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Zurück aufs Land: Der Bayerwald boomt | BR24

© picture-alliance/dpa / Armin Weigel

Bayerischer Wald bei Viechtach

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Zurück aufs Land: Der Bayerwald boomt

Der Fall ist typisch für den Bayerischen Wald: Tobias Bals kehrte vor drei Jahren zurück in seine alte Heimat Viechtach und gründete dort eine Werbeagentur. Inzwischen beschäftigt der 30-Jährige sieben Angestellte. Die Region boomt.

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Abwanderung, Überalterung, Ausbluten der Region und Einwohnerschwund – diese düsteren Zukunftsprognosen gab’s noch vor Jahren für den Bayerischen Wald. Doch statt zur klassischen Abstiegsregion zu werden, ist sie plötzlich wieder gefragt. Es gibt einen spürbaren Trend zurück oder überhaupt raus auf’s Land und der hat eher selten rein landromantische Gründe.

90 Euro für den Quadratmeter Bauland

Der Landkreis Regen ist dafür ein gutes Beispiel. Es gibt handfeste Motive, warum das Leben in attraktiven ländlichen Räumen wieder stärker gefragt ist. Für den Mittelschullehrer Matthias Muhr war das der Grund, nach etlichen Berufsjahren quer durch Bayern wieder zurückzukehren in seine Heimat. Denn, so Muhr: "In Viechtach kostet der Quadratmeter Bauland nicht 300 oder mehr Euro, sondern nur 90".

Wenn, dann wollte er hier, wo Bauland und Handwerker noch bezahlbar sind, ein eigenes Haus für sich und seine kleine Familie bauen. Eine Lehrerstelle war auch zu bekommen und gerade, weil er viele Jahre weg war, schätzt er das Leben auf dem Land. Wenn man etwas unternehmen will, könne man heutzutage relativ schnell in die nächstgelegenen großen Städte fahren, sagt der 38-Jährige. Aber den umgekehrten Weg, so Matthias Muhr, den gebe es eben nicht: Wer im Alltag ruhig leben wolle, der fände das nur auf dem Land.

Viechtach hat 600 Einwohner mehr

Die Stadt Viechtach spürt diesen Trend schon länger: Die drei Baugebiete, die in den letzten Jahren ausgewiesen wurden, waren sofort weg. Es gibt weiterhin mehr Nachfrage als Angebot, auch für Mietwohnungen. Die Einwohnerzahl ist um rund 600 Menschen gestiegen, so Bürgermeister Franz Wittmann, und man habe bei rund 8.500 Einwohnern vergleichsweise viele, nämlich 5.000 Arbeitsplätze, zu bieten.

Heimat ist wieder hip

Einige der Lehrlinge in der Werbeagentur von Tobias Bals sind klassische "Dableiber", auch ein neuer Trend. Während viele Jugendliche früher einfach nur weg wollten aus der öden Provinz, zieht es inzwischen viele nicht mehr in die Ballungsräume. Der 20-jährige Felix Wahlers zum Beispiel findet – nach Reisen woandershin – dass die Landschaft nirgends so schön ist wie hier im Bayerischen Wald, wo er aufgewachsen ist. Das Kulturangebot reicht ihm, das Verhältnis zu den Eltern ist entspannt. Wer studieren will, muss auch nicht mehr weit weg, seit es zum Beispiel auch in ostbayerischen Kleinstädten wie Deggendorf oder Amberg Hochschulen gibt. Heimat ist außerdem wieder "hip". Junge Leute bekennen sich bewusst zu "Provinz" und "Entschleunigung", vielleicht, weil die globalisierte Gesellschaft "draußen" immer hektischer tickt.

Landrätin will die jungen Leute halten

"Das Pflänzchen ist noch zart genug, um gehätschelt und gepflegt zu werden", sagt die Regener Landrätin Rita Röhrl (SPD), die sich nach Jahren des Einwohnerrückgangs über steigende Bevölkerungszahlen in ihrem Landkreis freut: 2013 lebten nur noch 76.257 Menschen im Landkreis Regen, ein Tiefstand. 2017 waren es wieder 77.489. Sie freut sich auch über Ruheständler – oft ehemalige Urlauber aus den Ballungsgebieten – die im Alter ganz herziehen. Aber in erster Linie will die Politikerin die jungen Leute im Bayerischen Wald halten, verhindern, dass sie auf der Suche nach guten Arbeitsplätzen abwandern müssen.

Straßen- und Breitbandausbau sind nötig

Deshalb müsse die Politik den positiven Trend mit Infrastrukturmaßnahmen stützen, vom Straßen- bis zum Breitbandausbau. Wacklig bleibt auch, was die Zuzüge anerkannter Asylbewerber langfristig bringen. Davon ist vor allem die Kreisstadt Regen betroffen, in der mehr als 300 anerkannte Flüchtlinge einiges an Leerstand beseitigt haben, weil sie alle Mietwohnungen brauchten. Aber es ist unklar, wie lange sie wirklich bleiben und nur ein Teil von ihnen hat schon genug Deutschkenntnisse, um arbeiten zu können.

© BR

Abgehängt - dieser Stempel wurde lange dem Bayerischen Wald aufgedrückt. Jetzt hat sich das Blatt gewendet, die Region boomt. Warum sich die Menschen dort so gern niederlassen, hat Renate Roßberger recherchiert.