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Zwei Jahre nach Orkan Kolle: Kahlschlag und Borkenkäferbefall | BR24

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Zwei Jahre nach Orkan Kolle: Kahlschlag und Borkenkäferbefall

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Zwei Jahre nach Orkan Kolle: Kahlschlag und Borkenkäferbefall

Vor zwei Jahren zerstörte Orkan "Kolle" riesige Waldflächen in Niederbayern. Noch immer sind die Folgen zu sehen: Kahlschlag und Borkenkäferbefall prägen vor allem Fichten-Monokulturen. Der Schaden ist deprimierend groß - aber auch eine Chance.

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Am Sonntag jährt er sich zum zweiten Mal: Am 18. August 2017 fegte der Orkan "Kolle" mit teilweise 200 Kilometern pro Stunde über Teile des Bayerischen Waldes. In nur 20 Minuten zerstörte er in den Landkreisen Passau und Freyung-Grafenau knapp 9.000 Hektar Wald. Mehr als 4.000 Waldbauern verloren Holz im Millionenwert.

Perfekte Voraussetzungen für den Borkenkäfer

Zwei Jahre später prägen Kahlschlag und rundherum rotbraun gefärbte, vom Borkenkäfer zerstörte Bäume die Region. Auch wenn der Borkenkäfer schon vor "Kolle" da war, der Sturm und der Schneebruch im vergangenen Jahr haben ihm üppigen Raum zum Fressen und Vermehren geschenkt. "Wenn man täglich rote Felder mit abgestorbenen Käferbäumen aufploppen sieht, dann hat das was Apokalyptisches - immer noch und auch für die Zukunft, wenn man sich vorstellt, wie die Landschaft mal ohne Fichtenbestände ausschauen soll", sagt Hauzenbergs Bürgermeisterin Gudrun Donaubauer.

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Dieser Aussichtsturm war so geplant, dass man gerade so über die Baumkronen schauen kann. Jetzt bräuchte man ihn eigentlich nicht mehr.

Waldbesitzer sind deprimiert

Gut zu beobachten ist dieser Prozess auf dem Staffelberg, dem Hausberg Hauzenbergs: Die eine Hälfte der Bäume knickte der Sturm um, die andere überfällt jetzt der Borkenkäfer. Auch Georg Veit (49) besitzt auf dem Staffelberg Wald. Von seinen 28 Hektar zerstörte "Kolle" mehr als die Hälfte. Weitere zehn Hektar holte sich nun der Borkenkäfer. Veit bleiben noch zwei Hektar gesunder Wald. "Das ist der zweite Schlag ins Gesicht. Es ist deprimierend", sagt er.

100-Millionen-Euro-Paket für die Geschädigten

Die bayerische Staatsregierung half 2017 mit einem 100-Millionen-Euro-Paket: Im Landkreis Passau bekamen 3.300 Waldbesitzer 32 Millionen, in den Kreis Freyung-Grafenau flossen 8,5 Millionen an 800 Geschädigte. Mit diesem Geld konnte das Sturmholz aufgeräumt werden. "Das hat uns geholfen, wir waren motiviert, haben junge Bäume gepflanzt. Aber jetzt komme ich mit Motorsäge und Harvester nicht mehr hinterher, befallene Bäume aus dem Wald zu holen", sagt Veit.

Förster helfen Waldbesitzern bei der Aufforstung

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Waldbesitzer Georg Veit und Hauzenbergs Förster Florian Hofinger

Hauzenbergs Förster Florian Hofinger hilft geschädigten Waldbauern dabei, ihre Wälder wieder aufzuforsten. Auch dafür können die Waldbesitzer Finanzhilfe vom Staat beantragen. Erst müsse das Käferholz raus aus dem Wald und dann müsse man Schritt für Schritt vorgehen, sagt er: "Der Trick ist, dass man nur so viel pflanzt, wie man nachhaltig bewältigen kann. Es bringt nichts, wenn man 20 Hektar auf einen Rutsch wieder aufforsten will. Das funktioniert nicht. Man soll lieber drei Hektar ordentlich machen und beim Rest abwarten und schauen, was kommt."

Mischwald statt Monokultur im neuen Wald

In den zwei gesunden Waldbereichen von Georg Veit wachsen Bergahorn, Buche, Tanne, Lärche und Eiche. Der Wald der Zukunft besteht nicht mehr nur aus Fichten.

"Dass Monokulturen in der Bewirtschaftung schwierig sind, hat man lange davor schon gewusst. "Kolle" hat einen Prozess beschleunigt, der ohnehin stattgefunden hätte. Er hat die Weichen für die Reduzierung der Fichte gelegt - und man kann das jetzt auch als Chance sehen." Förster Florian Hofinger
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Schäden nach Orkan Kolle