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Zwieseler Tourismusausschuss empfiehlt FNBW-Austritt | BR24

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Die Mitgliedschaft in der Tourismusgemeinschaft "Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald" sorgt schon seit Jahren für Streit in Zwiesel. Jetzt hat der Zwieseler Tourismusausschuss überraschend den Austritt empfohlen.

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Zwieseler Tourismusausschuss empfiehlt FNBW-Austritt

Die Mitgliedschaft in der Tourismusgemeinschaft "Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald" sorgt schon seit Jahren für Streit in Zwiesel. Jetzt hat der Zwieseler Tourismusausschuss überraschend den Austritt empfohlen.

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In Zwiesel dürfte erneut eine Grundsatz-Debatte um die Tourismusgemeinschaft "Ferienregion Nationalpark Bayerischer Wald" (FNBW) ausbrechen. Grund ist der überraschende Beschluss, den der Tourismusausschuss im Zwieseler Stadtrat am Montag getroffen hat.

Wie Bürgermeister Franz Xaver Steiniger (parteifrei) dem Bayerischen Rundfunk sagte, hat der Ausschuss mit sechs zu drei Stimmen entschieden, dass Zwiesel zum Jahresende 2019 aus der Tourismusgemeinschaft FNBW austreten soll. Das Ganze ist allerdings vorerst nur ein Empfehlungsbeschluss.

Bürgermeister schlägt Workshops für touristische Zukunft vor

Endgültig entscheiden muss darüber der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen. "Wegen der komplexen Thematik" und weil über das Thema bereits in den letzten Jahren viel gestritten wurde, glaubt der Bürgermeister, dass man sich vor einer solchen Plenumssitzung "außerhalb des Protokolls" in Workshops oder ähnlichen Treffen zusammensetzen müsste. Dort müsse geklärt werden, wie es nach einem Austritt in Zwiesel touristisch weitergehen solle.

Übernachtungszahlen in Zwiesel rückläufig

Als Grund, warum das Thema jetzt überhaupt wieder auf die Tagesordnung kommt, nennt Steininger "neue Fakten". So seien die Übernachtungszahlen in Zwiesel rückläufig, während sie im Bayerischen Wald insgesamt und in vielen Orten rundum, sogar innerhalb der Tourismusgemeinschaft, gestiegen seien. Das lastet der Bürgermeister der FNBW an. Zudem gebe es durch die FNBW "Mehrkosten" von rund 40.000 Euro im Jahr, weil die Stadt einen Veranstaltungsmanager einstellen musste.

FNBW seit Jahren Streitthema in Zwiesel

Früher sei die Organisation von Veranstaltungen über das Tourismusbüro miterledigt worden, das inzwischen aber zur FNBW gehört. Zwiesel zahle rund 140.000 Euro Umlage im Jahr an die FNBW, bekomme dafür aber nicht genug Gegenleistungen.

Gegenwind aus dem Stadtrat

Zum überraschenden Empfehlungsbeschluss des Zwieseler Tourismusausschusses, aus der FNBW auszutreten, gibt es schon jetzt heftigen Gegenwind aus dem restlichen Stadtrat. Endgültig über den Austritt entscheiden muss ohnehin der gesamte Stadtrat. Der Ausschuss alleine kann nur etwas empfehlen. Im Gesamtstadtrat sagt zum Beispiel der CSU-Fraktionsführer Herbert Unnasch, er werde einem Austritt keinesfalls zustimmen.

Die FNBW sei "völlig alternativlos" für Zwiesel. Die Stadt könne sich mit ihren nur rund 270.000 jährlichen Übernachtungen gar nicht mehr alleine vermarkten. Im heutigen Tourismusgeschäft brauche man größere Einheiten, um sich zum Beispiel auf Messen und im Marketing zu behaupten.

Mehrkosten für Veranstaltungsmanager habe Steininger selbst verschuldet

Auch Hans-Peter Marx, der Fraktionsführer der Freien Wähler will keinesfalls für den Austritt stimmen. Der angebliche Übernachtungsrückgang in Zwiesel, den der Bürgermeister der FNBW anlastet, liege daran, dass veraltete Häuser die Vermietung aufgegeben haben, es also einen Bettenrückgang gab. Auch die angeblichen Mehrkosten für einen Veranstaltungsmanager, wie sie der Bürgermeister anführt, seien kein Argument. Diese Mehrkosten habe der Bürgermeister selbst verschuldet, weil er verhindert habe, dass die FNBW die Zwieseler Veranstaltungen mitorganisiert.

Kein Konzept nach einem FNBW-Austritt

Auch der Grünen-Stadtrat Jens Schlüter will keinen Austritt der Stadt aus der FNBW. "Es liegt überhaupt kein Konzept für die Zeit nach einem solchen Austritt vor", sagte er dem Bayerischen Rundfunk. Der Bürgermeister kämpfe seit Jahren verbissen gegen die FNBW, habe aber in diesen Jahren keinerlei Pläne vorgelegt, wie es überhaupt ohne die Tourismusgemeinschaft weitergehen soll.

Stadtrat muss gemeinsam über Austritt entscheiden

Der Zwieseler Bürgermeister Franz Xaver Steininger ist ein erklärter Gegner der Tourismusgemeinschaft, in der sich 13 Bayerwaldgemeinden gemeinsam vermarkten. Bisher konnte er sich aber mit seinem Austrittswunsch nicht gegen die Stadtratsmehrheit durchsetzen. Ob Zwiesel nun tatsächlich aus der FNBW austritt, muss der gesamte Stadtrat in einer Plenumssitzung entschieden. Einen Termin dafür gibt es noch nicht.