer Pandemie aussehen?

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Zwischen virtuellen und realen Feiern: Jubiläen in Corona-Zeiten

Ansbach feiert in 2021 sein 800-jähriges Stadtjubiläum. Auch viele andere Gemeinden, Vereine und dergleichen möchten den Jahrestag ihrer Gründung feiern, so auch das unterfränkische Giebelstadt. Doch wie kann sowas während einer Pandemie aussehen?

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Von
  • Nicolas Eberlein

50, 100 oder auch 800: Runde Jahrestage will man natürlich groß feiern, sei es im Privaten ein Geburtstag oder ein Hochzeitstag oder eben auch zum Beispiel Stadtjubiläen. Oft stecken Jahre der Planung drin, viele Menschen sind dabei involviert, oft ehrenamtlich. Und dann macht einem Corona – wie in vielen Lebenslagen derzeit – einen Strich durch die Rechnung.

800 Jahre Ansbach – coronakonforme Konzepte

Es sollte ein ganz besonderes Jahr werden für Ansbach. Vor 800 Jahren wurde Ansbach zum ersten Mal urkundlich als "civitas" bezeichnet, also als Stadt. Seit zwei Jahren laufen die Planungen zum Stadtjubiläum, eine ganze Reihe von Veranstaltungen waren im Programmkalender geplant. Schaut man aber heute hinein, steht dort bei vielen: abgesagt oder verschoben. Aber nicht bei allen, sagt Nadja Wilhelm von der Stadt Ansbach. "Wir können uns Gott sei Dank jetzt darauf berufen, dass wir im letzten Jahr schon Konzepte coronakonform überlegt haben und das gesamte Jubiläum sehr dezentral und auch digital umsetzen können", so Wilhelm.

Und das ist bereits jetzt im Stadtbild präsent. Busse sind beklebt, die Stadt wird mit Blumen geschmückt, Bäcker- und Metzgertüten sind verteilt. Für die Bürgerinnen und Bürger ist das Jubiläum somit zwar schon sichtbar, meint Nadja Wilhelm, doch müsse man sich aktuell auf den digitalen Weg beschränken.

"Ob im Sommer dann größere Veranstaltungen stattfinden können, dafür sind wir offen. Also wir stehen in den Startlöchern und können uns alles vorstellen." Nadja Wilhelm, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit Stadt Ansbach

Wie genau also auch Präsenz-Feierlichkeiten stattfinden können, ist derzeit noch offen.

1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Vor solchen Überlegungen stehen nicht nur die Ansbacher. Wie soll Würzburg 100 Jahre Mozartfest feiern? Wird auch die Feier zum 100-jährigen Bestehen des Roten Kreuzes ins Internet verlagert? Wie kann das große Jubiläum 1.700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland, zu dem es auch bayernweit ein ganzjähriges Programm gibt, aussehen? Zumindest das Jüdische Museum Franken (JMF) feiert das und das 25-jährige Bestehen des Museums in Schnaittach (Lkr. Nürnberger Land) mit Sonderausstellungen sobald der Lockdown aufgehoben ist, sagt Museumsleiterin Daniela Eisenstein im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Synagogengassenfest im Juni in Schwabach

Im Rahmen dieses großen Jubiläums hält das Museum an den Veranstaltungen bislang fest. Da es sich dabei aber primär um Ausstellungen handelt, ist das mit dem Infektionsschutz einfacher zu vereinen. Im Juni will das JMF aber in Schwabach mit dem Synagogengassenfest "aktuelles jüdisches Leben für einen Tag in der historischen Synagogengasse erlebbar" machen, so Eisenstein. Dabei soll es Workshops, Musik und Essen geben.

Giebelstadt und Eßfeldt: 1.200-Jahrfeier verschoben

Viele Veranstalter solcher Feierlichkeiten stehen derzeit vor dem Problem, wie die Feste in diesem Jahr aussehen können. In den unterfränkischen Gemeinden Giebelstadt und Eßfeldt ist das fast schon ein altbekanntes Problem. Ihre erste urkundliche Erwähnung fand vor 1.200 und einem Jahr statt. Viele Feiern waren bereits im vergangenen Jahr geplant, sagt Mit-Organisatorin Annette Barreca von der Gemeinde Giebelstadt, fast alles wurde abgesagt.

"Es war schon sehr sehr schade. Und natürlich stehen ganz ganz viele Ehrenamtliche und Vereine hinter mir. Wir haben wirklich zwei Jahre lang daran gearbeitet, was auf die Beine zu stellen, schon organisiert, uns Gedanken gemacht, viele viele Treffen gehabt. Und das war mit einem Schlag dann einfach aus." Annette Barreca, Öffentlichkeitsarbeit Giebelstadt

Es sollte eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte werden, am "Markt der Epochen", vom Mittelalter bis zum Wirtschaftswunder. Die vielen ehrenamtlichen Stunden der Planung sollten aber nicht vergebens sein. So wurden die Feierlichkeiten auf 2021 verschoben. Gefeiert werden soll dieses Jahr nun "1.200+1 Jahre Eßfeld und Giebelstadt". Doch Stand heute ist auch das wieder fraglich. Marktstände, ein geplantes Schauspiel, für das alles müsste jetzt schon die Vorarbeit beginnen. Für Annette Barreca ist ein virtueller Ersatz aber nicht vorstellbar.

"Wir sind der Meinung, zum Feiern gehört einfach dieses Beisammensitzen, dieses gemeinsam feiern, da gehört Erleben, Fühlen, Riechen mit dazu. Bei einem Markt muss ich die Mandeln riechen, da muss ich das Essen riechen, ich möchte mich begeistern lassen und das ist virtuell einfach nicht möglich." Annette Barreca, Öffentlichkeitsarbeit Giebelstadt

Was im Sommer oder Herbst 2021 möglich sein wird, lässt sich derzeit noch schwer abschätzen. Planer und Organisatoren wie Annette Barreca stellt die jetzige Situation aber vor große Schwierigkeiten.

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