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Justitia mit verbundenen Augen vor blauem Himmel am Lorenzer Platz in Nürnberg.

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Zwangsprostitution: Priester in der Oberpfalz wohl "unauffällig"

Zwangsprostitution: Priester in der Oberpfalz wohl "unauffällig"

Ein 57-jähriger Priester im Ruhestand hat Jugendliche in Fürth zur Prostitution gezwungen und sie dabei ohne deren Wissen gefilmt. Der Mann war vorher auch in der Oberpfalz tätig, doch dort soll sich der Mann eher "unauffällig" verhalten haben.

Nach dem Bekanntwerden der Verurteilung eines Ruhestands-Priesters aus dem Bistum Regensburg wegen Missbrauchs und Zwangsprostitution von Jugendlichen in Fürth zeigen sich die Menschen in den ehemaligen Wirkungsstätten in der Oberpfalz geschockt. Die "Mittelbayerische Zeitung" hatte zuerst über die früheren Seelsorgestellen des 57-jährigen Priesters berichtet.

Priester war auch in Mintraching bei Regensburg tätig

Kurt Senft (Freie Wähler) war zur Zeit des Wirkens des Verurteilten in Mintraching im Landkreis Regensburg Bürgermeister der Gemeinde. Er erfuhr durch eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks kurz nach seinem Urlaub von den Geschehnissen: "Der Priester war ein bisschen eigen, aber bei uns ist er nie negativ aufgefallen. Er war nicht übermäßig gesellig, aber bei Grundstücksverhandlungen beispielsweise sehr aufgeschlossen", so Senft. Übergriffe oder Vorwürfe aus seiner Zeit in Mintraching von 2001 bis 2013 sind dem ehemaligen Bürgermeister nicht bekannt.

Vorwürfe gegen den Priester sind ein "großer Schock"

Ähnlich beschreibt den pensionierten Priester ein Mitglied der Pfarrgemeinschaft Mintraching, der mehrere kleinere Pfarreien angehören, im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk: "Er war schon ein bisschen komisch, aber er war nie so auffällig, dass man Bedenken gehabt hätte. Unsere Kinder haben unter ihm ministriert und nie etwas Negatives berichtet." Er erzählt weiter, dass der 57-jährige Priester seine Aufgaben und Pflichten stets erfüllt habe, nach dem Gottesdienst sei er aber schnell weg gewesen und habe wenig Geselligkeit gezeigt. Für das Mitglied der Pfarrgemeinschaft war die Nachricht über die Vorwürfe gegen den Mann ein "großer Schock".

Die unabhängige Ansprechpartnerin für Hinweise auf sexuellen Missbrauch und sexuelle Übergriffe des Bistums Regensburg, Susanne Engl-Adacker, berichtet, dass sie bisher von keinen Vergehen des Mannes während seiner Tätigkeit im Bistum Kenntnis habe. Das Bistum selbst hatte dies bereits am Montag erklärt.

Schutzkonzept gegen sexuelle Übergriffe im Aufbau

Susanne Engl-Adacker ist aktuell damit beschäftigt für das Bistum Regensburg ein Schutzkonzept zu entwickeln. Sie schult unter anderem Pfarrgemeinden, damit sexuelle Übergriffe verhindert werden. Unter anderem wird bei dem Schutzkonzept untersucht, welche Personen wann und wo Zutritt zu den Räumen der Pfarreien haben und wann es Risiken gibt.

Beispiele wären hier Ausflugsfahrten oder gemeinsame Übernachtungen. Sie erarbeitet auch einen Verhaltenskodex mit Ansprechpersonen, an die sich Betroffene von Missbrauch wenden können. Als Teil des Schutzkonzepts müssen auch alle Mitarbeitenden der Pfarrgemeinden ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Priester hat Jugendliche als Prostituierte arbeiten lassen

Das Bistum Regensburg teilte mit, es sei in Zusammenarbeit mit dem unabhängigen Betroffenenbeirat der Diözese geplant, nach möglichen weiteren Opfern zu suchen. Generalvikar Roland Batz werde einen Brief schreiben.

Der verurteilte Priester hat in mindestens 14 Fällen Jugendliche als Prostituierte arbeiten lassen, ihnen Freier vermittelt und sein Schlafzimmer vermietet, wie dem Urteil des Landgerichts Nürnberg-Fürth zu entnehmen ist. Außerdem hat der Geistliche demnach ohne Wissen seiner Opfer Bilder und Videos von ihnen angefertigt, während sie mit den Freiern Sex hatten.

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