BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Kaum Licht am Ende des Tunnels: Zwei bayerische Wirte erzählen | BR24

© BR/Robert Grantner
Bildrechte: BR/Robert Grantner

Kein Licht am Ende des Tunnels: Zwei bayerische Wirte erzählen.

33
Per Mail sharen

    Kaum Licht am Ende des Tunnels: Zwei bayerische Wirte erzählen

    Corona hat die Wirte schwer mitgenommen. Seit vier Monaten ist wieder lediglich Essen zum Mitnehmen erlaubt. Während nun Lockerungen für Friseure und Gartencenter kommen, haben Wirte immer noch keine Öffnungsperspektive. Wie geht es ihnen damit?

    33
    Per Mail sharen
    Von
    • Robert Grantner

    Eigentlich ist Bettina Rothemund-Roggendorf Gastronomin, hat im niederbayerischen Neufrauenhofen bei Landshut ein eigenes Wirtshaus mit großem Biergarten. Doch das darf sie seit Beginn des Lockdowns im November nicht mehr betreiben. Und so treffen wir die 44-Jährige ganz woanders. Nämlich im Impfzentrum Erding.

    "Ich habe mich natürlich gleich umgeschaut, als sie gesagt haben sie sperren uns wieder zu, weil du brauchst ja ein Einkommen. Nur warten, bis Geld kommt, das geht nicht, da kannst du ja nicht überleben davon! Und jetzt habe ich halt meinen alten Job als Arzthelferin wieder aufgenommen und habe gesagt, da mache ich jetzt wenigstens was Sinnvolles und nutze die Zeit und helfe im Impfzentrum mit." Bettina Rothemund-Roggendorf

    Zurück zur Arbeit als Arzthelferin

    Jetzt hat sie einen bis Ende März befristeten Vertrag, mischt zwei bis drei Tage in der Woche den Impfstoff zusammen und verabreicht ihn an die Bürgerinnen und Bürger aus Erding und dem Umland. Vom Zapfhahn zur Spritze, sozusagen. Sie habe damit ja noch Glück, sagt Rothemund-Roggendorf. Andere, die "nur" Wirte sind, könnten nicht mal schnell woanders arbeiten.

    Vor etwa zweieinhalb Jahren hat die 44-Jährige das Wirtshaus gekauft und damit alles auf eine Karte gesetzt. Den sicheren Job als Arzthelferin hat sie damals gekündigt und Schulden aufgenommen. Wir haben Bettina Rothemund-Roggendorf schon im September besucht. Damals hatte sie Angst, was der Winter bringen mochte. Ihr Problem: die kleine Gaststube mit nur fünf Tischen. Draußen hat sie 300 Sitzplätze, aber drinnen und dann auch noch mit Corona-Abstandsregeln?

    Hygienekonzept, Trennwände - und schlaflose Nächte

    Doch sie war vorbereitet, hatte Trennwände aufgestellt, ein Hygienekonzept erarbeitet und träumte von einer beheizten kleinen Hütte, die sie in den Biergarten bauen wollte, um so noch mehr Plätze zu schaffen. Damals sagte sie: "Ja, wir haben ja Schulden und gut was zum Abzahlen. Da hast du schon oft schlaflose Nächte und grübelst, wie es weitergeht. Aber ich kämpfe, ich gebe nicht auf! Das ist mein Baby! Das wollte ich unbedingt und jetzt beiße ich mich da durch! Kriegen wir scho' hin!" Sie ahnte noch nicht, das alles noch viel schlimmer kommen sollte.

    Seit Anfang November stehen die Stühle auf den Tischen

    Ortswechsel. Die Trattoria Sorano in Regensburg. Auch hier waren wir schon im September zu Gast, haben den Geschäftsführer Leopold Rollinger getroffen. Auch er war auf die kältere Jahreszeit vorbereitet, wollte vor allem mit Heizstrahlern die Außensaison verlängern. Doch auch diese Hoffnung währte nur kurz. Heute stehen die Heizstrahler nahezu unbenutzt in einer Ecke. Im Lokal stehen die Stühle auf den Tischen, in den Kühlschränken verderben langsam sogar die Getränke.

