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Zweiter Gutachter sagt in Autobahnbrückenprozess aus | BR24

© dpa Picture-Alliance Karl-Josef Hildenbrand

Zweiter Gutachter sagt in Autobahnbrückenprozess aus

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    Zweiter Gutachter sagt in Autobahnbrückenprozess aus

    Vor dem Landgericht Schweinfurt wird heute nach dem A7-Brückenbauunglück bei Schraudenbach im Landkreis Schweinfurt vom Juni 2016 der Prozess wegen Fahrlässiger Tötung und Fahrlässiger Körperverletzung gegen drei Ingenieure fortgesetzt.

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    Heute soll ein zweiter vom Gericht bestellter Gutachter gehört werden. Am letzten Prozesstag ist eine siebenstündige Gutachteranhörung mit keinen greifbaren Ergebnissen zu Ende gegangen. Die Gutachterin, eine emeritierte Professorin für Bauingenieurwesen aus Weimar, erklärte sehr ausführlich, welche Kräfte wo wie gewirkt haben könnten, sie blieb auch auf Nachfragen der Vorsitzenden Richterin, des Staatsanwalts und des Nebenklagevertreters die Antworten unter anderem auf die Fragen schuldig, ob die angeklagten Ingenieure Fehler bei der Statik oder bei der Einhaltung von technischen Normen gemacht haben.

    Statik des Traggerüsts

    Der Nebenklagevertreter war überrascht darüber, dass die Gutachterin in ihrem schriftlichen Gutachter klare Fehler in Statik und Aufführung des Traggerüsts gesehen hat, das aber in ihrem Vortrag nicht wiederholte. Am letzten Prozesstag ging es auch um die Frage, ob das Traggerüst an seinem oberen Ende verankert war oder nicht. Der zweite Gutachter bezweifelte bei einer kurzen Aussage letzte Woche, dass das Traggerüst an seinem oberen Ende verankert war, das hielt die Gutachterin dagegen für wahrscheinlich.

    Ein Toter und 12 zum Teil schwer Verletzte

    Am 6. November war der Prozess gegen die drei Männer gestartet. Den 45-, 47- und 56-jährigen Angeklagten wird vorgeworfen, die Statik eines Traggerüstes nicht ausreichend geprüft zu haben. Wie berichtet, war am 15.6.2016 bei Betonierungsarbeiten für eine neue Brücke das Traggerüst eingestürzt. Laut einem Gutachten hatte eine Gerüststütze versagt. Dieses Element war für sogenannte Horizontalsteifigkeit nicht ausreichend stark ausgelegt. So wurde dieses Element instabil und es kam zum Einsturz der gesamten Traggerüstkonstruktion. Nachdem 1.500 Tonnen Beton auf einem Bauabschnitt eingefüllt, verteilt, verdichtet und geglättet waren, bracht das Traggerüst zusammen. 13 Bauarbeiter wurden rund 22 Meter tief mitgerissen. Dabei kam ein 38-jähriger kroatischer Arbeiter ums Leben.

    Bauarbeiter als Zeugen

    Drei Bauarbeiter wurden lebensgefährlich, sechs schwer und drei leicht verletzt. Weiterhin wurden zwei Arbeiter am Boden leicht verletzt. Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Statik nicht mit der erforderlichen und zumutbaren Sorgfalt berechnet zu haben. Den Prüfingenieuren wird vorgeworfen, die Statikberechnung und die Ausführungszeichnung gar nicht überprüft zu haben. Zu dem Prozess mit insgesamt zwölf Verhandlungstagen sind 18 Zeugen und zwei Gutachter geladen. Weiterhin gibt es vier Nebenklagen. Bei den Zeugen sind hauptsächlich die damals verletzten kroatischen Arbeiter geladen. Sie werden erstmals voraussichtlich Mitte Dezember aussagen. Zwei der Angeklagten hatten am ersten Prozesstag jede Verantwortung für das Unglück zurückgewiesen.