BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Wie Altenheime mit der zweite Corona-Welle umgehen | BR24

© picture alliance

Ein Besuch im Altenheim in Corona-Zeiten

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Wie Altenheime mit der zweite Corona-Welle umgehen

Nach Corona-Ausbrüchen in einigen Alten- und Pflegeheimen steigt die Sorge von Bewohnern und Angehörigen. Die Heime sind weitestgehend vorbereitet und halten sich an strenge Hygiene-Auflagen. Vor einem erneuten Besuchsverbot fürchtet man sich jedoch.

Per Mail sharen
Von
  • Katrin Bohlmann

"Hallo…?! Bisschen lauter müsste es schon sein", ruft die Heimbewohnerin Paula Kistenpfennig. Wir sind per Skype mit ihr verbunden – eine Schutzmaßnahme, wegen der Corona-Pandemie. Die 85-Jährige lebt seit einigen Jahren im Caritas-Haus St. Antonius in München-Forstenried.

Corona-Ausbruch: Bewohner müssen in Zimmern bleiben

Seit zwei Wochen kämpft das Altenheim mit einem schweren Corona-Ausbruch. Bewohner und Mitarbeiter sind erkrankt. Wie viele es sind, wollte die Heimleitung nicht sagen. Man fühle sich vom zuständigen Gesundheitsamt allein gelassen, heißt es von der Leitung. Die Bewohner müssen größtenteils in ihren Zimmern bleiben. Paula Kistenpfennig versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Und dazu skypt sie regelmäßig mit ihrer Familie.

"Das ist eine sehr gute Erfindung. Wissen sie: Ich habe einen Enkel, der ist von diesem Fach", erzählt Kistenpfennig. "Und der hat mir dieses Skype da hergestellt. In der Früh um Neun macht die Tochter das schon mit mir, das Skny… Skypen… ich glaub, Skypen sagt man… (lacht) und dann am Abend um Sieben nochmal. Also, ich bin mit meiner Familie fest verbandelt."

Gemeinsame Aktivitäten nur mit Mindestabstand

Trotz zunehmender Arbeitsbelastung versucht das Pflegepersonal seinen Heimbewohnern den Alltag möglichst angenehm zu gestalten. Gemeinsame Angebote wie Backen, Tanzen und Gedächtnistraining gibt es nur in kleinen Gruppen und immer mit Mindestabstand.

Die anderen, der insgesamt 27 Altenheime des Caritasverbands der Erzdiözese München und Freising, haben sich ebenfalls auf die Corona-Pandemie eingestellt. Doris Schneider ist für sie verantwortlich.

Erneutes Besuchsverbot wäre "Drama"

Noch gebe es Besuchszeiten, so Schneider. Das sei wichtig - aber es bedeute auch einen erheblichen Mehraufwand für das Personal. "Es muss ein zusätzlicher Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin am Empfang sitzen, die Angehörigen registrieren und noch einmal einweisen in die Hygienemaßnahmen", so Schneider.

Es müsse nun auch wieder überlegt werden: Wie passt man die Angebote in den Einrichtungen an, wie gestaltet man die Gottesdienste? "Weihnachten kommt auf uns zu, wo man überlegen muss, wie gestaltet man das alles, um zwischen dem sozialen Leben und dem Infektionsrisiko, das wir immer haben, abzuwägen und da gute Entscheidungen zu treffen?"

Schneider will die Heime möglichst offen halten. Ein erneutes generelles Besuchsverbot wäre für die Bewohnerinnen und Bewohner "ein Drama", warnt sie.

Kistenpfennig: "Fürchte, das dauert noch sehr lange"

Die 85-Jährige Paula Kistenpfennig fühlt sich jedoch gut aufgehoben im Münchner Haus St. Antonius. Angst davor, was noch kommen könnte, hat sie nicht. "Da denke ich lieber nicht so genau nach. Weil ich fürchte, das dauert noch sehr lange bis das wieder einigermaßen normal wird. Aber ich kann a bisserl was wegstecken."

Sie vermisst zwar die Gespräche mit den anderen Bewohnerinnen, aber so lange die Corona-Pandemie ihr Unwesen treibt, bleibt Kistenpfennig lieber in ihrem Zimmer und skypt mit ihrer Familie.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

Corona-Schnelltests könnten vor allem in Einrichtungen mit vielen Menschen helfen, Infektionsketten zu unterbrechen. Antigen-Schnelltests können generell seit Mitte Oktober in Alten- und Pflegeheimen eingesetzt werden.