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Zweite Stammstrecke: Weitere Röhre als Rettungstunnel notwendig | BR24

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Die neue S-Bahn-Stammstrecke in München braucht eine dritte Röhre als Rettungstunnel - wegen neuer Sicherheits-Vorschriften. Das hat die Bahn bestätigt. Der Bau soll deshalb aber nicht länger dauern oder teurer werden.

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Zweite Stammstrecke: Weitere Röhre als Rettungstunnel notwendig

Die Bahn muss beim Bau der zweiten Stammstrecke in München erneut umdisponieren, weil sie nachträglich eine dritte Röhre als Rettungstunnel für den Brandschutz eingeplant hat. Der Zeit- und Kostenrahmen soll sich laut Bahn aber nicht verändern.

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Gravierende Umplanungen bei der zweiten Stammstrecke in München sehen offenbar eine dritte Röhre als Rettungstunnel anstelle von Schächten vor. Die neue Trasse soll bis zu 40 Metern unter die Erde führen. Konkret geht es um eine weitere Röhre für den Brandschutz. Der Grund dafür: Die Umplanungen für die zweite S-Bahn-Stammstrecke, die beim Spitzentreffen in der Staatskanzlei vergangene Woche vorgestellt wurden, sind so massiv, dass jetzt auch das bereits genehmigte Brandschutzkonzept geändert werden muss.

Grüne alarmiert: "katastrophale Planung"

Markus Büchler, Grünen-Abgeordneter im Landtag, übte am Freitag heftige Kritik an den Verantwortlichen. Dem Bayerischen Rundfunk sagte er: "Die Planung ist katastrophal und völlig intransparent." Zur Entlastung des Nahverkehrs forderte er zügiger umsetzbare Maßnahmen - etwa einen Nord- und Südring für die S-Bahn.

Büchler geht auch davon aus, dass der aktuelle Planfeststellungsbeschluss für die zweite Stammstrecke nun nicht mehr gilt. Zudem werde das Vorhaben teurer als die bisher geplanten 3,8 Milliarden Euro. Büchler glaubt nicht, dass der Tunnel vor Mitte der 2030er-Jahre fertig wird. Aktuell nennt die Bahn das Jahr 2028 als Ziel.

Reichhart: übliches Vorgehen bei Großprojekten

Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) sieht die Kritik gelassen. "Wir wollen für unsere Fahrgäste sowie die Anwohner bestmögliche Sicherheit auf dem neuesten Stand der Technik", sagte Reichhart dem BR. "Bei solchen lang laufenden Großprojekten ist es üblich, die Planungen neuen Erkenntnissen und technischen Entwicklungen anzupassen."

Die Bahn hatte zuletzt in Verhandlungen mit der Stadt und dem Freistaat dargelegt, einen zusätzlichen Bahnhof für eine Entlastungs-U-Bahn U9 am Hauptbahnhof mitzuplanen. Außerdem soll die östliche Station nicht am Orleansplatz sein, sondern hinter dem Münchner Ostbahnhof im sogenannten Werksviertel an der Friedensstraße.

Zusatzröhre keine Forderung des Eisenbahn-Bundesamtes

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) hat derweil dem BR bestätigt, dass die dritte Röhre keine Forderung seitens des EBA war. Vielmehr hatte die Deutsche Bahn dem EBA vor wenigen Tagen in einer Besprechung mitgeteilt, "dass eine sogenannte dritte Röhre zur Entfluchtung geplant sei, mit der ursprünglich geplante Rettungsschächte entfallen sollen." Eine Münchner Tageszeitung hatte zuvor berichtet, dass das EBA die Zusatzröhre verlangt hätte, was dementiert wurde.

Rettungsröhre könnte Konflikte mit Anliegern verhindern

Zu weiteren Details will sich die Bahn vorerst nicht äußern und verweist auf einen Pressetermin in der kommenden Woche. Die Rede ist von Optimierungen, die beim Spitzentreffen in der Staatskanzlei vergangene Woche vorgestellt worden seien. Dazu gehört laut Bahn die dritte Röhre als Flucht- und Rettungsröhre.

Münchner Feuerwehr zufrieden

Die Rettungsröhre würde zudem bedeuten, dass mehrere Rettungsschächte entfallen können, die dazu gedacht waren, Fahrgästen im Notfall über große Treppenhäuser 40 Meter hoch einen Weg ins Freie zu bieten. So spare die Rettungsröhre Konflikte mit Anliegern der Schächte, Rettungskräfte hätten einen besseren Zugang und überhaupt könnten Fahrgäste leichter flüchten. Die Münchner Feuerwehr ist zufrieden: Mit Hilfe dieser dritten Röhre werden die Rettungswege kürzer und schneller, sagt Wolfgang Schäuble, Chef der Münchner Berufsfeuerwehr. "Diese Fluchtröhre würde die Selbstrettung erhöhen, in dem speziellen Fall über eine nach oben führende Treppe.“, so Schäuble. Allerdings wird diese Röhre dann in bis zu 40 Metern Tiefe liegen, was mindestens 12 Stockwerken entspricht.

Bürgerinitiative begrüßt geplanten Änderungen

Die Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn-Ausbau, die seit Jahren gegen einen 2. Stammstrecken-Tunnel kämpft, sieht die geplante Rettungsröhre positiv. Entsprechende Sicherheitsstandards habe die Bürgerinitiative schon lange gefordert. In vielen Ländern gehörten demnach Rettungsröhren zumindest bei Neubauten längst zur Norm.

"Führt kein Weg am Tunnelbau vorbei, müssen die Sicherheitsstandards nicht nur auf dem neuesten Stand, sondern auch für das größte anzunehmende Unglück geplant und realisiert werden." Ingeborg Michelfeit, Vorsitzende des Vereins der Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn-Ausbau

Was die Planung für einen zusätzlichen Bahnhof der Entlastungs-U-Bahn U9 am Hauptbahnhof angeht, sagt Michelfeit: "Wenn schon dieser Milliardenwurm unter der Münchner Innenstadt nicht totzukriegen ist, wäre es aus meiner Sicht ein Versäumnis, das sich früher oder später rächen würde."

Schließlich könne man den Nukleus unterirdisch weder vergrößern noch beiseiteschieben, wenn man in 20 Jahren feststelle, dass auch die 2. Röhre nicht bringt, was sie jetzt verspricht.

Kabinett muss noch zustimmen

Michelfeit könne sich durchaus vorstellen, dass der Einbau eines dazwischenliegenden Tunnelganges, wenn man den Zeit- und Kostenrahmen des Gesamtprojektes betrachte, keine großen Auswirkungen darauf haben werde. Und wenn, dann müsste es die Rettung vieler Menschenleben wert sein, so die Vorsitzende.

Die Bahn bestätigt, am Zeit- und Kostenrahmen würde sich durch das neue Flucht- und Rettungskonzept nichts ändern. Das Bayerische Kabinett muss den geänderten Plänen noch zustimmen - und das Eisenbahnbundesamt die Umplanungen mit der Sicherheitsröhre genehmigen.

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Umplanungen für zweite Stammstrecke erfordern zusätzliche Rettungsröhre