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Zwetschgenmännla online statt Christkindlesmarkt | BR24

© BR/Tobias Burkert

Jede Menge Zwetschgenmännla müssen in diesem Jahr anders verkauft werden.

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    Zwetschgenmännla online statt Christkindlesmarkt

    Neun Monate basteln, dann kam die Absage: kein Nürnberger Christkindlesmarkt 2020. Für eine Wendelsteiner Familie ein Tiefschlag. In vierter Generation verkaufen sie ihre Zwetschgenmännla jedes Jahr auf dem Markt. Heuer brauchen sie einen Plan B.

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    Die Absage des Nürnberger Christkindlesmarktes Ende Oktober war zwar zu erwarten, Susanne Schrödel bekommt aber immer noch feuchte Augen, wenn sie daran denkt. Eigentlich kann sie es bis heute kaum glauben. Seit fast hundert Jahren stellt ihre Familie die kleinen Figuren her. Doch in diesem Jahr stehen neun Monate Arbeit nun noch immmer in der Garage neben dem Wendelsteiner Reihenhaus: 50 Kisten voller bunter Zwetschgenmännla.

    Kein Verkauf auf dem Christkindlesmarkt

    Eigentlich sollten sie längst auf dem Weg zum Nürnberger Hauptmarkt sein - bereit für den Verkauf an Besucher aus der ganzen Welt. Zwetschgenmännla in den verschiedensten Ausführungen: Mal mit Musikinstrumenten in der Hand, mal in Clubfarben mit Ball am Fuß, mal ganz klassisch mit Tiroler Hut. Sie alle liegen eingewickelt in den Kartons - um die fruchtigen Männla kühl zu halten, stehen sie in der Garage.

    Alternativen müssen her - Fotoshooting für Online-Verkauf

    Aufgeben ist aber keine Option für Susanne Schrödel. Hunderte Zwetschgenmännla stehen bereit für ein Fotoshooting der besonderen Art: Tochter Jennifer hat eine Fotobox mit internem Licht besorgt. Darin will sie die kleinen Figuren knipsen und anschließend online stellen. Vielleicht lässt sich das schwierige Jahr so finanziell noch retten. Im Onlineshop können die Zwetschgenmännla bestellt werden. Preis: Zwischen 4,50 Euro und 25 Euro. Einige fränkische Firmen haben bereits geordert und wollen die Figuren an ihre Kunden verschicken. Ob der Online-Shop funktioniert, wird sich in den kommenden Wochen weisen. Den Christkindlesmarkt ersetzen kann er sicher nicht, denn vor allem dort entfalten die Zwetschgenmännla ihre ganz besondere Wirkung.

    © Privat/Familie Schrödel

    Schon die Uroma bastelte Zwetschgenmännla.

    Zwetschgenmännla seit fast 100 Jahren

    Susanne Schrödel fertigt die Figuren in vierter Generation. Vor fast hundert Jahren schon hat die Uroma das gleiche gemacht, Nüsse aufgebohrt, mit dünnem Pinsel die Gesichter aufgemalt, Draht eingezogen und dann auf dem Nürnberger Christkindelmarkt verkauft. Susanne Schrödel hat die Passion für die Männla von ihrem Vater quasi mit in die Wiege gelegt bekommen. 2002 hat sie seinen Stand auf dem Christkindlesmarkt übernommen, führt die Familientradition seitdem fort. 2020 ist eine Zäsur in dieser Geschichte.

    Suche nach neuem Job

    Bisher hat Susanne Schrödel die Männchen daheim hauptberuflich gebastelt, in diesem Jahr muss sie wohl auf einen Großteil ihres Verdienstes verzichten, trotz monatelanger Arbeit im Vorfeld. Derzeit sucht die Wendelsteinerin nach einem zusätzlichen Job, zumindest halbtags. Denn aufgeben will sie ihre Männla-Leidenschaft auf keinen Fall. Ab Januar wird wieder gebastelt für die neue Saison, in der festen Hoffnung, dass 2021 wieder ein Christkindlesmarkt stattfinden kann.

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