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Zweite Corona-Impfrunde in Laufer Seniorenheim | BR24

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Das Seniorenheim "beim St. Otto" in Lauf gehört zu den ersten Einrichtungen in Franken, deren Belegschaft und Bewohner schon die zweite Corona-Impfung erhalten haben. Die meisten machen mit, doch es gibt auch Skepsis.

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Zweite Corona-Impfrunde in Laufer Seniorenheim

Das Seniorenheim "bei St. Otto" in Lauf gehört zu den ersten Einrichtungen seiner Art, dessen Belegschaft und Bewohner jetzt schon die zweite Corona-Impfung erhalten haben. Eine Diskussion um Impfpflicht hat es hier nicht gegeben.

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Von
  • Jörg Hertle

Morgens kurz nach 8 Uhr: das mobile Impf-Team des Landkreises Nürnberger Land bereitet einen Raum im Seniorenheim "bei St. Otto" für die zweite Impfrunde der Bewohner und der Mitarbeitenden vor.

Die Nachfrage im Haus ist überdurchschnittlich hoch. Das liegt unter anderem daran, dass die Geschäftsführerin bereits vor Weihnachten ausführliche Mails zum Thema Impfen an die Mitarbeitenden und die Angehörigen der Bewohner verschickt hat. Zudem wurden zahllose persönliche Gespräche geführt.

Skepis gegenüber dem Corona-Impfstoff

Dennoch: Zunächst waren einige der Mitarbeitenden zurückhaltend – so wie Eva Speckner, die hier hauptsächlich in der Nachtschicht arbeitet. "Mit ist das alles ein bisschen suspekt gewesen. Man hat so wenig Informationen erhalten über Nebenwirkungen. Und, ja, mir ging die Forschung viel zu schnell voran, muss ich ganz ehrlich sagen. Aber, je mehr ich darüber nachgedacht habe, desto mehr war ich der Meinung, das bin ich den Bewohnern hier schuldig."

Keine nennenswerten Nebenwirkungen bei Corona-Impfung

Inzwischen sind Anästhesist Dr. Franz Köhler und die beiden Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes vom Mobilen Impf-Team die Reihenimpfung vor Ort. Marco Hutzler vom Malteser Hilfsdienst zieht die Spritzen auf. Immer 0,3 Milliliter pro Dosis und legt sie für den Impfarzt in einer Nierenschale bereit.

Was Dr. Köhler umtreibt ist, dass sich viele Pflegekräfte nicht impfen lassen wollen. "Viele rauchen, viele trinken Alkohol, viele nehmen die Antibaby-Pille. Alles hat Nebenwirkungen, ernsthafte Nebenwirkungen. Und bei dieser Impfung sind bisher bei Millionen von Impfungen keine nennenswerten Nebenwirkungen aufgetreten. Natürlich weiß man nicht, was in zehn Jahren ist, ob es da Nebenwirkungen geben wird. Und, ich brauche mir nicht über die Nebenwirkungen von in zehn Jahren Gedanken machen, wenn ich die nächsten sechs Monate nicht überstehe."

Bewohner und Mitarbeitende bereits Ende Dezember geimpft

Bereits Ende Dezember waren die Bewohner und Mitarbeitenden des Hauses in Lauf dran, geimpft zu werden. Sie sind Teil einer Praxisstudie des Bundesverbandes der Privaten Anbieter Sozialer Dienste. Es sollen Probleme im Ablauf erkannt werden, um die Impfungen in Seniorenwohnanlagen schneller und besser durchführen zu können. Von den 60 Senioren und 48 Pflegekräften in St. Otto haben sich rund 75 Prozent immunisieren lassen.

Verständnis für Unsicherheit

Dennoch hat Ergotherapeutin Franziska Lorenz Verständnis für ihre Kolleginnen und Kollegen, die Vorbehalte haben: "Es ist einmal eine große Unsicherheit da, aber, im Endeffekt muss es halt jeder selber wissen. Man muss, denke ich, überzeugt sein vom Impfen. Wenn die hundertprozentige Überzeugung nicht da ist, dann weiß ich nicht, ob man sich impfen lassen sollte. Aber, ich bin überzeugt. Ja."

Impfung macht Hoffnung auf Besucher

Die Chefin im Haus St. Otto, Kristine Lütke, würde sich freuen, wenn sie mit dem Abschluss der zweiten Impfung auch wieder mehr Besucher in die Wohnanlage lassen dürfte: "Das muss die bayerische Staatsregierung entscheiden, inwiefern sich die Besuchsregelungen ändern. Ich würde es mir natürlich wünschen, dass man dafür sorgen kann, dass das Besuchsmanagement ein bisschen einfacher werden kann und man hier etwas mehr Freiheiten hat."

Wenn die Impfbereitschaft überall so groß ist wie in diesem Haus in Lauf und dann noch genügend Impfstoff vorhanden ist – erst dann wird sich die Situation in den besonders gefährdeten Altenheimen entspannen.

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