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Zweitwohnungsverbot: In Bayerns Urlaubsorten immer populärer | BR24

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Wohnraum wird knapper und teurer - das gilt vor allem für touristisch gefragte Gegenden wie den Alpenraum. Dort versuchen nun einige oberbayerische Gemeinden, den Zuzug von zeitweiligen Bewohnern stärker mit einem Zweitwohnungsverbot zu beschränken.

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Zweitwohnungsverbot: In Bayerns Urlaubsorten immer populärer

Wohnraum wird knapper und teurer - das gilt vor allem für touristisch gefragte Gegenden wie den Alpenraum. Dort versuchen nun einige oberbayerische Gemeinden, den Zuzug von zeitweiligen Bewohnern stärker mit einem Zweitwohnungsverbot zu beschränken.

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Berchtesgaden, Schönau am Königssee oder auch Ruhpolding haben sie schon - Kreuth am Tegernsee plant eine Satzung, die vorbeugen soll, dass immer mehr Wohnraum genutzt wird, in dem die Bewohner weniger als die Hälfte des Jahres verbringen. Das Verbot kommt quasi über die Hintertür: Neue Zweitwohnungen müssen nach dieser Regelung genehmigt werden, was aber dann nicht mehr geschieht.

Zweitwohnungsverbot nur in Tourismus-Orten möglich

Allerdings ist ein solches Zweitwohnungsverbot nur in Orten mit viel Tourismus möglich. Entweder durch eine entsprechende Fremdenverkehrssatzung oder einen Bebauungsplan. Die Argumente sind überall die gleichen: Die einheimische Bevölkerung und auch die Mitarbeiter in Hotellerie und Gastronomie tun sich immer schwerer damit, bezahlbaren Wohnraum zu finden. Wohnungen in schönen Urlaubsorten sollen außerdem keine Spekulationsobjekte werden.

"Damit ist ein Riegel gegen diejenigen vorgeschoben, die ihr Geld in Betongeld anlegen und sich sozusagen in Ruhpolding 'ansiedeln' wollen. Das soll ein Signal sein für den Ort: für die Familien und die Arbeitnehmer." Claus Pichler, Bürgermeister Ruhpolding

Einheimische und Mitarbeiter im Gastgewerbe finden keine Wohnungen

Ruhpolding im Landkreis Traunstein ist ein Beispiel: Rund 7.000 Einwohner, 345 gemeldete Ferienwohnungen (also Zweitwohnungen). Als kürzlich ein neues Hotel eröffnet hat, hatten die neuen Mitarbeiter Schwierigkeiten, passende Wohnungen zu finden. Der Bürgermeister berichtet stolz, dass bereits bei Kaufverträgen beim Notar schon der eine oder andere Interessent von der Ruhpoldinger Satzung abgeschreckt wurde.

Nicht alle Gemeinden setzen jedoch auf ein solches Verbot. Im Tegernseer Tal wurde im vergangenen Jahr die Zweitwohnungssteuer erhöht. In Kochel am See von acht auf 12 Prozent der Jahresnettokaltmiete, in der Gemeinde Tegernsee sogar auf 20 Prozent. Diese die Wirkung der Steuer ist umstritten.

"Um eine Lenkungswirkung hervorzurufen, müsste die Steuer relativ hoch sein. Aber diejenigen, die sie bezahlen können, wären bevorzugt. Die Reicheren könnten sich das leisten, die etwas Ärmeren nicht." Franz Dirnberger, Geschäftsführer des Bayerischen Gemeindetags

Große Städte mit Wohnungsmangel dürfen kein Verbot einführen

Keine Möglichkeit für eine Satzung, die zu einem Verbot von Zweitwohnungen führt, haben dagegen große Städte mit Wohnungsmangel. München plant jedoch beispielsweise sowieso nicht, stärker gegen Zweitwohnungen vorzugehen.

"Viele der Zweitwohnungen bei uns werden von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern genutzt, die in München eine Arbeit gefunden haben, aber übers Wochenenden wieder zu ihren Familien nach Hause fahren möchten." Manuel Pretzl, zweiter Bürgermeister der Stadt München

Nicht jede Familie wolle für den Job gleich die angestammte Umgebung verlassen und nach München ziehen, vor allem, wenn es zum Beispiel nur eine befristete Beschäftigung sei. "Das gilt insbesondere auch für Berufsgruppen wie beispielsweise Polizisten, die nach München versetzt wurden, also gar nicht unbedingt freiwillig hier sind", erklärt Manuel Pretzl, zweiter Bürgermeister der Stadt München .

Auch die Idee, jede einzelne Befreiung vom Verbot dann vom Stadtrat genehmigen zu lassen, sei in einer Großstadt wie München nicht praktikabel.

Ruhpolding setzt auf "soziale Kontrolle" von Wohnraum

In Ruhpolding dagegen setzt Bürgermeister Claus Pichler vor allem auf die "soziale Kontrolle": "Wir sind ein Ort, in dem man sich gegenseitig noch kennt und wo man wahrnimmt, ob jemand eine Wohnung dauerhaft nutzt oder nur ab und zu vorbeischaut." Und je nachdem werde man dem dann auch nachgehen.

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