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Zwei Raserprozesse in Niederbayern: Urteile erwartet | BR24

© BR/Sarah Beham

Sowohl im so genannten Kalteck-Prozess, bei dem sich zwei Männer für den Tod eines unbeteiligten Familienvaters verantworten müssen, also auch im Berufungsprozess um ein illegales Autorennen in Passau soll heute das Urteil fallen.

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Zwei Raserprozesse in Niederbayern: Urteile erwartet

In gleich zwei Raserprozessen sollen Urteile fallen: Zum einen im Kalteck-Prozess, bei dem sich zwei Männer für den Tod eines unbeteiligten Familienvaters verantworten müssen. Zum anderen im Berufungsprozess um ein illegales Autorennen in Passau.

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Am Freitag sollen in Niederbayern gleich zwei Urteile in Prozessen um illegale Autorennen fallen. Im Raserprozess von Kalteck geht es um zwei Männer, denen vorgeworfen wird, mit ihrem mutmaßlichen Wettrennen den Tod eines Unbeteiligten und die schweren Verletzungen dessen Sohnes verursacht zu haben.

Außerdem soll der Passauer Berufungsprozess gegen zwei Männer zu Ende gehen, die ebenfalls durch ein mutmaßliches Autorennen mehrere Menschen gefährdet und verletzt haben sollen. Die beiden Angeklagten sind nach dem ersten Urteil in Berufung gegangen.

Urteil im Raserprozess von Kalteck

Im Prozess um den tödlichen Raser-Unfall von Kalteck im Bayerischen Wald haben mittlerweile mehr als 50 Zeugen ausgesagt. Nach den Plädoyers soll am Nachmittag das Urteil verkündet werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden 28 und 54 Jahre alten Angeklagten vor, im Juli 2018 bei Achslach im Landkreis Regen ein verbotenes Rennen - Auto gegen Motorrad - veranstaltet und dabei den Tod eines entgegenkommenden Oldtimer-Fahrers verursacht, sowie weitere Menschen verletzt und gefährdet zu haben. Bei dem mutmaßlichen illegalen Wettrennen sollen die Angeklagten eine kurvige Bergstrecke immer wieder rauf- und runtergerast sein. Dabei hatte der Fahrer des Audi-Sportwagens die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren und war in das entgegenkommende Auto geprallt.

Verletzter Sohn ist seit dem Unfall schwer behindert

Das Todesopfer ist ein 38 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Cham. Sein zehnjähriger Sohn, der mit im Wagen saß, erlitt lebensgefährliche Verletzungen und ist seither schwer behindert. Die Witwe Beate Altmann wünscht sich für heute ein gerechtes Urteil: "Dass sie nie wieder etwas fahren dürfen, was einen Motor hat, nie wieder. Sie gehören weggeräumt, dass sie einfach wissen, was sie getan haben." Sie und ihr Sohn sind Nebenkläger.

Die Angeklagten bedauerten im Prozess das Geschehen und erklärten sich im Rahmen eines außergerichtlichen Täter-Opfer-Ausgleiches bereit, der Familie 31.000 Euro sowie 25.000 Euro zu zahlen.

Staatsanwaltschaft will Zeichen setzen

Die Staatsanwaltschaft Deggendorf will heute ein Zeichen setzen, unter anderem, um damit die Verkehrssicherheit zu erhöhen: "Dass die Leute sehen: Wenn ich mich nicht an die Regeln halte, werde ich bestraft und hat das für mich gravierende Konsequenzen", sagte der leitende Oberstaatsanwalt in Deggendorf, Rudolf Helmhagen.

© BR

Ein Kreuz am Straßenrand im Bayerischen Wald erinnert an den tödlich verunglückten Familienvater.

Urteil im Berufungsprozess um ein illegales Autorennen in Passau

In Passau soll das Urteil im Berufungsprozess um ein illegales Autorennen fallen. Die 30 und 19 Jahre alten Angeklagten waren im Januar in erster Instanz vom Amtsgericht verurteilt worden: der ältere zu zweieinhalb Jahren Gefängnis, der jüngere zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Weil beide Seiten in Berufung gingen, wurde der Fall jetzt noch einmal vor dem Landgericht verhandelt.

Mehrere Personen bei Unfall zum Teil schwer verletzt

Für die Richter im ersten Prozess war klar: Die beiden Männer hatten sich im Passauer Stadtteil Hacklberg innerorts mit ihren 450 bzw. 210 PS starken Autos ein Rennen geliefert - spontan vereinbart "mit Gashebelgeräuschen und Blickkontakten" an einer roten Ampel stehend. Bei grün sollen sie ihre Pkw auf bis zu 160 km/h beschleunigt haben.

Der Jüngere verlor nach einigen hundert Metern bei einem Spurwechsel die Kontrolle über sein Fahrzeug und krachte frontal in ein entgegenkommendes Auto. Bei dem Crash wurden der Unfallverursacher, die Frau im entgegenkommenden Fahrzeug, deren neunjährige Enkelin und zwei Insassen in einem dritten Auto zum Teil schwer verletzt.

Anwalt des 30-Jährigen fordert Freispruch

Im Berufungsprozess blieb die Anklage dabei: An einem verbotenen Autorennen gebe es keine Zweifel. Beide hätten ihre Pkw auf das Dreifache der erlaubten Geschwindigkeit beschleunigt. Die Staatsanwaltschaft forderte deshalb für den älteren Angeklagten 32 Monate Haft, für den jüngeren 20 Monate auf Bewährung. Der Verteidiger des älteren Angeklagten, der mehrfach vorbestraft ist und gerade eine Haftstrafe absitzt, hält die Version vom illegalen Rennen für "reine Spekulation" und fordert deshalb Freispruch. Der Anwalt des Jüngeren plädierte im Berufungsprozess auf ein Jahr Jugendstrafe auf Bewährung.

© Markus Kornexl/Freiwillige Feuerwehr Passau

Bild der Zerstörung: die Unfallstelle in Passau