    "Wir waren gut vorbereitet, haben auch noch investiert, alle Auflagen erfüllt, die haben sich ja alle drei Tage verändert. Und dann kam am 2.11. der Lockdown light und jetzt ist schon fast März … Und es ist schon ein wehmütiges und trauriges Gefühl, wenn man hier drinnen steht, ohne Perspektive …" Leopold Rollinger

    Die Ungewissheit ist das Schlimmste für die Wirte

    Im ersten Lockdown hatte er selber noch Pizzen gebacken und sie "To Go" angeboten, doch das hat sich kaum gelohnt. Was ihn am meisten stört, ist die Ungewissheit, wie es weitergehen soll: "Ich brauch zum Beispiel wieder einen Pizzabäcker und hätte einen sehr guten Sizilianer an der Hand. Aber was soll ich denn dem erzählen? Fang am 1.3. an, oder am 1.5.? Ich weiß es nicht! Zudem darf ich wegen der Kurzarbeit aktuell gar keinen einstellen. Verstehe ich, ich kann ja nicht 16 Leute in Kurzarbeit haben und dann noch Leute einstellen, da zeigt dir jeder den Vogel, verständlich. Aber von der Planung her ist es eine Katastrophe!"

    Die Hilfsgelder für November und Dezember hat er noch immer nicht auf seinem Konto. Dabei laufen die Fixkosten weiter. Und Leopold Rollinger trifft es gleich doppelt, weil er direkt gegenüber von seiner Trattoria auch noch das Hotel Luis betreibt, das er vor ein paar Jahren gekauft und aufwendig renoviert hat. "Das Geschäft lief gut, wir hatten teilweise 80 Prozent Auslastung. Und jetzt haben wir einen oder zwei Geschäftsreisende pro Tag. Das ist schon bitter. Eine Öffnungsperspektive wäre mal essenziell. Auch für das eigene Gefühl, dass man wieder auf was hinarbeiten kann, dass man Planungssicherheit hat."

    "Warum die und wir nicht?"

    Wir haben ihn gefragt, ob er es ungerecht findet, dass jetzt wieder Friseure, Fußpfleger oder Kosmetikstudios aufmachen dürfen und er nicht. Aber er winkt ab:

    "Nein, ich bin tatsächlich recht froh für jeden, der wieder aufsperren darf. Ob Einzelhandel, oder Friseur. Jeder hatte wahnsinnige Einbußen, der zumachen musste. Also von dem her wirklich: Wer darf, der soll. Aber ein bisschen Wehmut bleibt natürlich. Warum die und wir nicht? Von dem her, wir würden am liebsten morgen wieder anfangen." Leopold Rollinger

    Alle Hoffnung liegt auf Ostern

    Zurück bei Bettina Rothemund-Roggendorf. Auch sie hofft, bald wieder aufsperren zu dürfen. Bis dahin haben sie und ihr Mann Marcell alle Hände voll zu tun, denn zu allem Überfluss muss sie auch noch ihre Küche renovieren, weil der Boden nachgegeben hat. Gerade ist sie dabei, Löcher in der Wand zu verspachteln, während ihr Mann Stromleitungen verlegt. Wieder muss sie investieren, obwohl ihr die Einnahmen fehlen. Doch sie bleibt positiv:

    "Ich gehe voller Zuversicht an die Sache ran. Ich sage von Anfang an, ich sperre Anfang April auf, ich möchte Ostern aufmachen. Pünktlich zur Biergartensaison will ich aufsperren. Also mir wäre ja schon geholfen, wenn ich den Außenbereich wieder aufmachen dürfte, das ist ja sowieso mein größtes Einkommen, der Biergarten. Ich bin zuversichtlich: Wir machen wieder auf. Es geht weiter! Sonst wäre der ganze Schmarrn da umsonst!" Bettina Rothemund-Roggendorf

    Nächste Woche kommt der Fliesenleger, dann die Kochinsel - und hoffentlich bald dann auch wieder Gäste.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!